Gokart-Fahren im Gymkhana-Stil Driften wie die Großen

Mit seinen spektakulär inszenierten Stunt-Fahrten begeistert Ken Block auf YouTube Millionen. Jetzt hat ein findiger Tüftler in den USA ein Kinder-Kart entwickelt, mit dem man ebenso irre um die Kurven rutschen kann. Und wie präsentiert er seine Erfindung? Natürlich in einem witzigen Web-Video.

Razor

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Ein Mann mit Rennanzug kauert in einem fahrenden Pappkarton und wirbelt damit durch ein Warenlager, irgendwo in Kalifornien. Er rast Regalschluchten entlang, driftet um Kurven. Dabei wird er von einem Gorilla verfolgt.

Der Fahrer mit dem Karton in diesem YouTube-Clip wirkt ziemlich seltsam. Aber die millimetergenauen Drifts, die Vollgastour durch ein Warenlager, die Kameraführung und der Gorilla - irgendwoher kommt das einem doch bekannt vor, oder? Genau, aus den Videos von Ken Block. Ken Block - noch nie gehört? Der Gründer der Skate-Schuhmarke DC und fanatische Rallyefahrer begeistert mit seinen Gymkhana-Videos regelmäßig ein Millionenpublikum, seine spektakulär inszenierten Driftorgien durch San Francisco oder die Hollywoodstudios sind längst eine eigene Marke geworden.

Aber in der Pappschachtel sitzt nicht Ken Block, sondern ein 34 Jahre alter Kalifornier namens Ali Kermani. Oder wie er sich in dem Video nennt: Ken Box. Seine Hommage an die Gymkhana-Filme wurde auf YouTube bereits über eine Million Mal angeschaut. Die größte Überraschung verbirgt sich dabei unter dem Karton. Denn während Ken Block seine Stunts in einem mehr als 600 PS starken Auto vollbringt, sitzt Ken Box auf einem Kinderspielzeug mit Elektroantrieb: dem Crazy Cart.

Vier Minuten und 22 Sekunden braucht Ali Kermani, um seine Zuschauer in dem Video für das Crazy Cart zu begeistern. Aber bis er soweit war, dauerte es fast ein Jahrzehnt.

Es begann mit einer Abfuhr

Das Cart sieht ein bisschen aus wie ein Bobschlitten mit Rädern. Es ist rot, hat einen Sitz, ein Gaspedal und ein Lenkrad, vier Rollen sowie ein Rad in der Mitte, das von einem 24-Volt-Elektromotor angetrieben wird. Man kann damit sowohl vorwärts als auch rückwärts fahren. An der rechten Seite neben dem Sitz befindet sich ein Hebel, der aussieht wie eine Handbremse. Aber das Crazy Cart hat keine Bremse.

Zieht man den Hebel während der Fahrt, geht der Spaß los: Die hinteren Rollen lassen sich so ausfahren, dass sie nun um 360 Grad schwenkbar sind - das Crazy Cart driftet. Die Drifts lassen sich präzise kontrollieren. Je nachdem, wie der Hebel steht und das Lenkrad eingeschlagen ist, man kann sogar auf der Stelle um die die eigene Achse rotieren, außerdem bis zu 20 km/h fahren, schnell genug, um einen Gorilla abzuhängen. Es ist eines dieser Geräte, das man sofort haben will.

2004 präsentierte Kermani die Idee für das Crazy Cart zum ersten Mal seinem Arbeitgeber, einem Hersteller von Elektrorollern und Kinderfahrzeugen. Aber seine Chefs lehnten ab. "Sie sagten, es gebe dafür keinen Markt", erzählt er. Die Abfuhr weckte seinen Ehrgeiz.

Kermani kündigte seinen Job als Produktmanager und schrieb sich an der Wirtschaftshochschule UCLA Anderson ein. Nach drei Jahren hatte er den Abschluss in der Tasche. Das Thema seiner Magisterarbeit: Ein Businessplan für die Entwicklung des Crazy Carts.

Er fand Investoren für das Projekt und verbesserte mit Ingenieuren das ursprüngliche Konzept des Gefährts. "Anfangs gab es zum Beispiel keinen Drift-Hebel", sagt er, "das Cart ließ sich viel schwerer kontrollieren." 2009 meldete er schließlich ein Patent für seine Erfindung an. Für den Prototypen des Crazy Carts interessierten sich laut Kermani plötzlich mehrere Unternehmen, schlussendlich verkaufte er sein Konzept an seinen ehemaligen Arbeitgeber und heuerte dort wieder an. Seine ehemaligen Chefs waren mittlerweile genauso überzeugt wie er. "Ich bin wieder bei der Familie", erklärt Ali Kermani seine Rückkehr, in der Firma fühlt er sich nach eigenen Angaben einfach wohl.

Es dauerte noch einige Zeit, bis die Produktion endlich anlief, aber im Sommer dieses Jahres kam das Crazy Cart auf den Markt. Kermani hatte sein Ziel erreicht - und stand plötzlich vor einem Problem. "Ich spürte ziemlichen Druck", sagt er. Was, wenn das Crazy Cart nun doch floppt? "Ich dachte mir, dass wir unbedingt ein Video brauchen. Die Leute sollten sehen, was man mit dem Cart anstellen kann."

Kermani führt eine kleine Produktionsfirma für Videos, "ein Nebenprojekt", wie er sagt. Er produzierte einen Clip, in dem er und ein kleiner Junge mit Crazy Carts über einen Parkplatz sausen und Pirouetten drehen. "Nach drei Wochen hatte dieses Video fast 750.000 Klicks auf YouTube, der Verkauf lief hervorragend", sagt Kermani. Aber das Interesse an dem Clip ließ irgendwann nach. Seine Chefs wollten, dass er nachlegt. Das war die Geburtsstunde von Ken Box.

Für Mobilnutzer: Hier klicken, um das Video zu sehen

Eine Parodie der berühmten Gymkhana-Videos war nur logisch: "Die Filme sind ein Riesenerfolg", sagt Kermani, "und mit meinem Cart kann man machen, was Ken Block mit seinem Auto macht." Das hört sich zunächst mal nach einer dreisten Übertreibung an, aber es stimmt. Bei Ken Box ist eben alles ein paar Nummern kleiner. Mit dem Crazy Cart dürfen sich auch jene ein bisschen wie der große Block fühlen, denen Drifts mit ihrem Auto zu waghalsig sind. Es gibt allerdings ein paar Einschränkungen.

Zum einen ist das Crazy Cart für Kinder ab neun Jahren konzipiert, als Maximalgewicht für den Fahrer empfiehlt der Hersteller etwa 63 Kilo. Kermani schwört dagegen, dass schon 90 Kilo schwere Leute in dem Cart ihren Spaß hatten. "Es kommt nicht so sehr auf das Gewicht an", sagt er, "sondern auf den Körperumfang." Ein Crazy Cart für Erwachsene soll außerdem laut seinen Angaben nächstes Jahr auf den Markt kommen.

Zum anderen gibt es das Cart nicht überall zu kaufen - für Europa hat der Hersteller keine Lizenz. "Die Behörden sind da noch etwas ratlos", sagt Kermani. "Wenn wir es als Gokart anbieten wollen, fragen sie uns, wo die Bremsen sind." Stoppen lässt sich das Crazy Cart aber nur mit einer Art Bremsschwung wie beim Skifahren, oder indem man die Füße auf den Boden setzt. Eine Horde von Anwälten kümmert sich gerade um diese rechtliche Hürde, sagt Kermani.

"Officer, wir arbeiten"

Glaubt man dem 34-Jährigen, dann hat das Ken-Box-Video für den US-Markt bereits die gewünschte Wirkung erzielt. "Als mein Chef mir die jüngsten Verkaufszahlen per Mail geschickt hat, war noch ein Bild im Anhang. Er hatte sich selbst fotografiert, mit einem breiten Grinsen."

Was das Marketing angeht, eifert Ken Box also dem echten Ken Block genauso nach wie bei den Stunts. Wo die Fans über Blocks tollkühne Gymkhana-Akrobatik staunen, ist dieser vor allem auf den betriebswirtschaftlichen Nutzen seiner Drifts, Donuts und Burn-Outs stolz: "Die Gymkhana-Videos sind die besten Viralmarketing-Spots der Welt", sagte er SPIEGEL ONLINE. Und wenn Ali Kermani von der Entstehung des Ken-Box-Videos erzählt, sagt er: "Ich habe mir auf einer Liste notiert, was ein Clip haben muss, damit er die Leute so begeistert, dass sie ihn ihren Freunden schicken."

Trotz der Hommage an Ken Block und dem Respekt vor dessen Geschäftstüchtigkeit: Ali Kermani sagt, dass ihn vor allem Kinder inspirieren. "Die Freiheit, Verrücktheit und der Spaß am Leben gehen vielen Menschen verloren, wenn sie erwachsen werden", sagt er. "Aber ich stecke seit 34 Jahren in meiner Kindheit."

Dass der unternehmerische Ehrgeiz Kermanis und seine Peter-Pan-Attitüde kein Widerspruch sind, verdeutlicht eine Anekdote, die er am Rande des Gesprächs erzählt, laut lachend. Beim Videodreh in dem Warenlager wurde demnach der Alarm ausgelöst, woraufhin die Cops an die Tore klopften. Ihnen bot sich laut Kermani folgendes Bild: "Ein Typ im Affenkostüm und ein bärtiger Mann in einer fahrenden Pappschachtel." Auf die Frage der Polizisten, was hier abläuft, erwiderte Kermani: "Officer, wir arbeiten."

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insgesamt 8 Beiträge
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Altesocke 08.11.2013
1. Witziges Video
Nettes Spielzeug. und - wie immer- nicht in D. zu mavhen. Bisher. Wo Weihnachten doch schon fast da ist. Und auf privatem Grund man es doch nutzen sollen duerfen duerfte
ctwalt 08.11.2013
2. Ja, ja, Deutschland......
Da darf jeder Depp, der einen Autoführerschein hat, ein Quad auf öffentlichen Straßen bewegen. Selbst ohne jegliche Fahrpraxis darf er damit mehr als 100km/h fahren, fällt ja unter Automobil, so ein Quad. Ein Kinderspielzeug hingegen wird nicht zugelassen........ Setzen, sechs!
nutzer46 08.11.2013
3. Geil.
Muss ich haben. Der Haken ist wohl, dass der Untergrund sehr eben sein sollte.
robeuten 08.11.2013
4. ...hm...
Naja, das Ding driftet ja eben ÜBERHAUPT NICHT, sondern macht nur seltsame Richtungswechsel möglich über den zentralen Antrieb unter dem Lenkrad - die 4 Rollen an den Seiten folgen passiv nach. Mit Driften = Fahrzeug bewegt sich in Gleitreibung mit einem Richtungsvektor fort, der eben NICHT dem Lenkeinschlag entspricht, hat das rein gar nichts zu tun - und dementsprechend macht das Seitwärtsfahren - nix anderes ist das - vermutlich auch nicht soviel Spaß...
Altesocke 08.11.2013
5. Der Koerper macht eine driftende Bewegung durch
Zitat von robeutenNaja, das Ding driftet ja eben ÜBERHAUPT NICHT, sondern macht nur seltsame Richtungswechsel möglich über den zentralen Antrieb unter dem Lenkrad - die 4 Rollen an den Seiten folgen passiv nach. Mit Driften = Fahrzeug bewegt sich in Gleitreibung mit einem Richtungsvektor fort, der eben NICHT dem Lenkeinschlag entspricht, hat das rein gar nichts zu tun - und dementsprechend macht das Seitwärtsfahren - nix anderes ist das - vermutlich auch nicht soviel Spaß...
Das dabei nicht die Raesedr die Haftung verlieren, aendert daran nichts My husband on a razor crazy cart - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=vb2eq-zniCI) goolen sie mehr crazy cart, und stellen dann nochmal fuer sich fest, ob das Spass machen wuerde. Koennte. Wird! Fuer Kidis weiss ich die Antwort jetzt schon. Und fuer jeden, der an Gokart fahren, mit Strampeln, mal Spass hatte, setze ich mal voraus: Das wird nicht langweilig genannt werden.
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