Elvis' restaurierter BMW 507 Return to Sender

Elvis lebt! Na ja, zumindest sein BMW 507. Denn nachdem der Roadster über Jahrzehnte verrottet ist, hat ihn BMW für den Concours d'Elegance in Pebble Beach restauriert. Oder ruiniert? Darüber streiten die Oldtimer-Fans.

BMW

Als BMW beim Concours d'Elegance in Pebble Beach einen tipptopp restaurierten 507 auf die Bühne fuhr, stand da nicht einfach ein blütenweiß lackiertes, altes Auto. Sondern ein Symbol für eine unter Oldtimerfans erbittert geführte Debatte. Der Wagen war immerhin nicht irgendein 507. Er gehörte einst Elvis Presley und verfügte über eine äußerst bewegte Geschichte. Nur war von der nichts mehr übrig - sie war sozusagen wegrestauriert worden.

Als der Wagen zwei Jahre zuvor zum ersten Mal nach Urzeiten wieder aus der Versenkung aufgetaucht war, trug er noch ein rostiges, aber dafür sehr kräftiges Rot. 1968 hatte der Autosammler Jack Castor den Wagen für ein paar Tausend Dollar gekauft, ein paar Mal gefahren, dann in einer Kürbisscheune in Half Moon Bay - nur eine Stunde von Pebble Beach entfernt - abgestellt und vergessen. Jahre später erst erinnerte sich Castor des Oldtimers, nahm Kontakt zu BMW auf, gab eine Restaurierung in Auftrag und vereinbarte mit dem Hersteller die Überlassung.

Zu der Vereinbarung gehörte auch die Rekonstruktion der Geschichte des Autos - und die gestaltete sich teilweise schwieriger als die Restauration des Fahrzeugs selbst. Dass Elvis während seiner Zeit als in Deutschland stationierter US-Soldat einen der zwischen 1955 und 1959 gerade mal 254 gebauten Roadster aus der Feder von Albrecht Graf Goertz fuhr, war hinlänglich bekannt. Und auch, dass der 507 schon eine bewegte Geschichte hatte, bevor Uschi Siebert, Miss Hessen und Assistentin des Quizmasters Hans-Joachim Kulenkampff, dem 23-jährigen GI am 20. Dezember 1958 in der BMW Niederlassung Frankfurt die Schlüssel für den Wagen übergab.

Erst Rennwagen, dann Rock'n'Roll

"Der Roadster war 1957 auf der IAA ausgestellt worden. Später wurde er mit dem Kennzeichen M-JX 800 in der Hand von 'Bergmeister' Hans Stuck sehr erfolgreich bei einigen Rennen eingesetzt und ging danach mit Stuck auf Promotion-Tour, die sogar in einige Königshäuser führte", erzählt Klaus Kutscher, der bei der BMW Classic die Restaurierungen leitet.

Elvis on Tour - in Deutschland in seinem BMW 507
BMW

Elvis on Tour - in Deutschland in seinem BMW 507

So weit, so klar. Nur wie es mit dem Wagen nach dem Militärdienst von Elvis in Deutschland weiterging, wusste lange keiner. "Fast fünf Jahrzehnte war der Wagen verschollen und zwischenzeitlich war nicht einmal bekannt, welche Fahrgestellnummer das Original hatte", sagt Kutscher. Das erklärt auch, weshalb es schon mehrere prominente Versteigerungen von angeblichen Elvis-507 gab, die sich später als Flop entpuppten.

Doch der Roadster, den die BMW-Mannschaft aus der Scheune geschoben und in den Transporter gewuchtet hat, ist echt. Basierend auf den Erinnerungen Castors begann BMW, die Historie des Autos zu rekonstruieren. Dabei stießen die Bayern immer wieder auf Anekdoten, zum Beispiel die von der Neulackierung des ursprünglich in eben jenem "Federweiß" lackierten Wagen: Angeblich hatte Elvis den BMW nur deshalb umspritzen lassen, weil er die mehr oder minder obszönen Nachrichten leid war, die ihm die deutschen Fräuleins mit ihrem Lippenstift auf den weißen Lack schrieben.

Seit BMW das Wrack aus der Scheune vor zwei Jahren im Museum ausgestellt hat, meldet sich fast jede Woche ein anderer Zeitzeuge und schickt ein paar Fotos oder Notizen. Seit ein Versicherungsvertrag mit der Fahrgestellnummer und Elvis' Unterschrift aufgetaucht ist, steht auch zweifelsfrei fest, dass Nummer 70079 sein Wagen war. "Indizien hatten wir viele, aber das war der endgültige Beweis", sagt Kutscher.

Stück für Stück ergänzt sich das Puzzle

Stück für Stück schließen sich die Lücken. Mal ruft Elvis' Tourmanager an, mal ein Mechaniker, der den Wagen während seiner Dienstzeit in Deutschland gewartet haben will. Zum ersten Auftritt in Pebble Beach kommt noch einer der Vorbesitzer und übergibt einen weiteren Koffer voller Unterlagen. Nach allem, was man bislang einigermaßen zweifelsfrei über das Auto weiß, stand der 507 schon kurz nach Elvis' Rückkehr in die USA bei einem Chrysler-Händler in New York. Dort wurde er für heute lächerliche 4500 Dollar von einem Radiomoderator aus Alabama gekauft und zum Rennwagen umgerüstet. "Doch bis ins letzte Detail kennen wir die Biografie dieses BMW noch immer nicht," räumt Kutscher ein.

Der 507 in seinen Einzelteilen - vor der Restauration
BMW

Der 507 in seinen Einzelteilen - vor der Restauration

Das Auto selbst kennt Kutscher dafür inzwischen bestens. Schließlich haben er und seine Mannschaft knapp zwei Jahre jedes Teil Dutzende Mal in der Hand gehabt. Der nachträgliche Lack ist bei der Überarbeitung des Autos übrigens das kleinste Problem. Zwar fanden die Restaurateure im BMW-Werk unter dem rostroten Lack, den der Wagen beim Fund trug, noch weitere sieben Lackschichten. Doch Schwierigkeiten bereiteten andere Dinge: Der Wagen war in einem erbärmlichen Zustand. Statt des 180 PS starken Achtzylinders aus München steckte ein Bigblock von Chevrolet unter der Haube, dem ein Teil des Rahmens weichen musste. Das Automatikgetriebe war ebenfalls nachgerüstet und die Hinterachse zweifelhafter Herkunft.

Was an Originalteilen noch vorhanden war, wurde demontiert, repariert, restauriert und konserviert. Und was fehlte, das hat Kutscher aufgetrieben oder nachgefertigt. Die Türgriffe und Fensterkurbeln zum Beispiel stammen aus dem 3D-Drucker. Die fehlenden Bleche wurden von Hand gedengelt, die neuen Sitze vom Sattler gefertigt. Und einige Ersatzteile wie Dichtgummis hat Kutscher so oft nachproduziert, dass davon jetzt auch alle anderen 507-Fahrer etwas haben.

Kaputtrestauriert?

Genau an dieser Stelle der Geschichte haken die Kritiker ein und fragen, ob BMW nicht zu weit gegangen ist: Viele halten das Auto nicht für restauriert, sondern für ruiniert.

"Mit jeder Lackschicht hat man dem Auto auch ein Stück seiner Geschichte geraubt", klagt Matthew Lotterhand, der für die "Historic Automobil Group International" von New York aus die Klassikszene beobachtet. Er glaubt, dass BMW die falschen Prioritäten gesetzt und mehr Wert auf das Auto als auf den berühmten Besitzer gelegt hat. "Wer den Wagen eines Prominenten fährt, der will doch im selben Auto sitzen und nicht nur im gleichen", ist er überzeugt. Bei diesem 507 sei dagegen von Elvis nicht viel mehr geblieben als der Eintrag in der Halterliste.

"Grundsätzlich kann einem Auto nichts Besseres passieren, als dass es in einen möglichst originalen Zustand zurückversetzt wird", findet hingegen Ian Kelleher vom Auktionshaus RM Sotheby's. Allerdings es gäbe ein paar ganz wenige, sehr prominente, als Autonarren bekannte Vorbesitzer, die wichtiger seien als ihre Autos, schränkt er gleich darauf ein. Steve McQueen, Clark Gable, James Dean oder eben Elvis und natürlich die großen Rennfahrer. Wenn man deren Autos restauriert, dann in einen Zustand, in dem sie vom Prominenten gefahren und damit berühmt wurden und nicht in den, in dem der Hersteller sie ausgeliefert hat, sagt Kelleher. "Sonst ist es, als drücke man den Reset-Knopf."

Der Promi-Bonus treibt den Preis

Zumal sich der zweifelsfrei bessere Zustand des Restaurationsobjekts auch nicht zwingend positiv auf den Preis niederschlägt - mit etwas Glück hätte die Rostlaube aus der Kürbissscheune sogar einen höheren Preis erzielt als das fabrikneu wirkende Ergebnis von Kutschers Bemühungen. "Wenn Promi-Fahrzeuge versteigert werden, dann ist die Originalität ein echter Preistreiber", sagt Kelleher und liefert den Beweis noch am gleichen Abend: Die Cobra mit der Fahrgestellnummer CX2000 aus dem Jahr 1961 hat auch deshalb 13,75 Millionen erzielt, weil sie von Caroll Shelby persönlich gefahren wurde und die Tuning-Legende verfügt hatte, dass am Zustand des Wagens nichts verändert werden dürfte. Das mitgenommene Interieur und die durchgesessenen Sitze haben den Preis deshalb nicht gemindert, sondern gesteigert.

BMW-Mann Kutscher wundert sich nicht, dass über die Arbeit seiner Mannschaft heftig gestritten wird. Er hat es kommen sehen. "Wir haben selbst lange überlegen müssen, wie wir damit umgehen. Wenn man fünf Leute fragt, hat man zehn Meinungen", umreißt er das Problem und ist heilfroh, dass er sich ganz einfach aus der Affäre ziehen konnte: Kutscher hat sich schlicht an die Vorgaben gehalten, die Jack Castor bei der Übergabe des Wagens gemacht hat.

"Er hat ganz klar entscheiden, dass der 507 "federweiß" werden und in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden soll", erinnert sich Kutscher an die klare Ansage aus Amerika. "Er wollte eher den 507 von Stuck als den von Elvis. Er war Rennsportfan, und der King war ihm vergleichsweise egal." So ganz haben sich die Bayern allerdings nicht daran gehalten: Im Türrahmen schimmert zwischen dem Weiß noch ein handtellergroßes Stück des roten Elvis-Lacks durch.

Jack Castor wird sich darüber nicht beschweren. Genauso wenig, wie er sich an der Unschuld in Weiß erfreuen wird. Der Sammler ist im November 2014 im Alter von 77 Jahren gestorben.



insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doenzdorf 24.08.2016
1. Der einzige BMW...
...den ich freiwillig fahren würde. Ok den Lotusclone M1 auch noch...
saint.dymphna 24.08.2016
2. Alles muss sauber sein
Da hat der deutsche Spießer wieder ganze Arbeit geleistet und zugeschlagen. Jetzt ist es nur noch ein restaurierter 507. Der Charme ist ausgelöscht. Alles muss perfekt und funktional der Norm entsprechen. Passt in das Bild der deutschen Autowäscherkultur. Schade. Aber in deutschen Städten darf ja nicht mal mehr ein Grashalm am Gesteig wachsen. ......
whitewisent 24.08.2016
3.
Immer wieder verwunderlich, aus welcher Ecke Kritik kommt. Der Wagen wurde so stark verändert, daß man sich schon fragen muß, ob es überhaupt noch ein Oldtimer war. Und wenn dann Oldtimerfans nicht auf Autogeschichte Wert legen, sondern künstliche Wertsteigerungen durch einen Vorbesitzer für wesentlicher halten, tun mir die Leute bei BMW leid, welche sicher mit höchstem Sachverstand und eben der Liebe zu ihren Modellen diese Ruine restauriert haben. Als Fan will man in Ausstellungen ja auch eher das Original sehen, um die Kunst der Autobauer zu bewundern. Für die Nachwelt ist das Auto ja medial ausreichend dokumentiert.
Leser161 24.08.2016
4. Ruiniert
Ein fabrikneuer Oldtimer kann durchaus eine feine Sache sein. Das Gefühl von damals ohne die Zerstörungen der Zeit. ABER Wir reden hier vom Elvisroadster. Das Fahrzeug lebt davon das Elvis es berührt und gefahren hat. Durch die Komplettrestauration wurde sämtliches an Elvis weggeschliffen. Man kann natürlich drüber streiten ob es wichtig ist das Elvis ihn berührt hat. Aber dann kann man auch irgendeinen 507 dahinstellen.
ollis.post 24.08.2016
5.
Einfach mal lesen was im Artikel steht: BMW hat exakt das getan was der Inhaber wollte. Und wer hat die Macht? irgendwelche Kommentarschreiber? Eher nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.