Pedelec-Nachrüstung Copenhagen Wheel Schön rot, aber...


Elektrofahrräder sind oft hässlich. Das Copenhagen Wheel löst dieses Problem. Doch es gibt einen gravierenden Abtörner.

Meine Fahrt mit dem Copenhagen Wheel dauerte keine fünf Minuten, dann wurde ich an einer Ampel das erste Mal angesprochen. "Hat das eine Funktion, oder sieht das nur gut aus?", fragte eine Radfahrerin und zeigte auf mein Hinterrad. So sollte es in den kommenden Tagen ständig gehen. Ich bin noch nie so oft wegen eines Fahrrads in Gespräche verwickelt worden.

Zum Autor
  • Hanna Becker
    Zunächst deutete wenig auf eine andauernde Liebesaffäre hin. Die erste Begegnung mit einem Fahrrad, an die Ralf Neukirch sich erinnert, endete mit einem Sturz. Doch irgendwann wurde für den SPIEGEL-Redakteur das Radfahren von der Notwendigkeit zur Leidenschaft. Seither hält er es mit John F. Kennedy: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren."

    Von den schönen Momenten, aber auch den sportlichen, technischen und persönlichen Herausforderungen des Radfahrens erzählt Ralf Neukirch regelmäßig in diesem Blog.

Beim Copenhagen Wheel handelt es sich um ein Hinterrad mit fest verbautem Akku und E-Motor - eine Nachrüstlösung, um ein normales Fahrrad in ein Pedelec zu verwandeln. Solche Nachrüstsätze gibt es mittlerweile en masse, aber keiner sieht so gut aus wie das Copenhagen Wheel. Die rote Abdeckung des Akkus erinnert mich an die Scheibenräder der Zeitfahrmaschinen, mit denen Profis bei Rennen an den Start gehen.

Aber um auf die Frage der oben erwähnten Radfahrerin zurückzukommen: Sieht das Ganze nur gut aus - oder ist es auch wirklich nützlich?

Die Montage ist kinderleicht

Der Reihe nach. In einem wichtigen Aspekt punktet das Copenhagen Wheel sofort: Die Umrüstung meines Stadtrads war ganz einfach. Hinterrad raus, Copenhagen Wheel rein, fertig. Lediglich eine Drehmomentstütze muss zusätzlich verschraubt werden, das ist eine Sache von zwei Minuten.

Der E-Motor wird nicht über einen Schalter am Lenker oder am Akku gesteuert, sondern über das Handy. Ich habe die dazu nötige App heruntergeladen und das Smartphone über Bluetooth mit dem Rad verbunden. Das ging schnell und unkompliziert. Wer das Copenhagen Wheel in sein Fahrrad einbauen will, ist in weniger als 15 Minuten startklar.

Fotostrecke

8  Bilder
Copenhagen Wheel: Beim Laden hört der Spaß auf

Das Copenhagen Wheel lässt sich in die meisten Fahrräder einbauen, die Felgenbremsen und eine Kettenschaltung haben. Auch für Räder ohne Gangschaltung, sogenannte Single Speeds, ist es geeignet. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Rahmen ausreichend stabil ist und die Bremsen kräftig zupacken.

Natürlich war ich vor allem gespannt, ob das Fahrgefühl so gut ist wie versprochen. Laut Eigenwerbung ist der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Motor ein lernendes System, das über 100 Mal pro Sekunde verschiedene Parameter wie Drehmoment, Geschwindigkeit und Pedalposition erfasst und sich nach einiger Zeit dem Stil des Fahrers anpasst. Na ja. Im Laufe der einen Woche, in der ich das Copenhagen Wheel an drei verschiedenen Rädern getestet habe, konnte ich keinen spürbaren Lerneffekt feststellen.

Das fand ich aber unproblematisch, weil ich mit den Fahreigenschaften von Anfang an sehr zufrieden war. Der Motor unterstützt das Fahrrad nahezu verzögerungsfrei und zieht kräftig an. Die Kraft entfaltet sich gleichmäßig ohne Ruckeln. An Steigungen stellt der Motor umstandslos zusätzlichen Schub bereit. Der Standard-Modus ist für den Stadtverkehr völlig ausreichend. Selbst im akkuschonenden Eco-Modus hat man noch spürbare Unterstützung. Wer etwas schneller anfahren möchte, schaltet auf Turbo.

Schweißfrei angekommen

Es war erstaunlich, wie das Copenhagen Wheel das Fahrgefühl auf meinem Fahrrad verändert hat. Die (zugegebenermaßen bescheidenen) Steigungen auf meinem Pendelweg bin ich lässig hochgecruist. Beim Ampelstart habe ich die Mitradler auf ihren konventionellen Rädern hinter mir gelassen. Normalerweise dusche ich morgens im Büro, wenn ich die 15 Kilometer von zu Hause zurückgelegt habe. Mit dem Copenhagen Wheel war das nicht mehr nötig, ich musste mich kaum anstrengen.

Die mühelose Fahrt war allerdings mit ein paar Einschränkungen verbunden. Wegen des Mehrgewichts von etwa 5,5 Kilogramm musste ich mein Hinterrad härter aufpumpen als gewöhnlich. Darunter litt der Komfort: Vor allem Schlaglöcher habe ich stärker gespürt als sonst.

Das Copenhagen Wheel wurde von dem US-Start-Up Superpedestrian entwickelt, einem Team aus Designern und Ingeneuren
Copenhagen Wheel

Das Copenhagen Wheel wurde von dem US-Start-Up Superpedestrian entwickelt, einem Team aus Designern und Ingeneuren

Außerdem erlebte ich mit dem Copenhagen Wheel den gleichen Effekt wie bei allen E-Bikes, deren Trethilfe nur bis 25 km/h zugelassen ist: Setzt die Unterstützung des Motors aus, fühlt es sich wie ein kräftige Bremsung an. Die Leichtigkeit ist auf einen Schlag weg, das Fahren wird mühsam. Nach ein paar Tagen bin ich meist intuitiv unter der 25-km/h-Marke geblieben.

Das Konzept des Copenhagen Wheel bringt aber noch weitere Nachteile mit sich. Zu den kleinsten zählte da ein Softwarefehler. So soll der Motor eigentlich nicht mehr funktionieren, wenn man sich mit dem Handy außer Reichweite des Fahrrads befindet. Ich konnte aber problemlos ins Büro radeln, obwohl ich mein Smartphone zu Hause vergessen hatte.

Die App nervt

Doch an einem Tag streikte der Motor komplett. Meine App meldete, der Anschluss für das Ladekabel sei verschmutzt. Ich hatte das Rad gerade erst abgeholt. Schmutzig war da nichts. Mehrere Neustarts der App halfen nicht - ich musste das Rad austauschen.

Solche Probleme mögen bei einem neuen Produkt vorkommen, und sie lassen sich beheben. Aber die Handy-Steuerung hat per se Nachteile. So kann man nur in der App von einem Fahrmodus in den anderen wechseln. Entweder man hat eine Handyhalterung am Rad oder man muss - so wie ich - anhalten, um etwa von Standard auf Eco zu wechseln. Außerdem saugt der Bluetooth-Betrieb den Akku des Handys schnell leer.

Gravierender als die leere Handy-Batterie fand ich aber die mangelnde Leistungsfähigkeit des Akkus im Rad. Im

Fotostrecke

8  Bilder
Copenhagen Wheel: Beim Laden hört der Spaß auf

Standardbetrieb soll man mit den Copenhagen Wheel etwa 40 Kilometer weit fahren können. Ich bin nie über 33 Kilometer hinausgekommen. Das ist zu wenig, damit komme ich gerade von der Arbeit nach Hause und zurück. Termine außerhalb des Büros sind nicht mehr drin. Ohne Unterstützung kann man das Copenhagen Wheel natürlich auch fahren. Weil das Gewicht in der rotierenden Masse steckt, ist aber vor allem das Anfahren sehr schwierig. Ist das Rad erst einmal in Schwung, fährt es sich auch ohne Motor erstaunlich leicht.

Der Abtörner beim Copenhagen Wheel

Ich bin sicher, dass es in Zukunft leistungsstärkere Akkus auch für das Copenhagen Wheel geben wird. Der für mich gravierendste Nachteil lässt sich aber nicht beseitigen, weil er konstruktionsbedingt ist: Anders als bei einem herkömmlichen Elektrorad lässt sich der Akku nicht entfernen. Er sitzt im Hinterrad und muss an diesem aufgeladen werden. Ich habe weder Lust, mein Fahrrad jeden Tag zum Aufladen ins Wohnzimmer oder Büro zu stellen, noch will ich das Hinterrad ausbauen. Für die rund 1750 Euro Grundpreis ist eigentlich eine weniger umständliche Lösung zu erwarten.

Mit anderen Worten: Für mich ist das Copenhagen Wheel leider nichts.

Das ist schade: Einen so leicht zu montierenden, gut aussehenden Nachrüstsatz gab es noch nicht. Schon aus ästhetischen Gründen würde ich mich also freuen, das Copenhagen Wheel künftig öfter im Straßenverkehr zu sehen.

Mehr zum Thema


Diskutieren Sie mit!
64 Leserkommentare
ansv 04.11.2017
jufo 04.11.2017
kabeljau2 04.11.2017
omguruji 04.11.2017
Papazaca 04.11.2017
disi123 04.11.2017
dickerulle 04.11.2017
eggshen 04.11.2017
mr.pixel 04.11.2017
nörgler25 04.11.2017
112211 04.11.2017
dadalyst1 04.11.2017
heluan 04.11.2017
herkurius 04.11.2017
ctwalt 04.11.2017
SWOPO 04.11.2017
Papazaca 04.11.2017
morini22 04.11.2017
Henning Boetel 04.11.2017
fisschfreund 04.11.2017
barlog 04.11.2017
lucie 04.11.2017
reinhard_becker 04.11.2017
manicmecanic 04.11.2017
Cephalotus 04.11.2017
Dumme Fragen 04.11.2017
Frittenbude 04.11.2017
frechsprech 04.11.2017
tapier 04.11.2017
karl-felix 04.11.2017
karl-felix 04.11.2017
sikasuu 04.11.2017
hmutt 04.11.2017
fxe1200 04.11.2017
hmutt 04.11.2017
coroona 04.11.2017
Sibylle1969 04.11.2017
sburkhardt 04.11.2017
bloßmolwassage 04.11.2017
deranaluest 04.11.2017
spiegelleser85 04.11.2017
herrwurlstein 05.11.2017
extra330sc 05.11.2017
neighbourofthebeast 05.11.2017
112211 05.11.2017
Bernd.Brincken 05.11.2017
HISXX 05.11.2017
Max Dralle 05.11.2017
dergenervte 05.11.2017
techass 05.11.2017
bloßmolwassage 06.11.2017
spon-facebook-10000239462 06.11.2017
silberstern 06.11.2017
quark2@mailinator.com 06.11.2017
Leser161 06.11.2017
sotomajor 06.11.2017
mr.pixel 06.11.2017
tadel 06.11.2017
MKAchter 06.11.2017
112211 08.11.2017
Max Dralle 08.11.2017
FJ2014 08.11.2017
FJ2014 08.11.2017
Bernd.Brincken 13.11.2017

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.