Günstige Oldtimer - Peugeot 205 Golf GTI auf Französisch 

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Peugeot 205, ein Kleinwagen mit Temperament und Kanten.

Peugeot

Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Peugeot 205 - Der Rettungswagen

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Allgemeines zum Modell: Eigentlich hätte es den Peugeot 205 niemals geben sollen. Für den neuen Kleinwagen mit dem Löwen im Kühlergrill, der vor 35 Jahren auf den Markt kam, war ursprünglich der Name 105 vorgesehen - als Nachfolgemodell des 104. Doch dessen Erfolg war so mäßig gewesen, dass sich der französische Hersteller für einen anderen Namen entschied.

Peugeot ging es Anfang der Achtzigerjahre wirtschaftlich nicht gut - bis 1983 der 205 auf den Markt kam. Ein dynamisches Schrägheck, die steile Kofferraumklappe: Nicht nur in Frankreich zeigte sich das Publikum äußerst angetan von dem possierlichen, aber erstaunlich flotten Auto.

Nun gut, die knapp ein Liter großen Vergaser-Einstiegsmotoren mit 45 PS waren noch nicht der Hit. Aber schon ein Jahr nach Markteinführung folgte ein sportlicher GTI mit Einspritzung und 103 PS. Das 1,6-Liter-Aggregat beschleunigte den 850 Kilogramm leichten Kleinwagen auf bis zu 193 Stundenkilometer. Das war damals eine Kampfansage, erst recht in der Kompaktklasse.

Schon mit den kleineren Vierzylindern (50 bis 80 PS) bestach der 205 durch seine hervorragenden Fahreigenschaften und sein agiles Handling. Ein sparsamer und laufruhiger 1,8-Liter-Dieselmotor rundete die Motorenpalette ab. Dazu kam eine große Vielfalt bei der Ausstattung. Der Peugeot 205 war als Drei- und Fünftürer erhältlich, 1985 kam ein fesches Cabriolet hinzu. Trotz seiner kompakten Ausmaße konnten auch vier Personen bequem in dem Fronttriebler sitzen. Durch Umklappen der Sitzbank ließ sich eine große Ladefläche zaubern, auf der man selbst sperrigere Güter transportieren konnte.

In der Basisversion lief der Kleine aus Frankreich recht spartanisch vom Band. Gegen entsprechenden Mehrpreis konnten die Kunden aber zahlreiche Extras hinzubestellen - etwa Servolenkung, Klimaanlage, exklusive Ledersitze oder für den Dreitürer ausklappbare Ausstellfenster hinten. Für den skandinavischen Markt war auch eine Scheinwerfer-Wischanlage erhältlich.

In Deutschland fuhr man zu jener Zeit gerne VW Golf I oder Opel Corsa. Doch der Peugeot 205 entwickelte sich rasch zum ernsthaften Konkurrenten. Bereits 1985 wurden hierzulande 30.000 Stück verkauft, was für ein Importland einen sensationellen Erfolg darstellte. Hauptsächlich wegen des 205 konnte Peugeot seinen Marktanteil Mitte der Achtzigerjahre auf über 20 Prozent steigern.

Etliche Sondermodelle halfen dabei, den Absatz bis zum Produktionsende 1996 stabil zu halten. Die Edition "Jeans" etwa bestach durch Jeansstoffe beim Interieur, "Roland Garros" durch weiß-grünes Teilleder. Diese Sondermodelle sind heute bei Sammlern besonders begehrt.

Warum ausgerechnet der? Der coolste GTI kommt aus Frankreich, nicht aus Wolfsburg. Zumindest Peugeot-Fans sind sich einig, dass der 205 die deutlich besseren Fahreigenschaften bietet als ein VW Golf I. Die direkte Lenkung, die tolle Straßenlage - "das ist Gokart-Feeling", sagt Marvin Schönefeld aus dem brandenburgischen Woltersdorf, der mehrere Peugeot 205 GTI besitzt und mit seinen Youngtimern auch an Rallyes und Beschleunigungsrennen teilnimmt.

205 GTI
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205 GTI

Klingt exotisch, dabei pflegt der Kfz-Mechaniker eine Tradition: Mit dem 205 Turbo 16 schrieb Peugeot auch Rennsportgeschichte. Dank Allradantrieb und einer Leistung jenseits der 300 PS heizte der 205 selbst dem Audi Sport Quattro S1 mit Walter Röhrl am Steuer mächtig ein. Als Homologationsmodell entstanden damals 200 straßenzugelassene 205 Turbo 16 für die normale Bevölkerung. Heute sind die Tiefflieger begehrte Sammlerstücke und nicht für weniger als 200.000 Euro zu haben.

Für die meisten Youngtimer-Fans ist das unerreichbar. Aber auch ein Peugeot 205 CTI oder GTI mit über 100 PS macht ordentlich Spaß. Selbst die Standardmodelle sind wendige, flinke Autos mit robuster Technik. Ein Tipp für den Sommer sind die Cabriolets, die nur wenig Aufpreis kosten. Es gibt keinen anderen offenen Youngtimer, der so günstig ist wie der Peugeot 205. Experte Marvin Schönefeld meint: "Das Auto ist eine tolle, seltene und teils überlegene Alternative für alle, die keinen Golf oder Ähnliches fahren wollen."

Verfügbarkeit: Wegen der hohen Stückzahlen gibt es auch mehr als 20 Jahre nach Produktionsende noch ein breites Angebot an gut erhaltenen Peugeot 205. Dank der vollverzinkten Karosserie kann man mit ein wenig Glück sogar ein rostfreies Exemplar finden. Frühe Modelle mit den flach eingebauten Vergasermotoren sind praktisch ausgestorben, die häufigsten Modelle am Markt sind Einspritzer mit den 1,1- bis 1,4-Liter-Maschinen ab Baujahr 1988. GTI- und Sondermodelle sind seltener, hier lohnt sich mitunter ein Blick nach Frankreich, wo die Auswahl noch größer ist.

Ersatzteilversorgung: Gängige Verschleißteile sind meist problemlos und günstig zu bekommen, verschiedene Händler haben sich auf klassische Franzosen spezialisiert. Karosserie- und Innenraumteile dagegen werden langsam rar. Lediglich nachgefertigte Kotflügel gibt es noch im neuen Zustand, andere Blechteile wie Türen oder Heckklappen sind nicht mehr lieferbar. Es lagern aber noch massig gebrauchte Teile in Altbeständen. Sehr rar sind spezifische Teile für den GTI wie Zierleisten oder Plastikverbreiterungen für die Radläufe.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsbeläge vorne: circa 25 Euro
  • Satz Bremsscheiben vorne: circa 60 Euro
  • Lichtmaschine: circa 90 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht circa 80 Euro

Schwachstellen: Trotz der vollverzinkten Karosserie kann Korrosion auch beim Peugeot 205 ein Thema sein. So tritt Rost häufiger bei den Schwellern in Höhe der B-Säule sowie im Übergang zum Seitenteil auf, insbesondere die Dreitürer sind hier anfällig. Im Motorraum sollte man den Radkasten auf Rostbefall prüfen. Ein größeres Problem stellt beim Peugeot 205 der Verschleiß der Hinterachse dar. Im Alter laufen die Nadellager der Drehstabachse gerne ein oder rosten - erkennbar an einem negativen Sturz der Räder sowie auffälligem Klappern beim Fahren. Die Instandsetzung ist aufwendig, weil die gesamte Hinterachse zerlegt werden muss. Sämtliche Motoren gelten indes als sehr robust, sowohl Diesel als auch Benziner sind bei normaler Pflege (dazu gehört ein regelmäßiger Zahnriemenwechsel) für mehrere Hunderttausend Kilometer Laufleistung gut. Weiterer Pluspunkt: Der Peugeot 205 verfügt im Vergleich zu modernen Autos über eine recht simple Elektronik, das macht Reparaturen einfach und günstig.

Preis: Wenige Oldtimer sind so günstig zu bekommen wie der Peugeot 205. Für ein paar Hundert Euro bekommt man einen fahrbereiten Wagen, oft sogar mit gültiger HU-Plakette. Viel mehr als 1000 Euro muss niemand ausgeben, um in die 205er-Welt einzusteigen. Selbst Cabrios kosten kaum Aufschlag. Wer ein Sondermodell oder einen schnellen CTI oder GTI fahren möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Hier bewegen sich die Marktpreise je nach Zustand und Ausstattung bei bis zu 10.000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
eunegin 27.05.2018
1. im Prinzip alles richtig, aber...
gerade die GTIs aus 3. oder 4. hand wurden verheizt und geschändet. Da muss man schon ganz genau hinsehen, wenn man sich einen zulegen möchte. Wenn man einen Guten findet, dann ist's aber auch gut...
hooge789 27.05.2018
2. Peugeot Fan
Ich fuhr damals einen 205 1.9D, Diesel ohne Turbo. Bei 250000km habe ich ihn gegen einen Peugeot 306 1.9D getauscht, den ich heute noch immer fahre (270000km=19Jahre). Beide Wagen sind sehr zuverlässig und sparsam und hier in Frankreich findet man sehr leicht Ersatzteile wenn doch mal etwas ist. Man soll es nicht glauben, aber nicht nur Deutschland kann Autos bauen.
schlauchschelle 27.05.2018
3. Mit dem 205 hat Paul Braq wieder einmal bewiesen,
dass er ein begnadeter Stylist war. Ohne den 205 gäbe es Peugeot heute nicht mehr. Nach der Übernahme von Citroen und dann Talbot / Matra war der neue PSA-Konzern am Limit, das Modellprogramm zu zerfranst, die Verarbeitung z.T. unterirdisch, zu viele ineffektive Fertigungsstätten. Mit dem 205 hat man dann die Kurve bekommen (und nach Auslöschung des Talbot-Konzernteils). However, der 205 schaut noch heute frech und keck aus, keine Spur von blech gewordener Langeweile, gefällt mir noch heute sehr gut.
willhelm.schmitz 27.05.2018
4. Nicht glaubhaft....
Ich kann die positiven Bemerkungen zur Fahrzeugqualtät des 205 nicht unterschreiben.... In den 80zigern hatte ich einen neuen 205GTI und an dem Wagen ist so ziemlich alles kaputt gegangen, was möglich war, inklusive Rost der Heckklappe und der Schweissnähte im Heck. Gebrochene Benzinpumpe, 3x Krümmer gerissen, Kühler defekt, Kupplungen defekt, Wärmetauscher undicht (Innenraum grün geflutet), Heizungslüfter neben Elektrik defekt usw usw.... Wenn er denn fuhr, machte das Fahren wirklich Spass, der GTI war der Schrecken der Ritmo Abarth....
2cv 27.05.2018
5. 205 - Quel Sacre Numero!
Der 205 wurde er mit dem Slogan "Quel Sacre Numero" beworben. Und das war er auch - ein unterschätzter Geheimtipp. Ich habe ihn selbst über 100.000km gefahren und genossen. 205 Fahrer waren so wie Entenfahrer: ein sympathisches Völkchen. So viel Spass und Offenheit gab es selten.
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