Peugeot Bébé Der Kleinwagen von Ettore Bugatti

In den Anfangsjahren waren Automobile sehr teuer und elitär. Vereinzelt jedoch gab es Versuche, aus dem neuen Fortbewegungsmittel ein etwas volksnäheres Produkt zu machen. Eines der frühesten Exempel dafür stammt von Peugeot, und der große Ettore Bugatti half dabei. 


Bébé, französisch für Baby, so hieß der Peugeot Typ 69 im Volksmund, von dem zwischen 1905 und 1912 rund 400 Exemplare gebaut wurden. Der putzige Zweisitzer, dessen Motor vorne untergebracht war und die Hinterräder antrieb, war eines der ersten Automobile überhaupt, die das Prinzip Kleinwagen begründeten. Der französische Hersteller jedenfalls beruft sich heute noch auf diese Wurzel, wenn es mal wieder ein neues Modell im Kleinwagensegment vorzustellen gibt. Im Frühjahr 2012 ist es wieder so weit, denn dann fährt der Peugeot 208 vor.

Während die erste Serie der Bébé-Modelle noch wie ein klassisches Schnauferl aussieht, mit freistehenden Rädern, einem schmächtigen Kasten rund um den Einzylinder-Viertaktmotor mit 650 Kubikzentimeter Hubraum und knapp 7 PS, wirkt die zweite, ab 1913 gebaute Version noch heute durchaus elegant und beinahe modern.

Das wiederum liegt an einem Vertrag, dessen Abschluss sich jetzt zum 100. Mal jährt. Denn 1912 beschlossen die Familie Peugeot und der befreundete Konstrukteur Ettore Bugatti, der im Elsass wirkte, nicht weit vom Peugeot-Stammsitz in der benachbarten Region Franche-Comté, eine Kooperation. Der Grund dafür war, dass Peugeot einen Nachfolger des Kleinwagens Bébé entwickeln wollte und Bugatti just einen fertigen Prototyp dieser Machart in seiner Werkstatt stehen hatte.

Ein ultrakompakter Kleinwagen mit fließenden, eleganten Linien

Das Resultat der Zusammenarbeit war das Modell Peugeot Lion Bébé BP1. Das Auto verfügt über einen elegant gerundeten Karosseriekörper, bei dem Motorgehäuse und die Verkleidung des Passagierabteils - auch die zweite Bébé-Generation war zweisitzig - miteinander verschmelzen. Bugattis gestalterische Handschrift ist ebenso an den schwungvoll geformten Kotflügeln abzulesen. Beworben wurde der Kleinwagen damals mit dem Werbeslogan, das Autofahren in diesem Modell koste lediglich "einen Sous pro Kilometer".

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Das war 1913, als der neue Bébé auf den Markt kam. Angetrieben wurde das nur 2,62 Meter lange und circa 350 Kilogramm schwere Modell von einem 0,9-Liter-Vierzylindermotor, der 10 PS mobilisierte und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h ermöglichte. Es gab zwei Versionen, eine mit Zweigang- und eine mit Dreigang-Getriebe, das einfachere Modell kostete damals 4000 Francs. Zum Vergleich: Ein Mercedes-Simplex, der deutlich größer, schneller und technisch aufwendiger war, kostete ab 1904 rund 20.000 Reichsmark. Und in diesen Preisregionen spielte sich fast der gesamte damalige Automobilmarkt ab.

Gebaut wurden vom schmucken Bébé BP1, dessen Produktion im Ersten Weltkrieg noch bis zum Jahr 1916 aufrechterhalten wurde, mehr als 3000 Exemplare. Peugeot nennt das Auto daher einen "frühen Bestseller".

jüp

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