PR-Schlacht "Transformers" Aliens würden Chevys kaufen

Zu Tarnzwecken verwandeln sich die "Transformers" in Hollywoods gleichnamigem Roboter-Epos in Autos. Die im Film gezeigten Wagen stammen ausschließlich vom US-Autokonzern General Motors, der mit der kostspieligen PR-Maßnahme sein bröckelndes Geschäft stabilisieren will.


Fantasiebegabte Hollywood-Schreiberlinge haben sich folgendes Szenario ausgedacht: Riesige Robo-Rabauken aus einer fernen Galaxie landen auf der Erde. Weil zwölf Meter hohe Kampfmaschinen dort gemeinhin Aufsehen erregen, erfinden die Blechmänner eine clevere Tarnung: Bei Bedarf verwandeln sie sich in Blechautos. Und weil die Techtitanen unter allen verfügbaren Modellen die freie Auswahl haben, entscheiden sie sich - und hier wird es unglaubwürdig - sämtlichst für Fahrzeuge von General Motors (GM).

"Transformers"-Star Bumblebee: Ratsch-klack-klack wird er zu einem Chevy Camaro
DreamWorks/ Paramount

"Transformers"-Star Bumblebee: Ratsch-klack-klack wird er zu einem Chevy Camaro

Der US-Autokonzern ist einer der Hauptsponsoren von "Transformers" (deutscher Filmstart am 2. August). Der Film basiert auf der gleichnamigen Zeichentrickserie aus den achtziger Jahren. Genauso wie Co-Sponsor Hasbro über das Actionepos möglichst viele Spielzeugroboter verkaufen will, möchte GM durch Platzieren seiner Modellepalette im Film den Autoabsatz befördern. Deshalb lässt das Skript reichlich Raum für Chevrolet Camaro, Pontiac Solstice, GMC Topkick und Hummer H2.

"Transformers" ist der Traum jedes Marketingstrategen. Zwar werden ständig irgendwelche Neuwagen in Filme eingebaut - doch diesmal gibt es kaum Schauspieler, die von den Flitzern ablenken würden. Die guten Robos, so genannte Autobots, sind eindeutig die Stars des Films. "Sie werden die Autos als die Helden sehen", bringt es GM-Markenmanager Dino Bernacchi auf den Punkt. "Die Schauspieler werden ihnen nicht auffallen. Die Autos sind die Filmstars."

GM kann ein wenig intergalaktische Hilfe ganz gut gebrauchen. Im Juni hat der Autoriese auf dem Heimatmarkt fast ein Viertel seines Absatzes eingebüßt. Offenbar hofft das Unternehmen, dass die Transformer seinen Produkten zu etwas mehr jugendlicher Coolness verhelfen. Bei US-Teenagern gelten viele Marken des Riesen aus Detroit als altbacken.

Ob sich das teure Unterfangen auszahlt, ist offen. Enttäuschend ist, dass GM wenig Spektakuläres bereithält: Wer will denn heutzutage noch den in die Jahre gekommenen Protz-Kübelwagen Hummer H2 sehen? Das einzige Auto mit Kultcharakter ist der Camaro, in den sich der Roboter Bumblebee verwandelt. Das Chevy-Modell aus den sechziger Jahren ist ein "Muscle Car" - ein Geschoss mit röhrendem V6 oder V8-Motor und absurdem Spritbedarf. Die kleineren Camaro-Motoren beschieden sich mit 3,8 Litern Hubraum, es gab aber auch eine Version mit 5,7 Litern.

Filmszene aus "Transformers": Kaum Schauspieler, die von Robotern und Autos ablenken
DreamWorks/ Paramount

Filmszene aus "Transformers": Kaum Schauspieler, die von Robotern und Autos ablenken

Am Anfang des Films tarnt sich Bumblebee noch als schrottreifer Wagen, später verwandelt er sich in GMs neuen Camaro. Den kann man, anders als die anderen im Film gezeigten Modelle, allerdings nirgendwo kaufen. Der Camaro Zwo ist derzeit ein Konzeptauto, erst Ende 2008 kommt er auf den Markt. Entsprechend muss GM im Film kräftig schummeln: Chassis und Motor entstammen in Wahrheit einem Pontiac GTO. Der Rest ist Computerzauber.

Damals in der japanischen Originalserie, als die Robos noch nicht von Detroit geschmiert wurden, verwandelten sich die Autobots übrigens mit Vorliebe in deutsche Fahrzeuge. Bumblebee wurde zu einem VW Käfer. Und sein Kumpel Jazz verschmähte Japaner und Amis - zugunsten eines Porsches.

hil



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.