R4 F6, Bj. 1981 Der treue Reisegefährte

Revolverschaltung, Schiebefenster, viel Laderaum und im Handumdrehen ein Schlafplatz - SPIEGEL-ONLINE-Leserin Christine Bartholomae erlebte ihren Renault R4 F6 als ideales Reisemobil. Bis ihm dann ein Umzug zum Verhängnis wurde.

Christine Bartholomae

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Christine Bartholomae über das Leben mit ihrem Renault R4 F6, 1100 ccm , Baujahr 1981.

Nun war er also da: der rote Renault Kombi. Auf den ersten Blick erkannten wir, dass der vorherige Besitzer eine besondere Beziehung zu diesem Auto gehabt haben musste. Sonst wären wohl kaum blaue Gardinen, bedruckt mit weißen Elefanten, für jedes Fenster passend, angebracht worden.

Wir waren jung verheiratet, frisch verliebt und reisten gern. Feriensiedlungen, geschweige denn Hotelanlagen waren uns ein Graus. Am liebsten machten wir Urlaub in der Natur, Radtouren mit Zelt in einsamen Gegenden. Dafür brauchten wir einen mobilen Begleiter, der sich gleichzeitig als Stadtauto und ebenso für kleinere Fahrten eignet. Viel kosten durfte das Gefährt auch nicht. Als Student und Krankenschwester konnten wir finanziell keine allzu großen Sprünge machen.

Der fünfjährige R4 Kombi 1100, so die offizielle Bezeichnung, war schon gut 75.000 Kilometer gefahren. Er hatte noch ein gutes Jahr bis zum nächsten TÜV und kostete 3900 Mark. Die Anschaffung hat sich mehr als gelohnt. Schnell hatten wir uns mit der Revolverschaltung und den Schiebefenstern an den Seitentüren vertraut gemacht. Alleine diese Details machten den R4 schon zu etwas Besonderem. Gewöhnungsbedürftiger war das Fahrgeräusch, das sich spätestens bei Tempo 120 einstellte. Mehr als 135 km/h ließ sich an Geschwindigkeit ohnehin nicht erreichen. Und dann war es so laut, dass einem durchaus der Gedanke kam, dass das Auto demnächst entweder abheben oder gar auseinander fallen könnte. An eine normale Unterhaltung während der Fahrt war jedenfalls nicht mehr zu denken.

Noch zweimal haben wir ihn durch den TÜV bekommen, was wir kaum zu hoffen wagten. Nicht ohne Grund wurde der R4 ja gerne als "Rostlaube" bezeichnet. Drei Jahre lang hat er uns die Treue gehalten. In dieser Zeit ist er mit uns auf drei wunderbare, große Urlaubsreisen nach Gotland, Öland und Elba (über den San Bernadino-Pass) gefahren, außerdem zu häufigen Kurztrips nach Dänemark - zum Zelten versteht sich. Und auf allen Fahrten erwies er sich als Allround-Genie.

Praktisch und immer zuverlässig

Die Schlafstätte für zwischendurch war im Handumdrehen gebaut: Räder raus, Gepäck aufs Dach, Isomatten ausbreiten, Daunenschlafsäcke auspacken - fertig! Auch Regen konnte uns nichts anhaben: Eine Zeltplane wurde kurzerhand am Dach befestigt - schon hatten wir eine überdachte Terrasse, auf der wir uns gemütlich niederließen.

Das Beste war, dass der R4 im Urlaub niemals versagte, obwohl wir durchaus einige heikle Situationen erlebten. Zum Beispiel als er an einem Autobahnkreuz meinte, nur noch knappe 60 km/h fahren zu können, und das ausgerechnet dort, wo gerade zwei dreispurige Autobahnen zusammentrafen. Oder als der R4 am Abreisetag aus Öland nicht anspringen wollte. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen, bis uns endlich einfiel, dass der feuchte Morgennebel wohl die Zündkerzen unbrauchbar gemacht hatte.

Beim Umzug nach Hamburg war er noch dabei. Die Fahrt zur Zulassungsstelle in Billbrook wurde ihm zum Verhängnis, als ein übermüdeter Lkw-Fahrer ihm an einer roten Ampel ins Heck krachte. Mir ist dabei zum Glück wenig passiert, aber der R4 war hin, das Fahrgestell hoffnungslos verzogen. So endete die Beziehung, nein, die Lebensgemeinschaft, und tatsächlich war ich den Tränen nahe, als ihn der Abschleppwagen zum Autofriedhof abholte.

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
saul7 16.10.2009
1. Ende
Zitat von sysopRevolverschaltung, Schiebefenster, viel Laderaum und im Handumdrehen ein Schlafplatz - SPIEGEL-ONLINE-Leserin Christine Bartholomae erlebte ihren Renault R4 F4 als ideales Reisemobil. Bis ihm dann ein Umzug zum Verhängnis wurde. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,655581,00.html
der Siebziger Jahre war ich im Besitz eines R4. Ich habe seitdem nie wieder ein so zuverlässiges und praktisches Auto gefahren wie dieses. Damals, als der Jahrhundertwinter tobte und die Autos nicht mehr ansprangen, war der R4 so ziemlich der Einzige, der am Morgen ansprang. Er hat mich nur ganz selten enttäuscht. Am Ende ist er dem Rost zum Opfer gefallen.
bvn 16.10.2009
2. Autos für's Leben
Die tolle Kiste auf den Bildern ist zwar kein R4F4 sondern der große Bruder, ein R4F6. Beides waren aber tolle Autos, reduziert auf das Wesentliche und in ihrer Funktionalität von heutigen Autos selten erreicht. Wenn man sich etwas mit dem R4 und seinen Kastenversionen auseinandersetzt, stellt man fest: Diese Autos waren ihrer Zeit weit voraus. Sie waren bereits VAN und SUV.
Pirx, 16.10.2009
3. R4, kein Kombi
Zuerst alte Version, 800ccm und ich glaube 34PS. Spitzenauto, würde ich mir sofort wieder kaufen falls ich ein Auto bräuchte (allerdings sollte der Zweitboden im Kaufpreis enthalten sein;-) Deutschlandurlaube (einmal 3 + 1 Personen, 5-Mann-Zelt, Gaskocher mit 11l-Gasflasche, Lumas und Schlafsäcken und Gepäck (drei Taschen der jungen Herren und ein TASCHE der jungen Dame), kein Problem. Wassereintritt irgendwo vorne, ließ sich nur nicht feststellen wo (Abhilfe: nur Gummimatten pur, Filz entfernen, und links und rechts je ein 10mm-Loch ins Blech bohren, dann läuft es wenigsten ab). Den Trick von R4 selber gelernt: Die Dichtungen der Heckleuchten hatten unten eine Aussparung zum Wasserablauf. Nach 130 000km und insgesamt drei Unterböden war Ende. Verbrauch: keine 7l/100km. Der Rahmen war eine schlichte Katastrophe am Ende, in der Werkstatt wollte der das linke Pfötchen überhaupt nicht mehr vom Boden wegbewegen, es fiel nach einer gewissen Hubhöhe einfach ab. So kam der nächste ins Haus. Gleicher Motor, nur andere Karosserie: und gleich zwei bauliche Mängel: die Batterie wanderte im Motorraum direkt an den Kühlergrill in die gute frische Luft, die Luftklappe für die innere Frischluft befand sich in einem Gefängnis, kein Durchsatz mehr. Ansonsten mal gleich zwei Löcher gebohrt, die modernen Dichtungen an den Heckleuchten unten großzügig bearbeitet. Der arme mußte jetzt zeigen was in ihm steckt, genaugenommen das Gegenteil. Also ab in den Schlagraum, kein Problem bis mitten in den Wald und nun laden was geht (alles unnötige war schon ausgebaut). Ok, der war leicht überladen, mußte mich immer selber daran erinnern: der Hecktürgriff liegt nach der Beladung tiefer als gewohnt. Nach mals greifen, nochmals tiefer. Verbrauch wie gehabt, Bodenbleche nur zwo bei gleicher Fahrleistung. Ein unschöner Zug von alten Kerle: der TÜV-Termin stand an, der Termin zur Verkaufsübergabe auch schon. Der erste Startversuch wurde quittiert mit einem lauten Knall. Der Schalldämpfer war geplatzt. Der nächste Start verlief völlig normal, nur war der etwas, sagen wir mal vorsichtig laut. Also, neuen Auspuff gekauft, ausgetauscht, Tüv und ASU. Einen Tag später hatte die nächste Besitzerin das ihr schon lange bekannte Auto, meine Exfreundin. Leider haben meine Autos grundsätzlich einen Drang zu Neuwagen. Der erste R4, schob einen Golf (keine 1000km auf dem Tacho leicht zusammen - hinten und vorne. OK, war meine Schuld). Die meine Freundin mußte nur ein halbes Jahr warten bis es einen Neuwagen anzog. R4 Totalschaden, Unfallgegner durfte zahlen (der andere Wagen: noch nicht mal 100km Laufleistung, auch Totalschaden) Aber keine Sorge, ich werde mir in nächster Zeit kein Fahrzeug kaufen, fahren Sie beruhigt und ruhig. Gruß Pirx
rem023, 16.10.2009
4. kein F4
Hmmm... wenn ich mir die Bilder anschaue, komme ich nicht auf einen F4 Ich hatte einen blauen R4 F4 Baujahr 1980 und danach einen F6 aus der letzten Baureihe. Der gezeigte R4 sieht mir eher aus wie ein F6, denn mein F4 war oben runder als der F6, der eher rechteckig war im Vergleich... ist aber auch egal... ich hab mit beiden jeweils 200.000 km auf den Motor bekommen bevor sie den Geist wegen Rost und Kupplung aufgegeben haben :) den F6 habe ich mit 388.000 km verschrottet, den F4 mit 325.000 km jau... und da sag mir einer dass die heutigen Autos besser sind :P
Joachim Baum 16.10.2009
5. Meine Lieblinge
Zitat von rem023Hmmm... wenn ich mir die Bilder anschaue, komme ich nicht auf einen F4 Ich hatte einen blauen R4 F4 Baujahr 1980 und danach einen F6 aus der letzten Baureihe. Der gezeigte R4 sieht mir eher aus wie ein F6, denn mein F4 war oben runder als der F6, der eher rechteckig war im Vergleich... ist aber auch egal... ich hab mit beiden jeweils 200.000 km auf den Motor bekommen bevor sie den Geist wegen Rost und Kupplung aufgegeben haben :) den F6 habe ich mit 388.000 km verschrottet, den F4 mit 325.000 km jau... und da sag mir einer dass die heutigen Autos besser sind :P
Ein halbes Jahr habe ich einen von meinen beiden (etwa zwischen 1978-1984) sogar mit abgebrochenem Kupplungspedal bewegt. Ging tadel- und reibungslos mit Zwischengas beim Runterschalten, lässig den Daumen immer am Lenkrad und mit den restlichen Fingern geschaltet - ein Mitfahrer während dieser Zeit erbat Auskunft, ob dies ein Modell mit Automatik sei ... :-)) Den anderen habe ich mal auf glitschigem Feldweg seitlich in einen Graben gelegt. Mit Bauer, Trecker und Kette (durch ein Fenster rein und durchs andere raus) wieder rausgeholt und weitergefahren und weitergefahren und ..., und einige Male auf schneeglatter Straße in Schneeverwehung steckengebliebene Daimler (und Ähnliche) elegant umfahren, und und und ... Einfach toll diese Kiste :-)
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