Rad- gegen Autofahrer Schluss mit dem Straßenkampf!

Die ruppigen Sitten im Verkehr sind für viele Leser ein Ärgernis - das zeigen die Zuschriften zum jüngsten SPIEGEL-Titel. So viele Kommentare gab es seit dem Streit über die Abwrackprämie nicht mehr. Die großen Fragen: Warum halten sich so wenige an die Regeln? Und wie kann man was verändern?

Gespräch statt Streit? Diskussionen am Straßenrand führen leider meistens zu nichts
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Gespräch statt Streit? Diskussionen am Straßenrand führen leider meistens zu nichts

Von Andrea Jonischkies


Das Thema "Radfahrer im Straßenverkehr" weckt Emotionen. Nach den Artikeln " Pedalisten gegen Blechfreunde" und " Wem die Strasse wirklich gehören sollte" erreichte die Auto-Redaktion von SPIEGEL ONLINE eine Fülle von Lesermails - so viele wie seit den Tagen der Abwrackprämie nicht mehr.

Die Zuschriften kamen aus allen Lagern und Teilen der Republik, Zentren wie Berlin, Hamburg oder München waren aber besonders vertreten. Sie alle konstatieren eine Verrohung der Sitten auf den Straßen und haben die Folgen teils am eigenen Leib erlebt. Der Nur-Radfahrer oder Nur-Autofahrer scheint demnach eine aussterbende Spezies zu sein, denn der überwiegende Teil gab an, die Rollen beziehungsweise den fahrbaren Untersatz öfter zu wechseln.

"Die Idioten sind immer die anderen"

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Umso bemerkenswerter ist, dass sie, sobald sie auf dem Rad oder im Auto sitzen, zu vergessen scheinen, wie es sich in der anderen Position anfühlt. Alle beteuern unisono, sich möglichst vorbildlich zu verhalten, Gefahrenquellen und Hindernisse im Auge zu behalten - von ein paar roten Ampeln mal abgesehen - und die Geschwindigkeit dem Verkehrsfluss anzupassen. Es überwiegt die Klage über den jeweils anderen Verkehrsteilnehmer.

Ein Radfahrer berichtet, es sei egal, wie bunt, hell oder auffällig er sich auch kleide, Autofahrer achteten beim Linksabbiegen nur auf die entgegenkommenden Autos. Liegt das vielleicht an den modernen Fahrzeugen, wie ein Leser vermutet, in denen man so geräuscharm und abgeschottet sei vom Rest der Welt? Man habe so gar kein Gefühl mehr für die Länge und die Maße seines Wagens. Oder sind es eher die Ablenkungen, die zu Unaufmerksamkeit und Fehlern führen, etwa das Telefonieren, die Musik?

Es nütze gar nichts, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, meint einer. Der Kampf auf der Straße sei ein Abbild der Arbeitswelt, glauben einige: Jeder gegen jeden.

Viele monieren, dass die Städte den veränderten Verkehrserfordernissen nicht angepasst wurden. Besonders im Fokus: die schlechten Radwege. "Auf deutschen Radwegen, sofern sie überhaupt befahrbar sind, lauert an jeder Grundstücksausfahrt oder Straßeneinmündung der Tod", meint ein Leser. "Ich erlebe es täglich, dass mich die Autofahrer anschauen und trotzdem weiterfahren. Sie denken wohl, der wird schon bremsen, obwohl ich eindeutig Vorfahrt habe."

Die Leser wünschen sich mehr Dialog, um bei den beteiligten Parteien mehr Verständnis füreinander zu erreichen. "Schwarze Schafe gibt es überall", und die müssen bestraft werden. Viele Leser erinnern eindringlich an Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung - dort sei doch das Miteinander geregelt. Und bevor die Städte baulich angepasst seien, gebe es durchaus einfache Mittel, im engen Verkehr besser miteinander auszukommen.

Aber wo steckt eigentlich die Polizei, wenn man sie braucht? Und was sagt man ihr? Oft genug gibt es bei Unfällen keine Zeugen, lediglich Beteiligte. Wenn zwei Personen im Auto sitzen, habe der Radfahrer praktisch keine Chance, stellt ein Leser fest. Manche plädieren für das Wiedereinführen von Nummernschildern für Radfahrer: "Früher gab es das auch schon mal."

Ohnehin verhalten sich Polizisten, wenn sie im Dienstwagen unterwegs sind, oft nicht anders als jeder andere Autofahrer: Auf der Hohen Straße in Dortmund stehen rechts und links Grillstationen, an denen sich auch Polizisten und Polizistinnen ihre Currywurst kaufen, berichtet ein Leser. Oft genug stünden die Polizeiwagen mitten auf dem Fahrradstreifen. Spreche man die Beamten darauf an, könne man Sätze hören wie: "Wir sind im Dienst. Sie können uns gar nichts."



insgesamt 733 Beiträge
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keoki, 24.09.2011
1. Radfahrer bleib auf DEINEN Wegen ...
Was ich noch als viel ärgerlicher empfinde. Radfahrer die einem auf dem Gehweg entgegenkommen, trotz vorhandenen Radweges. Radfahrer die bei Rot über die Ampel fahren und Radfahrer die gegen die Richtung auf dem Radweg fahren ... usw. Fahre selbst gern Fahrrad und habe es mir aber auferlegt mich an die Regeln zu halten. An der Ampel zu warten (meistens der einzige, den richtigen Radweg zu benutzen auch wenn es ein kleiner Umweg ist ... ) Ich wurde einst von einem Radfahrer auf dem Gehweg angefahren. Der Radfahrer stürzte, ich bekam die Schuld .... Achja, das alles findet in Erlangen statt. Eine ausgewiesene Fahrradstadt. Da wird auch Fahrrad gefahren, wo eigentlich eine Fussgängerzone ist ...
Bobby Shaftoe, 24.09.2011
2. Straßenkampf?
Ich wohne im Speckgürtel, hier fahren zum Glück nur ab und zu ein paar rollende Möchtegern-Apotheken durchs Dorf. Aber die nerven wenigstens nicht so wie die Moppedfahrer, die ihr Standgas nicht im Griff haben oder die SUV-Mammas, die mit Tempo 40 durch die Spielstraße kacheln (merke: Scheiße nicht dahin, wo Du wohnst). Back to topic: Wer sich so albern anzieht und auch noch dafür bezahlt, dass er Werbung fahren darf, der kann seine Sinne nicht wirklich beisammen haben.
götzvonberlichingen 24.09.2011
3. Warum? Darum!
Zitat von sysopDie ruppigen Sitten im Verkehr sind für viele Leser ein Ärgernis - das zeigen die Zuschriften zum jüngsten SPIEGEL-Titel. So viele Kommentare gab es seit dem Streit über die Abwrackprämie nicht mehr. Die großen Fragen: Warum halten sich so wenige an die Regeln?*Und wie kann man was verändern? http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,787016,00.html
Es wird doch kaum kontrolliert. Im Prinzip kann sich doch jeder im Straßenverkehr verhalten wie er will. Erwischt wird doch kaum einer. Es ist wohl einfacher beim Schwarzfahren ertappt zu werden, als beim nicht beachten Der STVO. Und wenn's einer macht machen's alle. Ausserdem wird es doch täglich vorgelebt. Der schnellere und stärkere gilt in unserer Gesellschaft mehr, als der langsame und bedacht handelnde.
MünchenerKommentar 24.09.2011
4. Hetzjagd gegen Radler
In München meint die Polizei regelmäßig "Schwerpunktkontrollen" der Radfahrer durchfüren zu müssen. Das sieht dann so aus, dass sich zwei Polizisten an einer praktisch nicht befahrenen Straße mit einer kleinen Fahrradampel hinter einer Litfasssäule verstecken und allen Radfahrer, die es wagen, bei Rot rüberzufahren, 100 EUR abknöpfen. Darüber wird dann eine penible Strichliste geführt, deren Ergebnis (5000 Radler kontrolliert, 2500 davon verwarnt, davon 1000 wegen "Rotlichtverstoß") als Presseerklärung an die Münchener Boulevardpresse weiterverteilt wird, die dann (um ihre vermutlich meist ältere, d.h. fußgehende oder autofahrende) Klientel zu befriedigen, daraus regelmäßig Stories über die ach so schlimmen "Radl-Rambos" macht. Das liest dann die angesprochene Klientel, und fühlt sich darin bestärkt, dass man z.B. als Fußgänger gegen Radler vorgehen dürfe, ja müsse, die ein Stückchen auf dem Gehweg fahren. Das Ergebnis innerhalb weniger Wochen ist ein toter Rentner, der während einer solchen Auseinandersetzung mit einem Radler gegen eine Bordsteinkante fiel und eine schwangere Frau, die vom Rad geschubst wurde und jetzt im Krankenhaus liegt. Letzendlich ist sowohl die Polizei (durch ihre breit publizierten, kleinkarierten kontrollen) als auch die Rentner-fixierte Boulevardpresse für die aufgeheizte Stimmung verantwortlich, in der solche Vorfälle möglich sind. Meine persönliche Erfahrung mit den (Münchenern Radlern) sind praktisch nur positiv: Nicht alle halten sich buchstabengetreu an alle Vorschriften, behindert oder gefährdet wird aber dadurch keiner.
dr.a1 24.09.2011
5. falsch geführte debatte
Das Fahrradfahrer gegen Autofahrer Thema wird heftig von den Medien geschürt. Tatsache ist, dass Radfahrer den Verkehr entlasten, keinen Lärm, keinen Staub erzeugen, niemanden an Leib ubnd Leben gefährden und keinen bizarr hohen Landschaftsverbrauch haben. Individualverkehr macht die Städte durch Platzverbrauch auf Straßen und Parkplätzen deutlich weniger lebenswert. Der volkswirtschaftliche Verlust durch Spritverbrauch ist GIGANTISCH. Der BEschäftigungseffekt des dauernden Autobahnbaus ist im Gegensatz zu den 60er Jahren minimal, die Kosten GIGANTISCH. die Debatte wird über Anekdoten geführt, auf dem Nivaeu: Leser X hat inen Onkel der trotz Rauchen über 80ig wurde, oder mein Bekannter Y hat eine Tante die säuft schon seit 60ig Jahren. Vom Einzelfall wird auf's ganze geschlossen. Trotzdem verreckt man am rauchen und saufen, in der Wissenschaft und Statistik ist das anekdotische bedeutungslos. und nur auf breiten Daten kann eine Verkehrsplanung stattfinden. In Innenstädten ist das Rad das gesündere, ungefährlichere, leisere, billigere und vor allem schnellere Verkehrsmittel. Kein Fahrradfahrer fährt jemanden tot, kein Fahrradfahrer braucht die halbe stadt als parkplatz oder auto. Die urbane Verkehrsplanung wird in den nächsten Jahren zwangsweise ein Wende zum Rad hin vollziehen. Nicht alle sind so dumm und geben ein vermögen für ein veraltetes, langsames stinkendes Gerät aus das ohnehin nur im Stau steht und dann den restlichen Tag am Parkplatz. Das leben ohne AUto ist viel lebenswerter.
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