Kuriose Infrastruktur Radwege zum Verzweifeln

Viele Städte bauen Fahrradwege, die kaum zu befahren sind: zu schmal, mit scharfen Kurven oder Hindernissen darauf. SPIEGEL ONLINE hat mithilfe von Lesern besonders ungewöhnliche Beispiele gesammelt.

Carsten Vitt

Radfahrer müssen anpassungsfähig und reaktionsschnell sein: Sie wissen oft nicht, wie die Strecke, die sie befahren, an der nächsten Straßenecke weitergeht. Ein kurioses Beispiel ist der Berliner Zickzack-Radweg, auf dem Radler abrupt im rechten Winkel um Ecken fahren sollten.

Unzumutbare oder widersinnige Radwege sind aber eher die Regel als die Ausnahme in Deutschland, sagt Stephanie Krone vom Radfahrerverband ADFC: "Das liegt daran, dass die wenigsten Verkehrspolitiker den Mumm haben, dem Autoverkehr Platz wegzunehmen. Außerdem haben Planer oft keine Erfahrung im Radwegebau und kennen die Straße nur aus der Auto-Perspektive."

Poller und Laternenmasten auf den Wegen

Deshalb müssen sich Radfahrer in vielen Gemeinden und Städten mit ungewöhnlichen Wegen abfinden, die einfaches und komfortables Fahren häufig unmöglich machen. Radstrecken führen um scharfe Kurven, sind zu schmal, enden plötzlich auf Autofahrspuren oder Gehwegen, mitunter stehen Hindernisse wie Poller oder Laternenmasten darauf.

Zwar gibt es Vorschriften für den Bau von Radwegen und Radfahrstreifen, die "Empfehlungen füRadverkehrsanlagenenERARA)". "Diese sind aber in den meisten Bundesländern nicht verbindlich, werden häufig missachtet oder auf Minimalmaße zusammengeschrumpft", so ADFC-Expertin Krone.

So entsteht ein föderaler Flickenteppich aus Radwegen und Radfahrstreifen - SPIEGEL ONLINE hat besonders kuriose Beispiele gesammelt.

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insgesamt 218 Beiträge
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Seite 1
HH1960 19.11.2018
1. Zum Lachen, wenn...
es nicht so bitter ernst wäre. Als Alltagsradler kennt man solche Wege zuhauf. Da ist der Radverkehr bei sehr vielen Verantwortlichen noch lange nicht in den Köpfen angekommen. Das diese Fakeradwege dann noch gern als Parkplätze okkupiert werden und sich die Polizei nicht wirklich kümmert, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Ich stelle mir gerade ein Dixiklo auf der rechten Fahrspur der Bramfelder Chaussee vor....
Papazaca 19.11.2018
2. Zugeparkte Radwege, gefährliche Autotüren ....
Wenn wir ehrlich sind, hat sich in den letzten Jahren bezogen auf Radwege einiges getan. Aber es kann auch saugefährlich werden: Wer wegen zugeparkter Radwege auf die Straße muß, sollte besser anhalten, um zu sehen, ob die Straße auch frei ist. Und wenn neben dem Radweg Autos parken, muß man darauf gefasst sein, das eine Autotür plötzlich aufgeht und man reinfährt. Das sind nur zwei banale Situationen, die zeigen, wie inkonsequent die jetzige Situation ist. Entweder richtig oder garnicht. Wie kommt es, das man in einem übelreguliertem Land diese Gefahren übersieht. Und ich rede garnicht von den anderen Gefahren wie die Radfahrer, die wegen des toten Winkels von Rechtsabbiegern übersehen werden. Banale Wahrheiten, oft tödlich!
vetris_molaud 19.11.2018
3.
Was viele Radfahrer überhaupt nicht wissen: es ist durchaus möglich, auch mal abzusteigen und das Rad an Fußgängern vorbeizuschieben, anstatt sie umzunieten oder per Klingel vom Gehweg zu scheuchen.
hermann_huber 19.11.2018
4. Karlsruhe
Na dann kommt erstmal nach Karlsruhe. Hier wird nur noch Farbe auf die Strasse gepinselt und so an den irrsten stellen eine tödliche Radspur gestrichelt. Ableger im Gegenverkehr geht hier sogar zwischen zwei Fahrzeugspuren. Absolut irre in der Sache, aber durch besondere statistische Massnahmen werden durch die Trennstreifen mit einem make so viele neue "Radwege" gemalt, dass Karlsruhe auf dem Papier so gastfreundlich wie Freiburg oder Münster ist. (Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast :-)) Meine Kinder lasse ich dort nicht Radfahren sondern bringe sie heil mit dem Auto an ,-?
fht 19.11.2018
5. und dann gibg es immer noch Polizisten,
die erklären, dass ein zugeparkter Radweg unter "ruhenden Verkehr" und damit nicht in ihre Zuständigkeit fällt.
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