Raketenauto North American Eagle Amerika sucht den Superraser

Es ist eine wahre Höllenmaschine: Ein umgebauter Kampfjet soll den Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge brechen. Der North American Eagle soll schneller als 1200 Stundenkilometer sein - und ist im Prinzip startklar. Jetzt fehlt nur noch ein wagemutiger Pilot.


Als Ed Shadle die Farbe von dem alten Lockheed-F-104-Jet kratzte, hatte er eine Erscheinung. Unter mehreren Lackschichten kam die Seriennummer 60-763 zum Vorschein - eine magische Zahl, ein Omen. 763 Meilen pro Stunde, das ist der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge, aufgestellt am 15. Oktober 1997 von dem Briten Andy Green. 763 Meilen pro Stunde, umgerechnet 1227,9 km/h. Das ist der Wert, den Shadle übertreffen muss.

Sein Gefährt soll noch schneller sein. 1287 km/h peilt der Mann aus Seattle an. Ihr Gefährt haben Shadle und seine Kompagnons North American Eagle (NAE) getauft. Der Vollgas-Vogel sieht immer noch aus wie ein F-104, nur hat er jetzt Aluräder und gestutzte Flügel. "Technologisch stehen wir ziemlich gut da", sagte Shadle SPIEGEL ONLINE.

Im Oktober will das Team den Rekordversuch wagen und damit eine 21-jährige Schmach tilgen. Seitdem wird der Geschwindigkeitsrekord von britischen Piloten gehalten - für Amerikaner, die gerne die schnellsten sind, ist das kein Zustand. Grund für die englische Dominanz ist vor allem: Geld. "Green hatte eine Million Dollar zur Verfügung", seufzt Shadle. Der Profi-Rennfahrer ließ sich seinerzeit von Castrol sponsern.

Das aus US-Amerikanern und Kanadiern bestehende NAE-Team ist nicht ganz so solvent. Schon der Jet-Umbau war eigentlich eine Notlösung, weil die Konstruktion eines eigenen Fahrzeugs zu teuer war. Die alte Mühle, Baujahr 1957, war für überschaubare 25.000 Dollar zu haben. Außer den Rädern und dem Bremssystem haben die Tüftler wenig verändert. "Im Cockpit sieht es so aus wie vorher", sagt Shadle. Gelenkt wird per Steuerknüppel. Das modifizierte Triebwerk leistet 52.700 PS.

Sind Sie so was schon mal gefahren?

Jetzt braucht Shadle nur noch einen Piloten. Eigentlich würde der 66-Jährige am liebsten selber rasen - schließlich träumt er seit zehn Jahren davon, von Green mit seinem Thrust SSC aufgestellten Rekord zu brechen. Aber daraus wird wohl nichts. Um Geld für das Projekt aufzutreiben, hat sich das NAE-Team dazu entschieden, eine medienwirksame Fahrersuche zu veranstalten.

Die "Fastest Person On Earth" soll zwischen 18 und 40 Jahren alt sein. Mal mit einem Porsche den Highway entlanggebrettert zu sein, dürfte als Qualifikation nicht reichen. "Pilotenschein und Pkw-Führerschein - beides sollte man haben", sagt Shadle. Er hofft auf einen "jungen Heißsporn, der aussieht wie Robert Redford". Ordentlich Geld soll der Pilot in die Kasse bringen - durch TV-Auftritte, Sponsoring und den ganzen Klimbim.

Das Geld braucht das NAE-Team offenbar dringend. Finanzielle Details nennt Shadle nicht, deutet aber an, dass die Finanzierung des Rekordversuchs der eigentliche Haken ist. Die Testläufe im südkalifornischen El Mirage und an weiteren Orten kosteten jedes Mal 20.000 Dollar. "Wir sind mit 40 Leuten unterwegs, das ist halt nicht ganz billig." Auch der Spritverbrauch (über 300 Liter pro Minute) geht ins Geld. Der Rekordversuch werde nochmals 100.000 Dollar verschlingen, schätzt Shadle.

Deshalb muss ein PR-gewandter, moderner Evel Knievel her. Wer die Wüstenraserei dann gegebenenfalls sponsert, ist den NAE-Leuten egal. "Wir sind da ganz offen. Wenn das 'Playboy'-Magazin Interesse hätte, mir soll es recht sein." Das schnellste Häschen aller Zeiten? Da müsste Shadle an der Optik seines Gefährts wohl vor dem Start noch ein paar Änderungen vornehmen.



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