Seltsame Porsche-Sammlung Sie kommen wieder - teilweise

Auf den ersten Blick wirkt diese Porsche-Kollektion in Texas erbärmlich: Mehr als ein Dutzend Boxster-Modelle, zerfleddert zwischen Gestrüpp unter freiem Himmel. Aber die Wracks machen nicht nur ihren Besitzer glücklich.

Kevin McCauley / roadandtrack.com

Ein Interview von


In den USA leben einige der schillerndsten Porsche-Sammler und -Tuner. Magnus Walker zum Beispiel, der sich auf die erste Generation des 911er spezialisiert hat und aus fast jedem Jahrgang der 1964 bis 1973 gebauten Reihe ein Exemplar hat. Oder Rob Dickinson, Gründer der Tuningschmiede Singer, der eine Art Remix aus 911er-Modellen bastelt und dafür Millionenbeträge verlangt.

Und dann wäre da noch John "Woody" Wood.

Dem 43-Jährigen gehört ein zugewuchertes Gelände in der Nähe des 5000-Seelen-Nests Bastrop im US-Bundesstaat Texas. Dort steht, zwischen Bäumen und Gebüschen, seine seltsame Porsche-Kollektion. 17 Autos sind es derzeit. Wie jede gute Sammlung hat sie einen roten Faden: Es sind allesamt Exemplare der ersten Modellgeneration des Boxster - und keines von ihnen ist fahrtauglich.

Mister Wood, wir müssen reden. "Shoot", sagt er am Telefon. "Schießen Sie los mit Ihren Fragen."

SPIEGEL ONLINE: Warum parken bei Ihnen so viele ausgeschlachtete Porsche Boxster?

Wood: Weil ich vor drei Jahren mal Bremssättel für meinen Porsche 911 SC benötigt habe.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie uns genauer erklären.

Wood: Also, ich war auf der Suche nach diesen Bremssätteln für den 911er, Baujahr 1979. Da habe ich bei einer Auktion einen Boxster erstanden und daraus die nötigen Teile ausgebaut. Der Wagen war einfach billig. Die restlichen Teile wollte ich weiterverkaufen, um mein Geld wieder reinzuholen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie die Teile losgeworden?

Wood: Ich wurde von Interessenten förmlich überrannt. Weil die Nachfrage so groß war, habe ich dann noch einen Boxster gekauft und ausgeschlachtet. Aus dem Handel mit den Teilen wurde schließlich ein Hobby, mit dem ich mein anderes Hobby - den 911er - finanzierte. Wissen Sie, dieses Auto ist teuer. Das alles lief neben meinem eigentlichen Job.

Der Schriftzug ist noch da - ein Porsche Boxster aus Woods Sammlung
Kevin McCauley / roadandtrack.com

Der Schriftzug ist noch da - ein Porsche Boxster aus Woods Sammlung

SPIEGEL ONLINE: Als was arbeiteten Sie?

Wood: Ich war ein einfacher Trucker.

SPIEGEL ONLINE: Und jetzt handeln Sie nur noch mit Ersatzteilen?

Wood: Ja, seit ungefähr anderthalb Jahren. Früher war ich Grundstücksmakler, mir gehört ein kleines Stück Land. Dort stehen die ausgeschlachteten Boxster, ich muss sie also nicht zur Schrottpresse bringen. Sie parken dort wahrscheinlich für immer, und nach und nach entnehme ich ihnen Einzelteile. Irgendwann wird jedes Teilchen benötigt, das liegt einfach an der Besonderheit dieser Autos.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Wood: Wer sich einen Porsche leistet, behält ihn meistens auch. Und da werden eben hier und da Reparaturen fällig, für die man jedes erdenkliche Ersatzteil braucht. Ein Auto wie den VW Golf benutzt man eine Weile und ersetzt ihn dann einfach durch ein neues Fahrzeug. Aber ein Porsche ist kein Utensil. Sondern ein Liebesverhältnis.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kundschaft: Was sind das für Leute?

Wood: Meine Stammkunden sind vor allem Rennfahrer. Es gibt in den USA eine Rennserie mit Boxstern, bei der immer mehr Leute mitfahren, weil die Autos billiger werden. Die Typen legen sich voll ins Zeug und manche von ihnen behandeln ihre Porsches wie Autoscooter - also sind sie ständig auf der Suche nach Karosserieteilen.

SPIEGEL ONLINE: Wie treiben Sie die Fahrzeuge auf?

Wood: Etwa drei Viertel der Autos, die ich mir besorge, wurden von ihren Besitzer geschrottet und sind als Totalschaden eingestuft. Die Versicherung kauft sie dann ihren Kunden ab und versteigert sie an Händler wie mich. Auf diesen Auktionen darf man nur mit speziellen Lizenzen mitbieten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem restlichen Viertel?

Wood: Das sind Modelle, bei denen die Elektronik nass wurde und ersetzt werden musste. Die Autos funktionierten dann wieder, aber nach der Reparatur tragen sie einen sogenannten Salvage Title, sie sind sozusagen als Unfallwagen gebrandmarkt. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist das der Todesfluch, als Privatperson wird man die Fahrzeuge nicht mehr los.

Zerfleddert wie das Auto selbst: das Bordbuch eines Boxster
Kevin McCauley / roadandtrack.com

Zerfleddert wie das Auto selbst: das Bordbuch eines Boxster

SPIEGEL ONLINE: Das Abklappern der Versteigerungen ist doch bestimmt aufwendig.

Wood: Funktioniert alles übers Internet. Für jedes angebotene Auto gibt es eine kurze Angabe, dann kommen sie online unter den Hammer.

SPIEGEL ONLINE: Und wie verlässlich sind diese Angaben?

Wood: Oh Mann, es ist ein Glücksspiel. Einmal habe ich einen Boxster ersteigert, der angeblich noch fahrbereit war. Er wurde auf eine tausend Meilen lange Reise von Illinois zu mir nach Texas geschickt. Als er ankam, fehlte der Motor.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel zahlen Sie durchschnittlich für diese Autos?

Wood: Ich will nicht, dass das die ganze Welt erfährt.

SPIEGEL ONLINE: Kommt es für Sie in Frage, sich einen Boxster zuzulegen - also nicht zum Ausschlachten, sondern zum Fahren?

Wood: Ja, ich habe mir kürzlich ein Exemplar zur Seite gestellt. Aber gefahren bin ich damit noch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Wood: Ich suche noch einen passenden Motor aus einem 911er, den ich im Boxster einbauen will. Sonst ist er mir einfach nicht schnell genug.



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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
chr.reinhard 19.08.2015
1.
das ist ein stinknormaler schrottplatz?!?!
Volksverretter 19.08.2015
2.
"Seltsame Porsche-Sammlung" Haetten doch unsere Schrotthaendler gewusst, das sie Seltsame Sammlungen-Sammler sind
dasforsthaus 19.08.2015
3. Iaai
Naja, so geheim sind seine Quellen auch nicht. https://www.iaai.com/Vehicles/Search.aspx?Keyword=porsche+boxster
thomas.d. 19.08.2015
4. Ach ja....
........so einfach Plug and Play passen die Bremssättel vom Boxster MkI aber nicht in den 911 SC. Schöne Geschichte aber eben wie vieles.........nur eine Geschichte.
Big_Jim 19.08.2015
5. Sieht zwar nicht so aus,
aber was der Mann da tut ist Ökologie in Perfektion! Finde ich gut!
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