Nahverkehr im Senegal Das Aus für die bunten Busse

Wild verzierte, hochbetagte Klapperkisten, die mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch Dakar düsen - das sind die Car Rapides. Die, nun ja, Schnellbusse waren bislang wichtige Stütze des Nahverkehrs im Senegal - nun sollen sie ausgemustert werden.

AP

Bill Amahdou nimmt seinen Pinsel und taucht ihn in einen Eimer weißer Farbe, der auf der staubigen Straße steht. Er malt mit sicheren Strichen die Umrisse der Senegalesischen Flagge auf die Hecklappe eines Busses. Anschließend pinselt er daneben ein großes orangefarbenes Herz mit einem Auge darin. Ganz unterschiedliche Motive, die doch irgendwie harmonisch miteinander vereint scheinen, sie zieren die Fahrzeuge, die symbolisch sind für den Senegal: Car Rapides, oder wie man hierzulande sagen würde: Schnellbusse.

Nur dass die Fuhren im Senegal mit unseren Vorstellungen von Schnellbussen rein gar nichts gemein haben. Es sind klapperige Kisten, bei denen man ständig darum fürchtet, dass sie Türen, Räder oder andere wichtige Einzelteile verlieren könnten. Schnell sind sie vor allem gefühlt, nämlich für ihren technischen Zustand zu schnell unterwegs. Vor allem, weil nicht wenige Passagiere die Fahrt nicht im, sondern an den Bus geklammert antreten.

Aber sie sind bunt, sie sind Kunst, sie werden geliebt von den Senegalesen, besonders vom 37-Jährigen Amadou. Seit 17 Jahren verziert er die Car Rapides, die durch Dakar düsen, mit seinen Artworks.

Mein zweites Ich, der Bus

Nur die Behörden lieben die Car Rapides nicht: Sie wollen ab 2018 keine Lizenzen mehr für die klapprigen Kisten ausgeben, sondern stattdessen neuere, sicherere Busse registrieren, die mehr Sitzplätze bieten. Er werde die Car Rapides weiter als Leinwände benutzen, so lange, bis keine mehr da sind, sagt Amahdou trotzig.

Bislang kommen noch genug Fahrzeuge bei ihm und seinem Cousin, dem 31-Jährigen Kalidou Diallo, mit dem er zusammenarbeitet, an. Gerade tänzeln sie um einen Bus, der keine Passagiere, sondern Fracht befördern soll, und verzieren ihn mit einer Vielzahl lebendiger Motive in Grün, Orange, Rot und Blau, die sich um das Wort Alhamdoulillah ranken: Lobet den Herrn.

"Augen dürfen auf keinen Fall fehlen", sagt Diallo, "wie bei den Menschen." Die bemalten Autos seien ein Spiegelbild ihrer Besitzer. Die haben oft besondere Wunschmotive: Tiere, Flaggen oder Symbole, die ihren jeweiligen Glauben signalisieren. Viele überlassen das Design aber auch ganz Amahdou und Diallo.

Immer Streit um Geld, zu viele Unfälle

Umgerechnet 60 US-Dollar verlangen die beiden für die Bemalung eines Frachtfahrzeugs. Ein Bus, der Passagiere befördern soll, kostet das Doppelte. Ihre Lackierwerkstatt ist eine Straßenecke in der Nähe der großen Moschee in Dakar. Taxi Fallou Ndiaye, 61, kommt regelmäßig dorthin. Heute, um sich sein Nummernschild von ihnen auf die Tür seines Autos malen zu lassen. "Sie sind die Besten", sagt er.

Ndiaye war früher selbst mal Fahrer eines Car Rapide. Er ist froh, wenn sie von den Straßen verschwinden. Es gebe zu oft Streit wegen der Fahrpreise und zu viele Unfälle bauten sie sowieso, sagt er.

Scheich Oumar Gaye, verantwortlich für den öffentlichen Nahverkehr in Dakar, sieht das genauso. Die Car Rapides sanft zu verbannen sei ein Gebot der Professionalität, findet er. Angesichts der Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Vehikel 25 Jahre beträgt und einige von ihnen sogar schon mehr als 40 Jahre über die Straßen Dakars rumpeln, kann man seine Argumente irgendwie nachvollziehen.

Die Passagiere haben ihre ganz eigene Sicht der Dinge. Und die hat nichts mit Moderne zu tun, weder in Sachen Kunst noch in Sachen Technik: Sie beschweren sich darüber, dass die neuen Busse nur wenige Routen befahren und dies zu spät und nicht lang genug am Tag. Zudem seien die Fahrten viel teurer: Zwischen 33 und 60 Cent kostet ein Busticket. Im Car Rapide bezahlen sie nur zwischen acht und 25 Cent.

mhe/AP

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jj2005 27.12.2015
1. Diese Busse funktionieren und sind billig
Im Gegensatz zum deutschen Nahverkehr funktionieren diese Busse und sind unschlagbar billig. Sie gegen "moderne" Busse einzutauschen, die das drei- bis vierfache kosten, ist nicht im Interesse der armen Bevölkerung. Man sollte also schon mal fragen, wer an der "Modernisierung" verdient. Unfälle lassen sich mit weniger radikalen Methoden - Stichwort Versicherungszwang - vermindern.
go-west 27.12.2015
2. Was leider unerwähnt bleibt,
Ist die Tatsache, daß diese sehr schönen Busse oft derartig dichte schwarze Rauchfahnen hinter sich herziehen, daß ein Autofahren dahinter hochgefährlich wird und man den Bus erst einmal davonziehen lassen sollte. Von der gesundheitlichen Gefährdung einmal ganz zu schweigen.
JeeperXK 27.12.2015
3.
Zitat von go-westIst die Tatsache, daß diese sehr schönen Busse oft derartig dichte schwarze Rauchfahnen hinter sich herziehen, daß ein Autofahren dahinter hochgefährlich wird und man den Bus erst einmal davonziehen lassen sollte. Von der gesundheitlichen Gefährdung einmal ganz zu schweigen.
Ich glaube nicht, dass das in Afrika irgendjemanden interessiert …
BensO 28.12.2015
4. Zu Kommentar 02
Denen mangelt es an das nötigste wie Nahrung und Wasser, da gibt es noch nicht das Wort "Umweltfreundlichkeit" geschweige eine Abgasbehandlung wie ein Partikelfilter welches noch SEHR teuer ist. Für mein Fahrzeug habe ich 1000€ für den Partikelfilter gezahlt, was für mich schon zu teuer war mitten in DE.
7eggert 28.12.2015
5.
Zitat von go-westIst die Tatsache, daß diese sehr schönen Busse oft derartig dichte schwarze Rauchfahnen hinter sich herziehen, daß ein Autofahren dahinter hochgefährlich wird und man den Bus erst einmal davonziehen lassen sollte. Von der gesundheitlichen Gefährdung einmal ganz zu schweigen.
Besonders hochgefährlich ist es, wenn man nicht die mentale Stärke hat, seine Fahrweise diesem Umstand anzupassen und sich trotz der erkannten Gefahr dicht hinter den Vordermann klemmen "muß". Egal, in welchem Land.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.