Speedback GT Der Traum des David Brown

David Brown liebt das Design von Oldtimern, aber er hasst ihre Zicken. Der Brite wünschte sich alle Vorzüge eines modernen Gran Turismo, verpackt in eine klassische Hülle - und hat sich sein persönliches Traumauto gebaut.

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David Brown Automotive

Schönheit hat ihren Preis, und David Brown aus Yorkshire war eines Tages nicht mehr bereit, ihn zu zahlen. Während einer Oldtimer-Rallye war der Unternehmer mal wieder mit seinem schicken Klassiker liegengeblieben und musste in einem Begleitfahrzeug zum Ziel gebracht werden. "Nur ein Kleinwagen", erinnert er sich, "aber er war zuverlässig und komfortabel." Also das genaue Gegenteil von seinem Oldie.

Es muss doch beides möglich sein, dachte sich der Unternehmer - klassisches Design und moderne Technik und Ausstattung. Die Lösung war naheliegend und ist jetzt fertig: Brown hat sich seinen ganz persönliches Traumauto gebaut, den Speedback GT. Außen Sixties, innen 2.0.

Brown hat eine stattliche Sammlung von Klassikern in seiner Garage, unter anderem einen Aston Martin DB5. Er hört es eigentlich nicht so gern, aber die frappierende Ähnlichkeit sticht nun mal ins Auge: Der Speedback sieht dem klassischen Bond-Auto fast zum Verwechseln ähnlich.

"Wäre er in Maranello-Rot statt silbern lackiert, hätte jeder eine ganz andere Assoziation", protestiert Brown und fügt hinzu: "Aber ich weiß, das ist ja noch die Sache mit meinem Namen…" Es war nämlich ein gewisser David Brown, der die glanzvollste Ära bei Aston Martin prägte. Daher auch die Initialen der legendären DB-Reihe. Es besteht aber keinerlei Verwandschaft zum DB-David-Brown, sagt der Speedback-David-Brown.

Der Motor, das Chassis, der Designer: alles von Jaguar

Brown und sein Team haben dabei nicht von Grund auf ein neues Auto entwickelt: Die technische Basis für den Speedback GT stammt von einem Jaguar XKR, der seit 2006 gebaut wird. "Ich liebe den V8-Motor dieses Wagens, und aus Heimatverbundenheit sollte die Plattform von einem britischen Fabrikat stammen." 510 PS leistet der Speedback jetzt, von 0 auf 100 km/h benötigt er 4,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 248 km/h.

In der Mittelkonsole, zwischen Armaturen aus edlem Holz und Aluminium, ist ein Touchscreen eingebaut. Die Temperatur der Sitze lässt sich regeln, Einparksensoren helfen beim Rangieren. Alles, was Brown in seinen Oldtimern vermisste, ist im Speedback drin - und was ihm an ihnen gefiel, ließ er nach seinen Wünschen gestalten.

"Ich wollte die schlichte Linienführung aus den Sechzigern, die heute wieder so verführerisch wirkt. Nur an den hinteren Radkästen haben wir dem Auto ein paar Kurven verpasst, damit es aggressiver wirkt." Die Inspiration lieferten die Ferraris und Lamborghinis aus der damaligen Zeit, sagt Brown. Aston Martin muss er dabei nicht extra erwähnen. "Das Heck erinnert an einen alten Mustang", fügt er hinzu, " und die Scheinwerfer stammen von dem ersten Modell des Jaguar E-Type." Jetzt leuchten dahinter LED-Lämpchen.

Als professionelle Unterstützung engagierte Brown den ehemaligen Chefdesigner von Jaguar und Land Rover, Alan Mobberley. Abgesehen von dessen jahrelanger Erfahrung, so Brown, brachte der Gestalter die beste Voraussetzung für die Entwicklung des Speedback mit: "Er hat die Sechziger miterlebt und weiß genau, welche Ausstrahlung die Autos in dieser Ära hatten." Das Know-how Mobberleys weiß er zu schätzen. "Er ist das gute Gewissen des Projekts."

Integrierte Picknick-Pritsche

Bei der Planung des Speedback GT bekamen aber auch Nachwuchskräfte ihre Chance. So kam unter anderem eine charmante Überraschung in den Kofferraum des Wagens: Dort lässt sich nämlich eine kleine Picknickbank ausklappen. Eigentlich eine so skurrile wie altmodische Funktion, immerhin wird der Wagen dadurch um einige Kilo schwerer - und trotzdem ein Highlight. "Die Idee stammt von einem unserer Praktikanten", sagt Brown.

Der Schuss Irrsinn verleiht dem Speedback Charakter - und gerade daran mangelt es meistens, wenn Hightech im Retro-Design daherkommt. Aber ob Oldtimer-Puristen über seine Schöpfung maulen, ist Brown sowieso egal. "Das Auto ist nicht einfach eine Kopie", sagt er. "Ich persönlich liebe zum Beispiel meinen DB 5, aber um von England nach Frankreich zu fahren, würde ich den Speedback vorziehen."

Brown hofft darauf, dass auch andere Millionäre so denken wie er. Auf einer Messe für Luxusprodukte in Monaco wird er den Wagen erstmals öffentlich vorstellen, etwa 50 Exemplare sollen nächstes Jahr gefertigt werden. Zum Preis sagt Brown nur so viel: "Die Herstellungskosten für den Wagen sind sehr hoch."

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen

Eigentlich ist David Brown schon länger unter den Fahrzeugherstellern: "Mein Vater und ich haben ein Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern aufgebaut, wir hatten Bagger, Planierraupen und Traktoren im Programm", sagt er. "Alles Mögliche mit Rädern haben wir produziert, nur kein Auto." Vor einigen Jahren hat er die Firma für viel Geld verkauft.

Auf die Baustellenfahrzeuge folgt jetzt also ein Luxuscoupé, und der Speedback GT wird zur Metapher für eine geglückte Unternehmerkarriere: Nach der Arbeit kommt das Vergnügen.

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
mikaiser 20.04.2014
1. Traum erfüllt!
Ich gratuliere zu einem wunderschönen Auto und einem erfüllten Traum.
kopp 20.04.2014
2. Eine tolle Idee, die sich namhafte Hersteller zunutze ...
... machen könnten. Ich denke da z.B. an die DS 19 von Citroën. Man könnte in die alte klassische Form der 60er Jahre die heutige moderne Technik einbauen. Warum Citroën (oder andere Hersteller) das nicht schon längst versucht haben, kann nur damit zusammen hängen, dass man ihnen dann Ideenlosigkeit vorwerfen könnte - eine andere Erklärung fällt mir dazu nicht ein. Auf jeden Fall bin ich von einem wirtschaftlichen Erfolg gegenüber der heutigen Lage bei Citroën überzeugt. Das gleiche Argument gilt auch für den Käfer von VW, dessen alte Form IDENTISCH übernommen werde sollte (und nicht der m.E. missglückte Beetle). Statt dessen konstruieren die meisten PKW-Hersteller Fabrikate, die sich immer weniger von einander unterscheiden, insbesondere erkennbar im immer gleichen Design der Scheinwerfer - eine ziemlich ideenlose Einstellung.
kenterziege 20.04.2014
3. Klare Linien
Das Auto besticht durch klare Linien. Man merkt erst jetzt, wie verspielt die Designer der Jetzt-Zeit sind. Ich konnte in den 60er Jahren nie die Formenvielfalt der Gründerzeit versehen. Also nicht nur Autos. Da war Gelsenkirchner Barock bei fast allen Produkten zu finden. Der kleinbürgerliche Geschmack setze sich dann im 3. Reich fort. Was Speer und Hitler vor hatten, war grausig. Alles, was das Bauhaus vorgegeben hatte, wurde dem Geschmack von Schrebergärtnern geopfert. Dann kamen Jahre mit gutem Design. Man denke nur an Braun oder den ersten 911er oder später den /8 von Daimler. Wenn ich mir dann die neue A-Klasse anschaue, dann sind wir wieder bei Gelsenkirchner Barock. Insofern ist das hier vorgestellte Fahrzeug wohltuhend ruhig. Nur die ascheinwerfer erinnern mich sehr an den Skorpio von Ford. Hier hatte Porsche in den 60/70ern die bessere Lösung. Auch die Rücklichter passen so nicht zum Gesamtbild. Aber vielleicht bin ich zu streng! Schön, dass es noch Leute gibt, die ihr Geld für so etwas ausgeben (können)!
monopinion 20.04.2014
4. Klasse Auto
Hoffentlich wird es so erfolgreich, dass noch mehr so schöne Modelle kommen. Hat vielleicht wer einen Tipp, wie ich die Fotos speichern kann (iphone5-Nutzung)!
sabaro4711 20.04.2014
5. Ein Traum....
Zitat von sysopDavid Brown AutomotiveDavid Brown liebt das Design von Oldtimern, aber er hasst ihre Zicken. Der Brite wünschte sich alle Vorzüge eines modernen Gran Turismo, verpackt in eine klassische Hülle - und hat sich sein persönliches Traumauto gebaut. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/speedback-gt-retro-auto-mit-jaguar-motor-von-david-brown-a-963307.html
So sieht das aus, wenn "alte Männer" sich ihre Art von Auto-Styling erbauen. Den würde ich mir auch in die Garage stellen, wenn das Kleingeld vorhanden wäre. Klar sieht er dem DB5 ähnlich....na und? Der war auch schon eine Schönheit, also warum das nicht übernehmen?
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