Subaru Justy, Baujahr 1986 Kleiner Japaner mit Offroad-Ambitionen

Der Subaru Justy war der erste Allrad-Kleinwagen auf deutschen Straßen. Mit seinem günstig gekauften Japaner zog SPIEGEL-ONLINE-Leser Thomas A. Winzberg so manch schwergewichtigen Riesen-Offroader aus dem Schlammloch.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Thomas A. Winzberg über seinen Subaru Justy, Baujahr 1986.

Thomas A. Winzberg:

Subaru Justy Allrad: Pech in der Liebe, Glück beim Autokauf
Thomas Winzberg

Subaru Justy Allrad: Pech in der Liebe, Glück beim Autokauf

Es fing mit einer Trennung an. Ich wollte ein Cabrio - meine damalige Freundin nicht. Sie wollte ein Pferd - ich nicht. Es war wie in der Politik, man einigt sich auf den teuersten gemeinsamen Nenner: Wir kauften ein Cabrio sowie einen Geländewagen nebst Pferdeanhänger. Denn Jeep konnte ich als Jäger und Hundeführer auch gut gebrauchen. Kurze Zeit später war meine Ex mit dem Reitlehrer zusammen und ich hatte nur noch einen für Jäger völlig unbrauchbaren offenen Zweisitzer. Mist – das mit dem Auto.

Also ab ins Internet und nach einem "kostengünstigen" Allrad Zweitwagen gesucht. Doch selbst für einen zwölf Jahre alten, völlig verbrauchten G-Klasse Mercedes ohne TÜV wurden dort noch bis zu 3900 Euro verlangt.

Echte Subarus, getarnte Suzukis

Pech in der Liebe, Glück beim Autokauf: Ich fand einen gut erhaltenen Subaru Justy aus erster Generation – der erste Kleinwagen mit Allradantrieb in Deutschland. Abgemeldet, aber fahrbereit, Baujahr 1986, erste Hand, original 72.000 Kilometer, vier Monate TÜV frei, für 500 Euro. Alle späteren Justys waren in Wahrheit Suzuki Swifts mit Subaru-Emblem. Das macht meinen Justy zu einem Exoten. Die ganze Modellreihe war zudem werksseitig mangelhaft gegen Rost geschützt. Mein Justy überlegte dennoch, weil die Vorbesitzerin ihn in der Garage hielt. Seine Geschwister sind längst zerbröselt.

Die Probefahrt fand in der Garagenauffahrt statt. Ein Fehler, wie sich beim Abholen herausstellte. Der Motor hatte Probleme mit Drehzahlen über 3200 und mehr als 100 Km/h schaffte er nicht. Vergaser, Zündung und Luftfilter waren augenscheinlich in Ordnung. Wieder ab ins Internet. Dort berichtete ein Justy-Fahrer von einem verdreckten Benzinfilter, welcher vor der Hinterachse unter dem Fahrzeug gut verborgen ist.

Nachdem der Filter ausgewechselt war, hatte der 50 KW (68 PS) Dreizylindermotor mit den 760 Kg Leergewicht leichte Arbeit. Gefahr ging auch von den noch in Japan montierten Reifen aus. Sie waren mittlerweile völlig ausgehärtet und hatten bei Regen keine Traktion mehr. Für 22,95 Euro je Stück gab es im Internet neue.

Später dann bei der Hauptuntersuchung bekam ich die begehrte Plakette ohne Beanstandungen, verbunden mit dem Kommentar "der sieht unten sehr gut aus, kommen Sie in zwei Jahren wieder". Die Abgasuntersuchung war ebenfalls kein Problem, auch ohne Elektronik und ohne Kat.

Kleiner Japaner hilft großen SUVs

Dank zuschaltbarem Allradantrieb hat sich das Auto nie festgefahren. Im Gegenteil, so manch modernes Sports Utility Vehicle (SUV) samt Jagdbesatzung wurde von uns aus dem Matsch gezogen. Mit einer Reisegeschwindigkeit von 100 km/h waren wir sogar im Skiurlaub. Nur meine neue Freundin schämt sich ein wenig mit der alten Kiste.

Ich aber erfreue mich an jedem Kilometer Autonostalgie: einem Choke zum Anlassen, Fensterkurbeln, Radio mit zwei Drehknöpfen und "ARI", einer von den Radiosendern längst abgeschalteten Verkehrsdurchsagefunktion, einer Antenne die vor jedem Waschen eingeschoben werden will, einem Türschloß auf der Beifahrerseite und einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter auf 100 km.

Der Justy verfügt, über Dreipunkt-Sicherheitsgurte, weitere Sicherheitsausstattung gibt es nicht, weder mechanische noch elektronische. Das Fahrwerk zeigt Lastwechselreaktionen und gerät schnell an seine Leistungsgrenze. Die vorderen Scheibenbremsen sind zwar innenbelüftet, sprechen aber bei Nässe stark verzögert an und schwächeln im warmen Zustand.

Seit Februar dieses Jahres steht mein Justy unter Artenschutz. Versehen mit einem roten Kennzeichen für Fahrzeuge zwischen 20 und 30 Jahren wartet er jetzt wohlbehütet in der beheizten Garage auf das "H-Kennzeichen". Bewegt wird er nur noch bei Ausfahrten. Der Gesetzgeber will es so. Schade, dass ähnlich zuverlässige und günstige aber alte Autos in der Regel ihren Lebensabend in Russland oder Afrika verbringen müssen. Der Klimabilanz hilft es nicht, im Gegenteil.



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Schwabenelch, 23.07.2007
1.
Die Gier der gutverdienenden Länderfinanzminister ist der Tod vieler Youngtimer. Dieser gute Artikel zeigt wieder einmal: Oldtimer sind auch Kulturgut, aber die Gier der gutverdienenden Länderfinanzminister ist der Tod vieler Youngtimer. So viele Youngtimer zwischen 20 und 30 Jahre gabs wirklich nicht. Und mit dem Elektronikschrott in den aktuellen Fahrzeugen gibts bald noch weniger ältere Autos. Schade, auch die lustigen Subarus verschwinden so fast alle in der Schrottpresse. Und die Autohersteller freuen sich noch zusätzlich, wenn die Fanatiker der Deutschen Umwelthilfe es noch schaffen, für alle Fahrzeuge vor 1994 über das Vehikel Feinstaubplakette die Innenstädt zu verbieten. Oldtimer sind auch Kulturgut, aber Umweltfanatiker, Finanzminister sehen es halt anders.
Edgard 23.07.2007
2. Feines Auto!
Aus erster Hand gekauft hat mich meine Justine nie enttäuscht, im Gegenteil: Auch ich habe mal eine Hochpreis-Limousine aus dem Dreck gezogen - deren Besitzer wollte sich erst vor Lachen biegen, kam dann aus dem Stauen nicht mehr heraus - und der Rest des Abends war für mich kostenlos. Im Schnee mit Winterpneus zog sie fröhlich ihre Bahn und an den anderen vorbei, und die Fahrt über die Pässe nach Italien (drei Personen, ein Teil des Gepäcks aus Platzgründen auf dem Dachträger)war eine Freude; uns fiel damals auf, wie viele Justy's in Östereich fuhren. Innenraumbedingt haben sich dann irgendwann unsere Wege getrennt; ich würde einen Original-Justy oder einen gleichartigen Nachfolger sofort wieder kaufen (der heutige sogenannte Justy ist m.E. eine Enttäuschung und viel zu teuer), ohne elektronischen Schnick-Schnack und mit kleinem, aber feinen Motor. Ersatzweise täte es notfalls aber auch ein Opel Kadett C.... Einziger Wermutstropfen: Der leidige Werkstatt-Ärger mit Phantasie-Preisen für die einfachsten Ersatzteile, leider gabs den Ölfilter auch nur dort.
chamechaude 24.07.2007
3. Traumauto für Bastler und Unkomplizierte
nach langen Jahren mußte ich mich nun auch von meinem treuen Justy trennen. Ein SUPERSPITZEN Auto, so wie es einfach nicht mehr gebaut wird. Obwohl es doch so einfach wäre... Klar hatte er mit seinen 17 Jahren schon so manches Zipperlein, aber meist reichte der Austausch eines Teils im Wert von 5-20 Euro um ihn wieder für die nächsten Monate zum Laufen zu bringen. Und dank des einfachen Aufbaus waren so gut wie alle Reparaturen auch von mir selbst durchführbar. Der Benzinfilter gab allerdings auch mir eine Nuß zu knacken auf, doch dank der Libero-Fan-Homepage und der dort aufgefundenen Zeichnung ging das auch für schlappe 5 Euro (und inkl. einer kleinen Benzindusche nachts mit Stirnlampe auf dem Parkplatz) über die Bühne. Als dann mal gar nichts mehr vorwärts ging und von allen Experten schon der Schrottplatz vorgeschlagen wurde, hat mir mein kompetenter und nie um allerlei gebrauchte Ersatzteile verlegener Subaruhändler (Geheimtip: er befindet sich in Seeon) per Ferndiagnose den Zündfinger (ca. 15Euro) zugeschickt, und schon ging es weiter... Nach guten 300.000 km war der Benziner nicht tot zu kriegen! Sein Aus war dann in diesem Frühjahr der Rost, zu teuer die Reparatur für so ein altes Auto... Und doch, egal wie alt, es war einfach ein praktisches Auto. Umzug? Kein Problem, Rückbank umgeklappt und dank der eckigen Geometrie ließ es sich stapeln und schichten nach Vergnügen. MTB Tour in den Bergen? Vorderrad raus und im Nu sind zwei Räder mitsamt der Fahrer verstaut. Kein Campingplatz gefunden und Regen? Der flache große Kofferraum gibt nach Umklappen der Rückbank für zwei Personen ein notdürftiges Bett ab. Fünf Personen und drei Schlitten? Paßte rein, nur bei der 16%igen Steigung ist man in Versuchung in den 1. Gang (mit Zwischengas) zurückzuschalten. Und dann natürlich immer mal wieder das Vergnügen einen BMW auf eisiger Strecke souverän zu überholen, im kniehohen Schnee einzuparken und mit einem Grinsen wieder rauszufahren... Gut, mein neues Auto fährt 160km/h und hat Klimaanlage, Servolenkung und sonstigen Schnickschnack (endlich beim Ausparken im Winter nicht gleichzeitig Gas geben und bremsen müssen, damit er nicht abstirbt), aber obwohl die Außenabmessungen viel größer sind, ist es schon ein logistisches Problem ein Fahrrad im Kofferraum zu verstauen, und dann noch zwei? Unmöglich ohne auch das Hinterrad abzuschrauben! Leider baut Subaru keine brauchbaren Autos mehr, wahrscheinlich läßt sich mit solchen Erfolgsmodellen einfach kein Umsatz machen! Niedriger Kaufpreis, so gut wie keine Wartungskosten (wenn man regelmäßig Öl und Wasser nachfüllt) und kleine Reparaturen selbst durchführen kann/will, und dann auch nur alle 20 Jahre einen Neuwagen verkaufen?! Nein, dann doch lieber (rein ökonomisch gesehen) ein schickes Auto bei dem nach 6 Jahren die elektrischen Fensterheber kaputt sind und deren Reparaturkosten den Restwert des Wagens übersteigt, so daß dem rechnenden Käufer nur ein Neuwagen erschwinglich scheint! Es lebe die Konsumgesellschaft!
Mocs, 25.07.2007
4. Ja, die "alten Asiaten"
von der Politik von der Strasse "besteuert" - leider. Wenn ich an das Barockschloss mit dem Namen "Toyota Crown" denke, die fantastischen(und hierzulande immer unterschätzten) Toyota Camry, die "Z-Serie" von Datsun, die Daihatsu Charmant und Charade.... da wird mir ganz warm ums Herz. Alles verschwunden - zugunsten von High-Tech-Gimmicks, sich selbst zersetzenden Siliziumchips und unschraubbarer Technik. Schade
senf_dazugeber 28.07.2007
5.
Mein erstes Auto war ein ´82er Honda Civic, ist leider wegen zuviel Rost nicht mehr durch den TÜV gekommen. Der Justy stand auch mal in der engeren Wahl, aber da legte ich mir dann den nächsten Honda zu, den ersten Prelude, BJ 80, toll! Derzeit fahre ich mit Freude einen BMW 316 Compact, BJ 94, ohne Klima, ohne el.Fensterheber, ohne Rückfahr- Brems und sonstigen Assistenten und ohne großen Durst aber mit Kat, viel Ladefläche und bislang nur Verschleißreparaturen. So hoffe ich noch auf viele gemeinsame Jahre.
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