Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Günstige Oldtimer - Subaru Libero: Schmal was anderes

Von Haiko Prengel

Günstige Oldtimer - Subaru Libero: Der smarte Sechssitzer Fotos
Subaru

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Subaru Libero.

Günstige Oldtimer
Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Subaru Libero: Der smarte Sechssitzer

Ein Subaru Libero mit Modelljahr 1994 Zur Großansicht
Subaru

Ein Subaru Libero mit Modelljahr 1994

Allgemeines zum Modell: Von 1983 bis 1998 bot Subaru das Überraschungsei auf Basis des Kleinlasters Sambar in Deutschland an. Mit seinem 1,2-Liter-Dreizylinder (Höchstgeschwindigkeit knapp 130 km/h) ist der Libero sicherlich kein Gran Turismo. Doch seine Stärken liegen nicht auf der Autobahn, sondern im Stadtverkehr. Libero-Fahrer schätzen die gute Rundumsicht, die man in dem Kleinbus mit seinen großen Fenstern hat.

Der Libero bot schon vor 30 Jahren das, was heute so viele Käufer an den populären SUVs loben: Einen bequemen Einstieg, eine erhöhte Sitzposition und das Gefühl, dass man den Verkehr besser im Blick hat als in einer flachen Limousine. Der Vorteil des Libero ist, dass er mit seinem Leergewicht von 925 bis 1030 Kilogramm nur die Hälfte der modernen Stadtpanzer wiegt.

Warum ausgerechnet der? Na klar - es gibt größere, schnellere und geländegängigere Autos als den Subaru Libero. Und ganz bestimmt auch schönere. Aber es wird sehr schwer werden, ein praktischeres Auto zu finden. Welcher andere Wagen kann denn sechs Personen befördern (mit Sondereintragung sogar sieben) und hat gleichzeitig einen Wendekreis, kaum größer als der eines Smarts?

Mit mickrigen 1,40 Meter Breite kann man mit dem Libero theoretisch auf dem Bürgersteig fahren. Trotzdem bietet der Schmalspurbus ein Raumangebot wie ein Kleinlaster: Die Sitze lassen sich einfach und variabel umlegen. So wird der Fond zu einer großen Ladefläche oder zur Spielwiese für die Kinder.

Der Subaru Libero gilt außerdem als ingenieurstechnische Meisterwerk. Zwecks optimaler Raumausnutzung ist der Motor quer im Heck sowie extrem geneigt eingebaut. Ein weiteres Highlight ist der serienmäßige Allrad-Antrieb. Er lässt sich bei Bedarf zuschalten - dank ihm kann man den Libero auch im Winter fahren, wenn andere mit ihren hübschen Autos im Schnee stecken bleiben.

Romantik-Tipp: Bei sternenklarer Nacht das Panoramadach öffnen und unter freiem Himmel einschlafen.

Verfügbarkeit: Der Subaru Libero war von Anfang an ein Exot, 1998 wurde der Import nach rund 22.000 verkauften Exemplaren eingestellt. Davon waren Anfang 2015 noch knapp 1200 Liberos in Deutschland zugelassen. Die meisten der Kleinbusse dienten als günstige Lasten- und Transportesel und wurden heruntergerockt, daher der stark dezimierte Bestand.

Eine Liebhaberszene entstand erst in den vergangenen Jahren, lange nach Importende. Mit ein wenig Geduld kann man also noch gepflegte Fahrzeuge finden. Die Unterhaltskosten sind wegen des kleinen Hubraums und der günstigen Versicherungsklassen generell gering.

Subaru Libero E12 Spezial von 1992 Zur Großansicht
Subaru

Subaru Libero E12 Spezial von 1992

Ersatzteilversorgung: Obwohl der Libero in Deutschland vergleichsweise selten verkauft wurde, ist die Ersatzteillage in Ordnung. Über Subaru-Händler sind fast alle Teile verfügbar. Hinzu kommt ein passables Angebot an gebrauchter Ware auf dem freien Markt. Selbst größere Blechteile wie Schiebetüren oder eine Heckklappe gibt es für unter 100 Euro.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 70 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 30 Euro
  • Tür vorn: gebraucht ca. 100 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 140 Euro

Schwachstellen: Die Technik des Libero gilt zwar als robust und einfach, doch sie ist gut versteckt: Wer etwa an den Motor im Heck gelangen möchte, muss die hintere Stoßstange abfummeln.

Reparaturen am Dreizylinder können schnell in Bastelarbeit ausarten. Wer in dieser Hinsicht nicht besonders begabt ist, muss teure Werkstattbesuche einkalkulieren - nicht wegen der Materialkosten, sondern wegen der Arbeitsstunden und weil kaum ein Mechaniker sich mit dem Auto auskennt.

Bei der Karosserie ist Rost ein großes Problem. Besonders gerne rosten Subaru Libero überall da, wo es Kanten gibt - also an Radläufen, Türunterkanten und an der Heckklappe. Außerdem sollte man vor einem Kauf darauf achten, ob der Rahmen morsch ist. Oft sind auch Ölwanne oder Kühlwasserrohre betroffen. Hinzu kommt, dass die Mechanik der Schiebetürgriffe häufig bricht.

Beim Fahren erweist sich die schmale Breite des Minibusses manchmal als Schwäche: In schnellen Kurven macht der Libero keine gute Figur, außerdem ist er sehr anfällig bei Seitenwind.

Preis: Schon für 1500 Euro bekommt man einen Subaru Libero mit gültiger HU-Plakette, der allerdings dann bald Investitionen fordert, wenn das Auto länger erhalten werden soll. Selbst gepflegte Exemplare mit unter 100.000 Kilometern auf der Uhr kosten selten mehr als 4000 Euro, sind aber auch sehr rar.

Anlaufstellen im Internet:

Auf jeden Fall sollte man Anschluss an andere Libero-Fahrer suchen: Die Fanszene ist zwar klein, aber rührig. "Wir Libero-Fahrer sind schon längst per Du - und man grüßt sich, wenn man einem anderen Libero begegnet", sagt der Libero-Sammler "Liberalix" aus Porta Westfalica, der sich deutschlandweit einen Ruf als Experte und zuverlässiger Tippgeber und Teilebeschaffer erarbeitet hat.

Außerdem empfehlenswert:

Libero-"Notruf"

Libero-Forum

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
moneysac123 27.03.2016
Ein Oldtimer ist für mich ein automobiles Kulturgut, ein Fahrzeug, dessen Schönheit und Anmut legendär ist. Da fällt dieser hössliche Bus sicherlich nicht rein, auch wenn er älter als 30 jahre ist, so eine Definition interessiert mich sowieso nicht. Aber vielleicht findet sich ja ein Dummer der diesen alten, hässlichen Arbeiterbus kauft, Wertzuwachs wird er allerdings kaum aufweisen in den kommenden Jahrzehnten.
2.
Bueckstueck 27.03.2016
Zitat von moneysac123Ein Oldtimer ist für mich ein automobiles Kulturgut, ein Fahrzeug, dessen Schönheit und Anmut legendär ist. Da fällt dieser hössliche Bus sicherlich nicht rein, auch wenn er älter als 30 jahre ist, so eine Definition interessiert mich sowieso nicht. Aber vielleicht findet sich ja ein Dummer der diesen alten, hässlichen Arbeiterbus kauft, Wertzuwachs wird er allerdings kaum aufweisen in den kommenden Jahrzehnten.
Aha. Soso. Ist natürlich Quatsch, denn heute gelten haufenweise Nutzfahrzeuge von anno dazumal als Oldtimer weil sie ein automobiles Kulturgut sind - und das nicht weil wunderschön sind. Das trifft auch auf diesen Wagen zu, wenn man mal über den deutschen Tellerrand sehen will und kann...
3.
meineidbauer 27.03.2016
Zitat von moneysac123Ein Oldtimer ist für mich ein automobiles Kulturgut, ein Fahrzeug, dessen Schönheit und Anmut legendär ist. Da fällt dieser hössliche Bus sicherlich nicht rein, auch wenn er älter als 30 jahre ist, so eine Definition interessiert mich sowieso nicht. Aber vielleicht findet sich ja ein Dummer der diesen alten, hässlichen Arbeiterbus kauft, Wertzuwachs wird er allerdings kaum aufweisen in den kommenden Jahrzehnten.
Ähnliches werden die Leute anno 1950 vom Ford Modell T auch gesagt haben.
4. aparter youngtimer
mistercx 27.03.2016
Der libero ist schon länger kein Geheimtip mehr und ein sehr exotischer kultiger Youngtimer. Wenn der obige Kommentar den Pagoden-911er-W123-Einheitsbrei bevorzugt, kann er sich gerne bei den zehntausenden Geschmackskollegen einreihen. Aussergewöhnliches ist auf jeden Fall auch erhaltenswert!
5. Welcher andere Wagen bietet sechs bis sieben Personen...
darkmattenergy 27.03.2016
...einen geringeren Seitenaufprallschutz? Oder stauchen bereits Seitenwinde diese Sardinendose derart "strömungsschnittiger", daß man sich einen Notausgang per ring-pull wünscht? SCNR ;-)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook


Aktuelles zu