Günstige Oldtimer - Suzuki LJ Dieses Auto ist die Härte

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Suzuki LJ.

Suzuki

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Suzuki LJ 80

Allgemeines zum Modell: Der Geländewagen LJ80, der ab 1980 nach Europa exportiert wurde, löste hierzulande einen wahren Offroad-Boom aus. Bis dato war die Suzuki Motor Corporation vor allem als Motorrad-Hersteller bekannt. Der schnucklige Allradler war der kleinste Geländewagen von Suzuki und erwarb sich rasch den Ruf als Funcar, dem kein Abhang zu steil ist. Manche sehen den LJ80 sogar als ersten SUV überhaupt, der in Deutschland eingeführt wurde.

Ursprünglich wurde das Fahrzeug für die australische Armee entwickelt. Dann entstand auch eine Zivilversion, die als Cabrio und mit geschlossenem Blechdach angeboten wurde. Wer ein Kraftpaket erwartete, wurde enttäuscht: Der wassergekühlte Vierzylinder war anfangs nur knapp 800 Kubikzentimeter groß (später knapp 1000 cm³) und leistete maximal 41 PS. Ein guter Kraxler war und ist der wackere "Eljot", wie er in Deutschland bei seiner Markteinführung genannt wurde, trotzdem: Sein Leergewicht liegt bei drahtigen 900 Kilogramm.

Highlights des LJ80 sind der zuschaltbare Allradantrieb und das leistungsstarke Verteilergetriebe. Je nach Bodenprofil kann man den Antrieb wahlweise auf Hinter- oder auf beide Achsen verlegen. Ein dritter Geländegang bietet eine spezielle Übersetzung für extrem schweres Gelände.

Spartanischer Fond mit ausklappbaren Rücksitzen
Suzuki

Spartanischer Fond mit ausklappbaren Rücksitzen

Komfort darf man in dem spartanisch ausgestatteten Suzuki dagegen nicht erwarten, zu Beginn waren nicht einmal Kopfstützen oder ein Radio serienmäßig. Die Passagiere im Fond nehmen auf zwei gegenüber angeordneten Klappsitzen Platz. Mit einem Preis von 14.600 Mark bei Modelleinführung kostete der LJ80 seinerzeit aber auch deutlich weniger als die Offroad-Platzhirsche von Jeep, Range Rover oder Toyota. Selbst ein Daihatsu Wildcat war einige Tausender teurer. 1982 stellte Suzuki die Produktion des LJ80 ein, es folgten zahlreiche weitere Offroad-Autos.

Warum ausgerechnet der? Wenig Komfort, wenig Platz, wenig Hubraum: Der Suzuki LJ 80 ist der Minimalist unter den Geländewagen. Durch den kurzen Radstand und das hervorragende Verteilergetriebe wühlt er sich selbst durch schwerstes Gelände. "Da kommt eine Mercedes G-Klasse nicht mit", sagt Günter Barnath, der sich mit seiner Werkstatt im Harz auf die Restauration von LJ80 spezialisiert hat und das Kultauto schon manchem Härtetest unterzog. Zum Beispiel, wie tief sich ein LJ80 in den Boden graben kann. Das Ergebnis: "Ziemlich weit", berichtet Barnath. Ein LJ80 sei im Offroad-Modus mal komplett im Schlamm versunken - "bis Unterkante Vergaser". Der Motor lief trotzdem weiter.

Die Wühlmaus: Mit dem LJ kommt man fast überall durch
Suzuki

Die Wühlmaus: Mit dem LJ kommt man fast überall durch

Ebene Straßen sind dagegen nichts für den Suzuki LJ80. Für heutige Verhältnisse ist der Motor zu schmalbrüstig, vor allem auf Landstraßen und Autobahnen. Viel schneller als 80 km/h sollte man den Wagen besser nicht fahren. Das asphaltierte Terrain überlässt der LJ80 gerne seinen Möchtegern-Nachfolgern: Den modernen SUV und Pseudo-Geländewagen, die zwar locker 200 Stundenkilometer rennen und mit ihren 20-Zoll-Walzen gekonnt Pfützen und Kopfsteinpflaster meistern. Mehr aber auch nicht.

Verfügbarkeit: Der Suzuki LJ80 hatte gleich zwei große Feinde, die seine Lebenserwartung extrem herabsenkten: zum einen litt die Karosserie an massivem Rostbefall. Zudem wurde dem Wagen sein Image als Spaßauto zum Verhängnis: Viele LJ80 wurden bei wüsten Geländefahrten regelrecht zerschrotet. Dazu kam ein wildes Tuning: Die schmalen Originalräder (in der Szene auch Tellerminen genannt) wurden in der Regel durch breite Walzen ersetzt, auch Höherlegungen waren angesagt. Türen und andere "überflüssige" Ausrüstung wurden entfernt. So kommt es, dass Suzuki LJ80 im Originalzustand heute praktisch nicht mehr vorhanden sind. Aber mit etwas Geduld findet man passabel restaurierte Autos.

Ersatzteilversorgung: Etwa 30 Prozent aller Ersatzteile sind noch in Original-Qualität erhältlich, vor allem Verschleißteile. Lücken schließt die Zubehörindustrie mit nachgebauter Ware - Schrumpfringe und Radlager für die Hinterachse etwa können aus Indien bezogen werden. Schlecht sieht es dagegen mit Blechteilen aus, hier ist der Markt fast leergefegt. Zeitweise produzierte eine Firma in Kolumbien Kotflügel und Seitenteile nach, diese waren mit mehr als 400 Euro pro Stück allerdings teuer. Ein Auto in gutem Zustand zu kaufen ist also meist die bessere Investition, weil der Neuaufbau eines Mängelexemplars viel Geld und Zeit bei der Teilesuche verschlingen kann.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Bremstrommel vorn: ca. 280 Euro

Satz Bremsbacken vorn: ca. 30 Euro

Kotflügel vorn: ca. 400 Euro

Lichtmaschine: ca. 40 Euro

Schwachstellen: Suzuki soll dem LJ80 intern eine mittlere Lebensdauer von nur fünf Jahren gegeben haben. Das kommt hin: Wer minderwertige Bleche simpel übereinander schweißt und auf jeglichen Korrosionsschutz verzichtet, muss sich über Verfall im Zeitraffer nicht wundern. Der LJ80 rostet praktisch überall, es gibt Fahrzeuge mit komplett zerbröselten Rahmen. Zudem ist der Wagen zwar gelände-, aber nicht langstreckentauglich. Die mickrigen Vierzylinder laufen selten mehr als 120.000 Kilometer, danach ist eine grundlegende Motorrevision notwendig. Ein kompletter Fahrzeug-Neuaufbau ist möglich, aber sehr aufwendig: Spezialist Barnath braucht pro Fahrzeug drei bis vier Monate - bei täglicher Arbeit. Ein Pluspunkt: Langfristig wird der rar gewordene Suzuki LJ80 im Wert steigen, für Offroad-Fans hat er schon heute Kultstatus.

Preis: Wracks zum Aufbauen gibt es schon für 500 Euro. Für einen fahrbereiten Suzuki LJ80 mit gültiger HU-Plakette sollte man etwa 1.500 einplanen. Komplett restaurierte Liebhaber-Fahrzeuge kosten bis zu 10.000 Euro und manchmal sogar mehr.

Anlaufstellen im Internet:

www.suzuki-lj80.com - Seite von LJ80-Experte Günter Barnath

http://lj-tour.de - Interessengemeinschaft Suzuki LJ80

www.lj80.de - Ersatzteilspezialist

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 24 Beiträge
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frenchie3 11.09.2016
1. Das war mein Traumauto
Wurde gleich ab 8.000 Mark als Grauimport angeboten und war natürlich sofort für den Preis "ausverkauft", für 11.000 aber sofort verfügbar. Zuletzt mußte ich aus Vernunftsgründen drauf verzichten, der Arbeitsweg war zu lang für die Geschwindigkeit. Aber würde ich heute einen für 1.500 Euronen finden der wenigstens noch 2 Jahre TÜV hat - dafür würde ich sogar freiwillig mein Zweirad im Stall lassen.
thequickeningishappening 11.09.2016
2. Ein Freund hatte Einen
Preis gut aber Motor zu klein. Wenn ich nicht ausgewandert waere, haette ich noch den 124 Spyder und die XT 500. Porsche kostet! Kaufen Sie mal einen Satz Zuendkerzen!
skylarkin 11.09.2016
3.
'Manche sehen den LJ80 als ersten SUV' Wer soll das sein? Der LJ ist ein klassischer, wenn auch kleiner, Geländewagen. Er hat mit der weichgespülten Gattung der SUV überhaupt nichts zu tun.
c3rb3ru5 11.09.2016
4. Der Geländeheld meiner Jugend
Der LJ passte neben jeder Schranke durch und sorgte immer für viel Spaß. In starker Schräglage viel er zwar nicht um, dafür Riss die Gurthalterung aus dem Blech und ich landete auf dem Beifahrer. Er brauchte nicht viel Sprit, und bot Freiheit ohne Ende. Im Winter war es bitterkalt, das Verdeck war so umständlich das man lieber fror als das drauf zu basteln. Leider stimmt es, das er schneller rostete als er fuhr. Heute würde ich ihn in meinem Alter nur noch pfleglich bewegen, damals machte und musste er einfach alles mitmachen. Bei Winterlichen Drifteinlagen landete er auch schon mal auf der Seite - und brauchte dann einen neuen Spiegel. Sonst hielt er alles aus. Es war ein Spielzeug für große Kinder. Ein treuer Begleiter im Alltag. Wir fuhren mit herunter geklappt er Windschutzscheibe, ohne Türen von Polizeikontrolle zu Polizeikontrolle...und alle fanden die kleine Wildsau toll. Schade das einzig der SJ/Samurai ein guter Nachfolger war, alles was dann kam war zubweichgespült. Danke für den Beitrag, der schöne Erinnerungen geweckt hat
antiextremist 11.09.2016
5. Ein Wegwerfauto kann keine Kapitalanlage sein
Wenn Suzuki dem Auto eine Lebensdauer von 5 Jahren gab, dann war und ist das schlichte Geldvernichtung. Gerade im Gelände sind die Bedingungen für Rost ideal und die, die das Auto als Spassmobil kaputt gefahren haben sollen, haben es genau richtig gemacht. Wenn die Konstruktion schon den Korrosionsschutz ignoriert hat kann man das Problem auch mit aufwändiger Restaurierung nicht lösen. Da schmeißt man sein Geld zum zweiten Mal weg
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