Verchromtes Toyota Celica GTS Cabrio Glanzparade

Das aufregendste Auto von 2016 stammt aus dem Jahr 1985: In einem Musikvideo der Band Justice stiehlt ein alter, aufgemotzter Toyota sogar einem Hollywoodstar die Show.

Olivia Bee

"Ich mag bei Autos harte, gerade Linien", sagt Pascal Teixeira, "ich bin ein Kind der Achtzigerjahre". Der 41-jährige Franzose ist in der glücklichen Lage, dieser automobilen Epoche und einem in Kantigkeit wohl ungeschlagenem Exemplar ein Denkmal setzen zu können. Teixeira ist nämlich Regisseur, hat für das französische Elektro-Duo Justice ein Video gedreht - und ein 1985er Toyota Celica GTS Cabrio zum Star des Clips gemacht.

Der Fairness halber sollte an dieser Stelle gesagt werden, dass in dem Video noch ein anderer Star mitspielt. Susan Sarandon, Hollywood-Ikone, Oscarpreisträgerin und in dem Clip zu "Fire" so frisch und fröhlich abtanzend, als sei sie nicht 70, sondern 17. Der Fairness halber muss an dieser Stelle aber auch gesagt werden, dass ihr im Video komplett die Show gestohlen wird. Von eben jenem Auto.

Man erliegt der 85er Toyota Celica vielleicht nicht auf den ersten Blick, und doch kann man sich in ihrem Design verlieren: Die kompromisslose Geradlinigkeit der Fahrzeugfront, in der die Klappscheinwerfer versenkt werden, die zur Mitte des Kofferraums herablaufenden Rücklichter, die dem Heck etwas Fratzenhaftes geben. Und dann haben sich Teixeira und die beiden Justice-Musiker Gaspard Augé und Xavier de Rosnay noch ein ganz besonderes Dekor ausgedacht.

Musikvideo von Justice zum Song "Fire"

Allerdings, das gibt Teixeira zu, war die Celica zuerst nur zweite Wahl. "Als erstes wollten wir ein 1994er Oldsmobile Cutlass Supreme Cabrio", erzählt Teixeira, "Xaviers Mutter fuhr dieses Modell, als er ein Teenager war". Fürs Filmen entpuppte sich der Wagen jedoch als ungeeignet: Der festmontierte Bügel, der sich über die Fahrzeugmitte spannt, wäre bei Aufnahmen im Fond hinderlich gewesen. "In der engeren Auswahl waren noch der Honda Prelude und der Toyota Supra. Aber schlussendlich gefiel uns die Celica am besten".

Es war nicht einfach, das passende Celica GTS Cabrio aufzutreiben, erzählt der Regisseur. Kein Wunder: Insgesamt verkaufte Toyota von dem Modell nur rund 4500 Exemplare. Doch Teixeira und das Produktionsteam wurden kurz vor Drehstart bei einem privaten Verkäufer in Los Angeles fündig. Gerade noch rechtzeitig, um dem Auto seinen speziellen Look zu verpassen.

Denn der Witz bei der Celica aus "Fire" ist nicht nur das serienmäßige Design, sondern auch, was Teixeira daraus gemacht hat. Genauer genommen: drei Lackierer der Karosseriewerkstatt iDesigns in Ontario, Kalifornien. Sie verwandelten mithilfe einer Heißluftpistole, einigen Rollen Vinylfolie im Farbton "Avery Silver Chrome" und viel Geduld die ursprünglich weiß lackierte Celica in ein blitzendes Etwas.

Fotostrecke

12  Bilder
Verchromtes Toyota Celica GTS Cabrio: Eine blendende Schönheit

Inspiration für die Orgie in Chrom waren laut Teixeira die Werke von Syd Mead. Der US-Designer schuf unter anderem die Kulissen des Sci-Fi-Klassikers "Blade Runner" und das Lightcycle aus dem Film "Tron". Er ist berühmt für seine Verschmelzung von futuristischen und klassischen Fahrzeugformen, die er bevorzugt in Chrom hüllt. "Unser Auto sollte den Mead-Style haben", sagt Teixeira.

Abgesehen von den lüstern über die Sicken und Kanten gleitenden Kameraeinstellungen ist der Inhalt des Videos schnell erzählt: Die anfangs noch stark verstaubte Celica wird von Augé und de Rosnay aus der Garage gerollt und mit einer liebevollen Fahrzeugpflege frisch für den Ausflug gemacht. Kaum erstrahlt der Wagen wie poliertes Silber, übernimmt Sarandon das Steuer und die drei braten über einsame Highways.

Louise, bist du's?

Gewisse Parallelen zu einem von Sarandons bekanntesten Filmen, "Thelma und Louise", sind dabei zwar nicht erwünscht, aber wohl geduldet. "Die Produktionsfirma fragte, ob wir noch Geena Davis (Sarandons Counterpart im Film "Thelma & Louise", Anm. d. Red) für den Dreh engagieren wollen, aber das wäre seltsam für mich gewesen", sagt der Regisseur. "Als ob ich den Film nochmal neu drehen würde, statt ein eigenes Video zu machen".

Für die Celica war das wohl von Vorteil, denn das Auto im Roadmovie von 1991 erleidet ein tragisches Schicksal: Thelma und Louise stürzen mit ihrem Ford Thunderbird am Ende des Films ein Kliff hinunter. Die Celica dagegen steht heute, nachdem sie in den letzten Sekunden des Clips in den obligaten Sonnenuntergang gefahren ist, in Los Angeles. "Wir haben Susan das Auto geschenkt", sagt Teixeira, "sie engagiert sich für Hilfsorganisationen und will den Wagen versteigern."

Die Nachteile der Chrom-Folierung

Der glückliche Käufer muss allerdings ein ausgesprochener Fan von Fahrzeug oder Band sein, denn fahren kann er das Auto, zumindest in seiner spektakulären Optik, wohl nicht. "Bei den Dreharbeiten durften wir uns nur auf abgesperrten Strecken bewegen und wurden von der Polizei eskortiert", sagt Teixeira. Der Grund: Ein vollverchromtes Auto ist unter der Sonne Kaliforniens nicht straßentauglich - zu groß ist die Gefahr, dass andere Verkehrsteilnehmer geblendet werden, selbst nachts, wenn der spiegelartige Lack die Scheinwerferstrahlen reflektiert.

Irgendwie ja klar. Zu einem Star gehören nun mal gewisse Allüren. Auch wenn der Star ein Auto ist.



insgesamt 9 Beiträge
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Stäffelesrutscher 01.01.2017
1.
»"Die Formen moderner Autos sind organsicher, das gefällt mir nicht so sehr", sagt er.« Ist das der neue Ausdruck für »bieten den Insassen eine erhöhte passive Sicherheit, so dass bei einem Unfall nicht gleich die Milz zerreißt« - oder bloß eine schnöde Autokorrektur-Fehlfunktion??
barlog 01.01.2017
2.
Wow, wenn man sich sein Auto mal eben folieren lässt (Hat der Autor Verwandte, die bei AVERY arbeiten?), was heutzutage absolut nichts Exotisches mehr ist, auch nicht mit Chromeffekt, kann man mit dem Zusatz "Aufregendstes Auto von 2016" auf Spiegel-Online gelangen?
humptata 01.01.2017
3. Ein gutes Beispiel für eine schlecht gemachte Fotostrecke.
Da wird Langstrecke davon geschwärmt, dass ein alter, aufgemotzter Toyota sogar einem Hollywoodstar die Show stiehlt, und dann ist unter den 12 Bildern kein Platz für eine Totale von diesem Chrombomber?
Shlomo Spitzberg 01.01.2017
4.
Toll. Sowas haben wir mit 19/20 Jahren auch gemacht, also Chrom-Folie auf den M3 E30 geklebt. Bis die Polizei in Bayern uns eines Tages gestoppt hat und behauptete, das sei verboten. Dann war der Spass wieder vorbei.
trader_07 01.01.2017
5.
Der Autor schafft es tatsächlich, die Worte "aufregend" und "Toyota" in einen Satz zu packen. Reife Leistung!
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