Günstige Oldtimer - Toyota MR 2 Vorne Klappscheinwerfer, hinten Spoiler

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Toyota MR 2.

Sven Jürisch

Von Sven Jürisch


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Toyota MR 2

Toyota MR 2
Sven Jürisch

Toyota MR 2

Allgemeines zum Modell: Der Toyota MR 2 kam 1984 auf den Markt und wurde neben dem Honda CRX zum Botschafter der neuen japanischen Sportlichkeit. Ein Zweisitzer mit Mittelmotor, Heckantrieb und Klappscheinwerfern - der Wagen erfüllte alle Voraussetzungen, um die GTI-Fangemeinde in Selbstzweifel zu stürzen. Hierzulande standen zwei Motorvarianten zur Auswahl, jeweils mit 1,6 Litern Hubraum und 116 sowie 124 PS. Das Aggregat stammte aus dem Toyota Corolla. 1987 kostete der MR 2 allerdings auch stolze 37.740 Mark und lag damit rund 10.000 Mark über dem Einstandspreis eines Golf GTI 16 V.

Richtig cool war nur die erste Baureihe des MR 2: Ab 1989 wurde das charakteristisch-kantige Design rundgelutscht und das Fahrverhalten entschärft. Nach der dritten Generation war Mitte der Nullerjahre dann schon wieder Schluss mit der Produktion. Die komplexe Fertigung des Mittelmotorautos, die kaum mit den Modellen der restlichen Toyota-Familie zu kombinieren war, führte zu einem vergleichsweise hohen Verkaufspreis - und verhinderte eine Bestsellerkarriere des kleinen Flitzers.

Warum ausgerechnet der? Im Vergleich zu vielen sogenannten Kompaktsportlern mit Frontantrieb ist der MR 2 viel kompromissloser. In die serienmäßigen Sportsitze passt man nur dann wie angegossen, wenn man wie das Auto gebaut ist: nämlich schlank. Aber egal, ob man jetzt elegant in den MR 2 reingleitet oder sich quetschen muss - einmal drin, ist alles Wichtige griff- und tretbereit: Ein Knauf ragt aus dem hohen Mitteltunnel, er ist kurz und die Schaltwege sind es auch. Die Pedale liegen eng beieinander, Gasgeben, Bremsen und Kuppeln wird hier zu Stepptanz auf der Stelle.

Die Schrittfolge sollte man dabei allerdings beherrschen. Denn das Mittelmotorkonzept sorgt zwar für eine wunderbar ausgewogene Gewichtsverteilung und damit für ein optimales Handling. Aber das hier sind die Achtziger - elektronische Assistenzsysteme fanden erst später Einzug in Toyotas Sportmodell. Vor allem auf feuchter Straße zeigt sich der MR 2 also driftbereit, und dann hängt es vom Geschick des Fahrers ab, ob der Wagen cool mit dem Heck wedelt oder peinlich im Graben landet.

So weit muss man es aber gar nicht kommen lassen. Im MR 2 lässt es sich nämlich auch sehr gut gelassen fahren, weil der 1,6-Liter-Motor genug Drehmoment im unteren Bereich bietet. In Sachen Nutzwert hat der Wagen außerdem zwei Kofferräume auf der Haben-Seite, wobei das vordere Abteil offiziell nur das Reserverad beherbergt. Große Reisen zählen trotzdem nicht zu den Stärken dieses Autos, da der direkt hinter den Sitzen platzierte Motor stets präsent ist und die Kabine merklich aufheizt.

Über das Design muss man gar keine großen Worte verlieren. Der MR 2 ist Keilform vom Feinsten. Und als wäre es nicht schon großartig genug, dass der Wagen Klappscheinwerfer hat, lassen sich diese auch noch durch einen extralangen Hebel links neben dem Lenkrad bedienen. Rechts daneben findet sich das gleiche sperrige Teilchen für die Scheibenwischer. Trostloses Plastik? Von wegen: Das sind Skulptürchen, die an Schnecken samt Schneckenhaus erinnern - aber das führt jetzt auch wieder viel zu weit weg vom wahren Wesen dieses Autos.

MR2-Fahrer sitzen am längeren Hebel
Sven Jürisch

MR2-Fahrer sitzen am längeren Hebel

Verfügbarkeit: Das Angebot ist überschaubar. Vom MR 2 der ersten Serie wurden zum einen nicht besonders viele Exemplare verkauft, zum anderen sind die meisten inzwischen verschrottet. Wer sich für den Flitzer aus Japan interessiert, sollte sich in Foren wie mr2.com anmelden und Kontakte zur Klubszene aufbauen. Dort werden häufig gut gepflegte Autos weitergegeben. Zudem erhält man wertvolle Tipps rund um die Suche nach dem passenden MR 2.

Ein Blick in das benachbarte Ausland kann auch nicht schaden. Vor allem in Frankreich und England genoss der kleine Sportler von Toyota ein deutlich höheres Ansehen als hierzulande. Allerdings muss man wissen, dass das Auto in Frankreich als MR verkauft wurde - die 2 wurde gestrichen, weil die französische Aussprache von MR 2 eher nach Stuhlgang als nach Vollgas klingt.

Ersatzteilversorgung: Weil der MR 2 einen Kultstatus genießt, bedienen einige freie Teilehändler die Nachfrage nach passenden Komponenten. Mit ihrer Hilfe und der gut vernetzten MR-2-Community lässt sich das Auto problemlos am Laufen halten. Bei Toyota Deutschland scheint der MR 2 dagegen fast vergessen, jedenfalls ist die offizielle Teileversorgung eher schlecht. Vor allem die Beschaffung von speziellen Zier- oder Innenraumteilen erfordert Geduld, doch das ist bei Toyota nicht anders als bei heimischen Marken.

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Günstige Oldtimer - Toyota MR 2: Vorne Klappscheinwerfer, hinten Spoiler

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Bremse vorne komplett (Scheiben und Beläge): 300 Euro
  • Inspektionskit: ca. 320 Euro (je nach Ölpreis)
  • Kotflügel: 220 Euro
  • Zahnriemenwechsel (alle 60.000 Kilometer): Material ca. 385 Euro
  • Auspuff ab Kat (Nachbau): 854 Euro
  • Nachrüstung auf D3-Norm nicht möglich

Schwachstellen: Probleme macht beim MR 2 - anders als bei anderen Achtzigerjahre-Modellen von Toyota - vor allem der Antrieb. Grund dafür ist der knapp bemessene Einbauraum, der für das Aggregat zur Sauna wird. Das führt oft zu defekten Zylinderkopfdichtungen und hitzebedingten Alterungsschäden an den Anbauteilen. Insbesondere die Kunststoffteile der Kurbelgehäuseentlüftung und die Dichtungen leiden stark unter der thermischen Belastung. Beim Getriebe sind defekte Synchronringe und schadhafte Ausrücklager keine Seltenheit.

Leider bereitet auch die Karosserie oft Sorgen. Schlechte Korrosionsvorsorge und eine extrem verschachtelte Bauweise der Rohkarosse lassen das Blechkleid des MR 2 alt aussehen. Typische Stellen für Rostfraß sind die hinteren Schwellerenden unter den schwarzen Abdeckungen und das Heckabschlussblech. Falls dem MR 2 nachträglich ein knüppelhartes Sportfahrwerk eingebaut wurde, sollte man die Karosseriestruktur außerdem genau auf Risse untersuchen.

Probleme mit undichten Gummidichtungen an den Türen und dem herausnehmbaren Dachteil sind dagegen eher harmlos. Der Innenraum ist ebenfalls pflegeleicht: Die Plastikwunderwelt ist zwar nicht hübsch, aber haltbar. Schön übrigens, wenn der MR 2 eine der selten verbauten Klimaanlagen hat. Sie sollte aber auch funktionieren, sonst drohen hohe Kosten.

Preis: Die Preise für gut erhaltene MR 2 der ersten Baureihe bewegen sich nach wie vor im vierstelligen Bereich. Wer es nicht eilig hat, kann zudem mit der schwachen Nachfragesituation spekulieren: Viele Exemplare stehen lange Zeit in den üblichen Börsen, und der Verkäufer ist nicht selten froh, wenn der MR 2 überhaupt Beachtung findet.

Von Komplettrestaurationen oder dem Umbau rechtsgelenkter englischer Modelle ist abzuraten. Die Rechnung, solche Autos später mit einer akzeptablen Rendite weiterzuverkaufen, wird kaum aufgehen.

Anlaufstellen im Internet:

mr2forum.de, igmr2.de, mr2center.de, mr2.com

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
black-mamba 03.12.2016
1. Nicht alles was hinkt..
... Ist ein Vergleich. Mit dem Honda CRX und dem Golf GTI damals war nicht der Toyota MR2 in der selben Klasse, sondern der Toyota Corolla Coupe GT und die Kompaktversion Corolla GT. Die beiden hatten den gleichen Motor verbaut wie der MR2. Das war allerdings die einzige Gemeinsamkeit. Lustig, wenn jemand einen zweisitzigen Mittelmotor-Sportwagen mit aufgemotzten Kompaktautos in eine Schüssel packt. Der Toyota Coupe GT -den ich übrigens selbst auch besaß - war dem Honda und dem Golf technisch und leistungsmäßig überlegen. Er führte lange auch die Ralley-Klasse N an.
Max Dralle 03.12.2016
2.
Als der Wagen seinerzeit aktuell war, konnte ich recht wenig mit ihm anfangen. Zum einen war ich damals eher auf das Design der späten '60er fixiert, zum anderen waren im MR2 häufig auch recht gewöhnungsbedürftige Zeitgenossen unterwegs. Mittlerweile finde ich das Fahrzeug als "modernen Klassiker" durchaus attraktiv. Allerdings würde im Zweifelsfall, solange dessen Preise noch moderat sind, eher zum "Original", dem Fiat X 1/9, greifen, der in seiner Formensprache doch ein gutes Stück puristischer ist.
bissig 03.12.2016
3. Ich dachte, es geht ums fahren
"Von Komplettrestaurationen oder dem Umbau rechtsgelenkter englischer Modelle ist abzuraten. Die Rechnung, solche Autos später mit einer akzeptablen Rendite weiter zu verkaufen, wird kaum aufgehen." Anscheinend doch nicht. Fahen würde ich ihn gerne mal, aber nur auf einer abgesperrten Strecke.
crunchy_frog 03.12.2016
4.
Was nur in einem Nebensatz abgetan wurde, ist leider das Hauptproblem und der Grund, warum dieser an sich reizvolle Youngtimer nahezu ausgestorben und trotzdem immer noch günstig zu haben ist: die thermischen Probleme, die die meisten Motoren ins Jenseits befördert haben. Mitnichten ist es einfach nur die Kopfdichtung (die schwierig genug zu wechseln ist), sondern meist der komplette Motorblock. Und wenn der mal hinüber ist, wirds schwierig: bei Toyota natürlich nicht mehr zu bekommen, als Gebrauchtteil kaum verfügbar bzw. sehr teuer und Reparatur der Risse lohnt rein finanziell nicht.
DerBlicker 03.12.2016
5. kann damit nichts anfangen
Für mich ist so ein altes Auto so sexy wie ein Computer mit Intel 386 Prozessor aus den 80-er Jahren.
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