Toyota-Sammlung Prachtstücke im Fichtelgebirge

Mit Leidenschaft Toyotas sammeln? Angesichts der meist eintönigen Autokost aus Japan ist das eine schwere Übung. Doch Friedhelm Engel meistert sie mit Bravour. Seine Sammlung von Toyota-Klassikern im oberfränkischen Wunsiedel ist die vermutlich größte in Deutschland.

Tom Grünweg

Meist sind die solide, sicher und sparsam - dafür werden Autos aus Japan geschätzt. Doch wo andere Hersteller mit Emotionalität punkten, regiert bei der Marke Toyota meist perfektionierte Langeweile. "Das war nicht immer so", erhebt Friedhelm Engel Einspruch und führt durch eine ehemalige Turnhalle, in der Oldtimerfans ihre Freude haben dürften. Denn was der Autohändler aus Wunsiedel dort versammelt hat, ist der Beweis, dass auch eine nahezu steril erscheinende Firma wie Toyota durchaus mitreißende Autos bauen kann: Celica, Supra, S800 - in Reih und Glied stehen hier mehr japanische Sportwagen-Klassiker als irgendwo sonst in der Republik.

Allein drei Dutzend Celica aus allen Generationen parken in der Halle, von jedem Supra-Typ gibt es mindestens ein Exemplar, und einige ausrangierte Renn- und Rallyefahrzeuge stehen in den Garagen. "Insgesamt werden es 60 bis 70 Autos sein", schätzt Engel, der über seine übers halbe Fichtelgebirge verteilte Sammlung bisweilen den Überblick zu verlieren droht. Zum Auto-Repertoire gehören auch Modelle wie der Kleinwagen Starlet oder der Geländewagen Land Cruiser, doch vor allem sind es Sportwagen. "Nur solche Autos laden eine Marke mit Emotionen auf und bringen sie nach vorn", sagt Engel.

Vor knapp 35 Jahren begann die seltene Leidenschaft. "Seit ich 1975 Toyota-Händler wurde, brenne ich für die Marke", sagt der gelernte Kfz-Schlosser. Einige Autos aus seiner Sammlung hat er früher als Neuwagen verkauft und später zurück geholt, viele andere Modelle stammen aus dem Ausland, etwa aus den USA, Japan und Korea. Wo etwa Mercedes- oder Porsche-Fahrer auf ein weltweites Club-System vertrauen können, sind die Sammler fernöstlicher Klassiker meist Einzeltäter. "In Japan zählt nur der Fortschritt, da schaut keiner zurück. Es gibt dort quasi keine Oldtimer-Szene", erklärt Engel. Und mit Toyota-Clubs sei es auch nicht weit her, es existiert lediglich eine lose Szene.

Ein sehr seltener Alu-Sportwagen mit Zweizylinder-Boxermotor

Den winzigen S800 zum Beispiel, ein kleines Coupé mit Zweizylinder-Boxer-Motor und Alukarosserie, von dem nur gut 400 Exemplare gebaut wurden, hat Engel jahrelang vergebens gesucht - bis er vor kurzem ein Auto in Korea aufstöberte und importierte. Staubig und noch ein wenig rostig wartet der neue Star der Sammlung auf die Restaurierung. Der S800 ist das seltenste Modell, Engels Lieblingstyp hingegen ist ein roter Toyota 1000, der als spießiger Kleinwagen nicht recht zu den anderen Autos passt. Engels Erklärung: "Das war das erste Auto, das ich 1975 als Toyota-Händler verkauft habe, 45 PS für 6980 Mark." Die Käuferin fuhr den Wagen mehr als 25 Jahre, und Engel pflegte stets Kontakt zu ihr. "Wenn ich das Autofahren aufgebe, bekommen sie den zurück", versprach die Dame stets und gab das Auto tatsächlich nach 33.000 Kilometern wieder an Engel. Frisch restauriert sieht das rote Wägelchen wieder aus wie ein Neuwagen.

Mittlerweile ist Engels Sammlung weitgehend komplett. "Ich habe jetzt alle Autos, die ich mir wünsche", sagt der Toyota-Fan. Trotzdem kauft er immer neue Oldtimer, es scheint wie eine Sucht zu sein. "Es ist verrückt, was in Scheunen und Garagen noch alles herum steht", versucht Engel den Jagdtrieb zu erklären. Häufig landen derartige Scheunenfunde in der Werkstatt. "Die Wracks brauche ich als Teilespender für die Restaurierung anderer Fahrzeuge. Denn die Ersatzteilversorgung ist bei Toyota eine Katastrophe." Was älter als 15 Jahre sei, interessiere das Unternehmen nicht mehr.

Die Toyota-Sammlung ist eine kostspielige Liebhaberei

Engel investiert viel Geld und Zeit ins seine Sammlung - die jedoch nichts abwirft. "Die Autos sind leider nie so viel Wert, wie man vorher hinein stecken muss. Das ist reine Liebhaberei", gibt der Sammler zu. Trotzdem hat er aus seiner Leidenschaft ein Geschäft gemacht. Denn neben dem Betrieb für Toyota und Daihatsu betreibt Engel eine Oldtimer-Werkstatt mit fünf Mitarbeitern, in der pro Jahr rund 50 Klassiker flott gemacht werden. Allerdings kaum Toyota-Typen, sondern vor allem Mercedes und Porsche, aber auch Maserati, Alfa Romeo und alte Briten.

Was die Toyota-Sammlung betrifft, gibt Engel den stillen Genießer. Für Fremde öffnet er die Tore der Hallen und Garagen nur in Ausnahmefällen. Doch er hat ein Herz für die Oldtimerfans, und so ist er Mitorganisator der nach dem Landstrich benannten Sechs-Ämter-Rallye, die 2010 bereits zum siebten Mal stattfinden wird. Spätestens bei dieser Gelegenheit erhalten viele der Toyota-Klassiker auch mal wieder Auslauf.



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