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Rückkehr von Rainer Buchmann: Bestellt - getunt - geliefert

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Tuner-Legende Rainer Buchmann: Er fuhr schon mal vor Fotos
Buchmann Tuning

Er schuf den Regenbogenporsche, erfand angeblich die Einparkhilfe - und ging dann pleite. Jetzt meldet sich Rainer Buchmann mit seiner Tuning-Firma bb zurück. Was hat der Auto-Altmeister noch drauf?

Der Porsche 911 sieht aus, als sei er ausgebleicht. Ein weiß-silbriges Gerät, an dem die Initialen "bb" an der B-Säule umso mehr auffallen. Das Buchstaben-Doppel steht für die Tuningfirma von Rainer Buchmann, die er 1973 gemeinsam mit seinem Bruder Dieter Buchmann (daher das zweite "b") gründete. In den Siebzigerjahren gehörte bb aus Frankfurt zu den schillerndsten Unternehmen der Branche. Und jetzt ist Impressario Rainer Buchmann, inzwischen 69 Jahre alt, wieder da. Mit dem Porsche in weiß und silberfarben, der den Namen Moonracer trägt.

"Der Look passt einfach besser in die Zeit als die poppigen Polaroid-Farben von früher", sagt Buchmann. Eine Anspielung auf alte Zeiten - 1976 erregte bb mit einem zum Targa umgebauten Porsche 911 in schillernden Regenbogenfarben Aufsehen. Die Lackierung entsprach den Firmenfarben des Sofortbildkamera-Herstellers Polaroid, der mit dem Auto seinen Stand auf der Fachmesse Photokina schmückte. Der damalige Bundespräsident Walter Scheel ließ sich in dem offenen Sportwagen fotografieren, das Bild landete auf etlichen Titelseiten und Buchmanns Tuningfirma war schlagartig eine Topadresse in der Vollgasszene.

Buchmann, der Hightech-Pionier - 18.000 Mark fürs Autotelefon

Einem Millionenpublikum bekannt wurde bb dann spätestens mit der Gaunerkomödie "Car Napping" (Untertitel: "Bestellt - geklaut -geliefert"), die 1980 in die Kinos kam. Denn neben den Hauptdarstellern Bernd Stephan, Eddie Constantine und Ivan Desny waren vor allem der Regenbogen-Porsche und der Mercedes CW 311 die Stars des Films.

Der Mercedes gilt unter Buchmann-Fans als dessen Meisterwerk: Das 375-PS-Geschoss ist ein derart futuristischer Flügeltürer, dass selbst der aktuelle Mercedes GT neben ihm fast altbacken aussieht.

Für dieses Auto, und darauf ist Rainer Buchmann noch heute stolz, rang er als erster und bislang einziger Tuner dem Autobauer Mercedes die Erlaubnis ab, einen Stern auf dem Auto zu platzieren. Und Buchmann war nicht nur ein genialer Marketingstratege, sondern auch ein technischer Visionär. Im ersten Regenbogen-Porsche steckte bereits Unterhaltungselektronik für rund 50.000 Mark - allein das Autotelefon kostete 18.000 Mark.

Darüber hinaus bekam Buchmann über die Polaroid-Connection Zugriff auf den Entfernungsmesser der Sofortbild-Kameras, mit dessen Hilfe er prompt die erste Einparkhilfe der Welt konstruierte. Ein Freund aus der Luftfahrt-Industrie wiederum half ihm bei der Programmierung des ersten digitalen Informationssystems in einem Auto, das schon damals auf Spracheingaben reagieren konnte. Auch die Erfindung des Multifunktionslenkrads reklamiert Buchmann für sich, ebenso wie die Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung.

Das selbsternannte Versuchskaninchen

An Ideen mangelte es Buchmann nie. Wer mit ihm heute durch die Frankfurter Classic-Stadt spaziert - eine Art gläserne Großgarage für Autoraritäten - dem zeigt er stolz eine S-Klasse mit "Magic Top". Das Dachsystem ist eine Buchmann-Kreation, mit der sich das Luxusauto vom Coupé zum Cabrio verwandeln ließ. Auch der Glitzer-Look vieler Autos ist zum Teil das Verdienst Buchmanns. Denn er machte mit einer Sonderserie von zehn schillernden VW Golf das Pigment Iriodin bekannt, das der Chemiekonzern Merck als "Klassiker unter den Effektpigmenten" preist und damit pro Jahr 400 Millionen Euro umsetzt.

Buchmanns Mercedes CW 311 Zur Großansicht
Buchmann Tuning

Buchmanns Mercedes CW 311

Natürlich sind Buchmann diese Dinge nicht alle selbst eingefallen. Aber er hatte den Mut, Neuheiten auszuprobieren. Und er hatte das nötige Geschick, um die Zulieferer zu überzeugen. "Ich war so etwas wie deren Versuchskaninchen", sagt er heute, "mit mir konnten sie ohne Risiko neue Sachen ausprobieren." Wenn eine Erfindung floppte, war das fürs Image kein Schaden. Und wenn etwas funktionierte, griffen rasch die Großserienhersteller zu.

"Wie ein gealterter Rockstar"

Dass er noch einmal ins Tuninggeschäft zurückkehrt, hätte sich Buchmann nach dem Konkurs seines Unternehmens 1986 nicht träumen lassen. Lange Zeit arbeitete er als Unternehmensberater für Zulieferer und Anlagenbauer, doch vor ein paar Jahren nahm das Comeback Fahrt auf.

Erst tauchte wie aus dem Nichts der allererste Regenbogen-Porsche wieder auf, dann feierte die Frankfurter Classic-Stadt ein bb-Revival mit Dutzenden von bb-Fahrern und Hunderten Fans. Der ehemalige Leiter der "FAZ"-Technikredaktion, Gerold Lingnau, schrieb ein Buch über Buchmann und der Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth wünschte sich von ihm die Erfüllung eines verspäteten Jugendtraums: einen bb-Porsche. Da begann Buchmann mit der Arbeit am Moonracer.

Für den Wagen diente ein Porsche 911 Targa von 1980 als Basis, die Leistung des Sechszylinder-Boxermotors mit Turbo wurde auf 330 PS gesteigert, in der Mittelkonsole ist ein Tabletcomputer integriert.

Jetzt ist der PS-Pensionär wieder voll dabei, recherchiert nach Innovationen, wärmt alte Kontakte auf, fahndet nach neuen Techniken und fantasiert über neue, verrückte Lacke. Denn auch wenn er für rund 350.000 Euro Kaufpreis pro Stück erst einmal ein paar Moonracer bauen möchte, müsse bald ein neues Auto mit neuen Lösungen her, sagt Buchmann. Er wolle schließlich seinem alten Ruf gerecht werden.

Ein bisschen fühle er sich zwar wie ein gealterter Rockstar auf einer Comeback-Tournee, so der der Kult-Tuner. Jedoch mit einem Unterschied: "Ich will nicht nur meine alten Hits aufwärmen." Buchmann denkt jetzt jenseits des Regenbogens.

Der zum Moonracer umgebaute Porsche Zur Großansicht
Buchmann Tuning

Der zum Moonracer umgebaute Porsche

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
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1. Erfinder?
o.b.server 13.04.2015
Das Patentamt verzeichnet nur eine einzige Anmeldung "Elektronische Steuervorrichtung für Fahrzeuge, DE3306285", die zwar offengelegt wurde, aber nie zum Patent erteilt wurde. BB steht für das, was es war und ist: BastelBude.
2. DM 18.000 für's Autotelefon
tutnet 13.04.2015
war 1976 üblich, dazu kamen überaus happige Minutengebühren. Das war die Zeit des B-Netzes, da konnte bereits selbst gewählt werden. Der Vorläufer, das A-Netz nutzte noch das Fräulein vom Amt. Der B-Netz-Nutzer konnte auch angerufen werden, allerdings mußte der aktuelle Standort bekannt sein. Es gab 158 verschiedene Vorwahlen, je nach Standort. Mit dem Regenbogenporsche war telefonieren auf der Autobahn sicher keine Freude, denn beim Wechsel der Funkzelle wurde das Gespräch automatisch getrennt.
3.
Ernst August, der Dritte 13.04.2015
So sieht der "Moonracer" aber aus, selbst der Namen weckt Assoziationen an die 70er (James Bond Moonraker). Die Verarbeitung ist auch auf dem Niveau (der schwarze Palstikkippschalter), wirkt ein bischen als hätte es der Hobbyhinterhoftuner selbst gemacht. Wirkt wie ein Gefangener seiner Zeit. Stucked in the 70/80s. Immerhin weiss man dass er jetzt wieder da ist, vielleicht ging es auch nur darum und die Kohle für wirklich Neues fehlt noch. Jedenfalls ist Carnapping ein schöner Film, wegen der Autos.
4. Die RSR's
rudi.waurich 13.04.2015
im Martini Racing Look sahen eh besser aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Martini_Racing#/media/File:Porsche_911_Carrera_RSR_No._8_Martini_Targa_Florio_winner_1973.jpg
5.
erwachsener 13.04.2015
Der Name der Frau auf dem Foto ist nicht überlieferungswürdig?
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