SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

06. Juni 2012, 10:55 Uhr

Paninis spektakuläre Auto-Kollektion

Er hat's versammelt

Aus Cittanova di Modena berichtet

Umberto Panini ist der Vater der Abziehbildchen, Generationen von Kindern haben ihn reich gemacht. Sein Geld investierte er in eine unvergleichliche Autosammlung inmitten eines Bauernhofs. SPIEGEL ONLINE hat sie sich angesehen.

Wer das vielleicht schönste Automuseum in Italien sucht, muss über einen ausgebauten Feldweg nach Cittanova fahren, einem Ort zwischen Maranello und Modena. Am Rande des Städtchens erreicht man hinter Ackerfurchen und Misthaufen ein staubiges Anwesen namens Hombre, das auf den ersten Blick aussieht wie viele andere Landgüter in der Emilia Romagna auch. Es gehört Umberto Panini.

Der Name Panini steht seit Jahrzehnten für kleine Klebebildchen, die Generationen von Kindern um ihr Taschengeld gebracht haben. Genau mit diesen Abziehbildern und zudem mit dem Druck von Kinderbüchern und Religionsschriften hat Umberto ein Vermögen verdient. Jetzt ist er weit über 80 und hat eigentlich nur noch eins im Sinn: seine Autos.

In einem halben Jahrhundert hat der Unternehmer die Collezione Umberto Panini zusammengetragen, die längst mehr als die große Scheune füllt, in der allein drei Dutzend Autos parken.

Maseratis Pech, Paninis Glück

Herzstück der Sammlung sind mehr als 20 Maserati, die es Panini besonders angetan haben. Schließlich wurden sie kaum mehr als einen Steinwurf von der Scheune entfernt in Modena gebaut und waren dort einmal Teil der Werkssammlung. Als Maserati allerdings unter der Führung des Argentiniers Alejandro de Tomaso, der die Firma von 1975 bis 1993 lenkte, in Schieflage geriet, die Kollektion zerschlagen und in London versteigert werden sollten, schlug Panini im letzten Moment zu.

Er kaufte die Autos quasi en bloc schon im Hafen, von wo sie nach Großbritannien verschifft werden sollten. "So eine Sammlung kann man doch nicht außer Landes lassen", sagt er patriotisch und freut sich, dass er jetzt wahrscheinlich mehr seltene Maserati besitzt als die heutige Fiat-Tochter selbst.

Schmuckstück ist der A6GCS Berlinetta mit einer Karosserie von Pininfarina, der 1953 bei der Mille Miglia debütierte und danach zum Seriensieger vieler Rennen wurde. 170 PS stark, sei dieses Auto nur vier mal gebaut worden, erzählt Panini stolz. Kaum weniger spektakulär ist der Tipo 61 "Birdcage", der wie kein anderer Rennwagen seiner Zeit das Ideal vom Leichtbau verkörperte. Den Zwölfzylinder-Sportwagen trägt einen Rahmen aus mehr als 200 fingerdünnen Rohrsegmenten, der lediglich 36 Kilo wiegt.

Die Erfindung des Sponsoring

Und nicht nur aus technischer Sicht bedeutsam ist der 420M/58, mit dem Stirling Moss 1958 die 500 Meilen von Monza fuhr. Der Wagen ist nämlich auch bunt beklebt mit Werbung - und gilt als Ursprung des Sponsorings im Motosport.

Paninis Liebling allerdings ist der dunkelrote Tipo 6 CM, der zwischen 1936 und 1939 nur 27-mal gebaut wurde und zu den ältesten Autos der Sammlung zählt. Er steht aus gutem Grund ganz vorn in der Sammlung. "Dieser Wagen wird noch immer regelmäßig gefahren", sagt der Senior und deutet wie zum Beweis auf die kleinen Ölflecken unter dem Bug des Fahrzeugs.

Wird man von Signore Panini durch die Sammlung geführt, dann lernt man, dass Maserati nicht nur Autos baute. Umberto, der früher angeblich mal Motorradtestfahrer war und nur auf Bitten den Familie aus Venezuela zurück kam, um die Sache mit den Klebebildchen zum Laufen zu bringen, hat auch weit über 500 Motorräder gesammelt; darunter auch ein paar Exemplare, auf denen der Dreizack prangt, das Maserati-Markenzeichen.

PS-Pretiosen zwischen Rindern

Und wird man noch auf die Galerie gebeten, dann lernt man auch noch die Zukunft kennen - oder zumindest das, was sich Maserati mal als Zukunft ausgemalt hatte. Denn dort parken Designstudien wie der Chubasco von 1990 oder eine Barchetta, die nicht über das Holzmodell-Stadium hinaus kam.

Zwar ist Maserati mit weitem Abstand die führende Marke in Paninis PS-Scheune, und der Dreizack findet sich sogar als Mosaik in den Bodenfliesen wieder. Doch ausschließlich dieser Marke gewidmet ist die Sammlung nicht. "Ich kann an einem schönen Auto kaum vorbeigehen", sagt Panini fast entschuldigend, wenn er hier auf einen alten Rolls-Royce, dort auf einen Alfa oder auf einen blauen Flügeltürer von Mercedes zeigt.

Die nur nach telefonischer Voranmeldung geöffnete Sammlung ist auf einem Bauernhof untergebracht, der nicht Umberto selbst, sondern seinem Bruder gehört. In einer schmuck hergerichteten Halle stehen die PS-Pretiosen, drum herum grasen 500 Rinder. Aus deren Milch wird Parmesan hergestellt, vom Lager her duftet es entsprechend, und im Restaurant beim Käseladen wird die Spezialität mit frisch zubereiteter Pasta serviert.

Umberto Panini kommt fast jeden Tag in die Sammlung, schlendert zwischen den Autos herum, marschiert draußen an den großen Unterständen vorbei, in denen noch Dutzende von Traktoren, Landmaschinen und auch allerlei Kriegsgerät geparkt sind, und verkriecht sich dann in seiner Werkstatt.

Dort montiert er nach alten Vorbildern und neuen Plänen Motorkutschen und andere Vehikel. Denn das Tüfteln, Basteln und Schrauben liegt ihm offenbar im Blut. Nicht zuletzt war es das handwerkliche Geschick, das ihm seinen Reichtum bescherte und die Autosammlung erst ermöglichte: Denn zum Kult wurden die Klebebildchen erst, als Panini die nötigen Maschinen zum Vervielfältigen erfunden hatte.

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH