Die Frage, was "Vannin'" ist, lässt sich am einfachsten anhand des berühmtesten Vans der Welt erklären. Der ist schwarz und hat einen roten Streifen an der Seite. Er gehört dem A-Team - einer Gruppe von dicken Freunden, die ständig mit ihrem Fahrzeug unterwegs sind und dabei gemeinsam eine gute Zeit haben. Das ist "Vannin'".
Hinter dem Begriff steckt natürlich noch mehr. Er umschreibt den Traum jedes Jugendlichen, der gerade seinen Führerschein in der Tasche hat. Es ist das Versprechen von grenzenloser Mobilität und damit Freiheit. Der Kleinbus ist das rollende Basislager für jede Reise, sei es als Übernachtungsmöglichkeit nach einer Party, den Wochenendausflug ins Nachbardorf, oder die Weltumrundung.
Andrew Morgan und Nick Nummerdor, zwei 28 Jahre alte Filmemacher aus Michigan, haben diese enge Verknüpfung von Autoliebe und Lebensgefühl mit ihrer Kamera erforscht. Ihre Dokumentation "Vannin'" zeigt eine Subkultur, die ihre goldenen Zeiten zwar hinter sich, aber trotzdem noch viele Kilometer vor sich hat.
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Mehr als ein Trailer existiert bislang zwar nicht von dem Film, erst im Frühjahr 2013 soll er fertig produziert sein. Die Ausschnitte geben aber schon eine Ahnung davon, welches Spektrum die "Vannin'''-Subkultur umfasst: vom bodenständigen Kleinbusfahrer, der gerne mit einer Bierdose in der Hand im Campingstuhl vor seinem Kleinbus Platz nimmt bis zum Customfreak, der seinen Van mit Plüsch ausstattet und Goldfischaquarien an die Seitenwände schraubt.
Eimer-Saufen und ein Aquarium als Interieur
Für die Dreharbeiten reisten die beiden Regisseure zu den Van Nationals, dem jährlichen Treffen der amerikanischen Vanner-Szene. In diesem Jahr fand das mehrtägige Festival zum 40. Mal statt, Schauplatz war das 10.000-Seelen-Nest Elkhorn in Wisconsin. Es gab jeden Abend ein Gitarrenrock-Konzert und Morgan und Nummerdor ließen sich zum Eimer-Saufen einladen: "Ein Bottich mit einem Alkohol-Gebräu wird rumgereicht, und jeder nimmt einen großen Schluck davon."
Natürlich standen auch wieder - wie bei fast allen amerikanischen Auto-Veranstaltungen - Burnout-Contests auf dem Programm. Aber Power und Speed sind beim "Vannin'" zweitrangig - es ist vielmehr das großzügige Platzangebot, das den Zauber der Kleinbusse ausmacht. Viele der Vans sind mit einer Matratze ausgestattet, andere gar mit luxuriösen Betten.
Von jetzt auf gleich aufbrechen und sich keine Sorgen um eine Unterkunft machen müssen, mit nichts weiter als einem vollen Tank und einem Ziel vor Augen: mehr als jede Corvette transportiert der Van den ur-amerikanischen Gedanken der automobilen Unabhängigkeitserklärung. Ein moderner Planwagen, wenn man so will.
Für einige Vanner ist ihr Fahrzeug auch einfach ein Hobbyraum. Ein paar Kubikmeter Paralleluniversum, ausgeschmückt nach dem eigenen Gusto. Plüschhöllenartige Liebesgrotten oder holzgetäfelte Wohnzimmer mit Flatscreens an den Wänden. "You can't do in a car what you can do in a van", sagt ein Vanner im Film-Trailer - "Was du in einem Van anstellen kannst, wäre in einem Auto nicht möglich."
"Lach nicht!"
Andrew Morgan hat sich vor einiger Zeit selbst einen Van zugelegt. "Einen '73er Dodge, das Ding ist der Killer. Eigentlich waren Nick und ich nie Autonarren, aber dieser Van hat mir die Augen für die Subkultur des "Vannin'" geöffnet." Bei den Van Nationals kreuzten die Filmemacher dann stilecht mit dem Gefährt auf - und stellten fest, dass sie dort mit ihren 28 Jahren eher zu den Nesthäkchen zählten.
Ein Großteil der Szene besteht aus Veteranen, die seit den Siebzigern ihre Liebe zum Kleinbus pflegen. Zu dieser Zeit herrschte die goldene Ära des "Vannin'". Das Ende kam Anfang der Achtziger. Durch die Erdölkrise stiegen die Benzinpreise, weite Fahrten mit dem Van wurden zu einem teuren Vergnügen. Die Vanner-Gemeinde begann zu schrumpfen. Bestes Indiz für den Abschwung sind die gesunkenen Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen wie den Van Nationals oder anderen sogenannten Truck-Ins.
Die Zeichen für ein Revival stehen schlecht. Das Automobil ist dabei, aus der Mode zu kommen - auch im gesegneten Land der Gallonen und Highways, den USA. Andrew Morgan und Nick Nummerdor wollen mit ihrer Doku aber beweisen, dass das Lebensgefühl des "Vannin''' noch längst nicht verschwunden ist.
"In den Siebzigern gab es diesen Aufkleber für Vans: Lach nicht! Deine Tochter könnte hier drin sein", erzählt ein graubärtiger Mann im Film-Trailer. "Heute geht der Spruch so: Lach nicht! Deine Mutter könnte hier drin sein." Das ist "Vannin'".
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