Kuriose Verkehrsrecht-Urteile Autofahrer haftet nicht für Hühnertod

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9. Teil: Teil-Haftung bei Fenstersturz des Beifahrers


Alles klar: Ein Hund steckt seinen Kopf aus dem Seitenfenster eines Autos
dapd

Alles klar: Ein Hund steckt seinen Kopf aus dem Seitenfenster eines Autos

Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung besagt, dass sich jeder Verkehrsteilnehmer so verhalten muss, dass kein anderer gefährdet oder geschädigt wird. Deshalb haftet der Chauffeur zu 50 Prozent, wenn der Beifahrer während einer Tour aus dem Fenster stürzt. Zu diesem Urteil kam das Oberlandesgericht Karlsruhe in Juli 1998.

In dem verhandelten Fall hatte sich ein 19-Jähriger im Fond so weit aus dem Fenster eines fahrenden Autos gelehnt, dass er herausstürzte und sich schwere Verletzungen zuzog. Daraufhin verklagte er den Fahrer des Pkw auf die Zahlung eines Schmerzensgelds.

In der Begründung des Gerichts hieß es, der Fahrer hätte durchaus etwas von den Vorgängen im hinteren Teil des Autos mitbekommen müssen - etwa durch einen Blick in den Rückspiegel.

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fritzlothar 06.01.2013
1. In einem Rechtsstaat...
..ist es gut und richtig, jemanden vollständig zu überführen oder auf frischer Tat zu ertappen, bevor man ihn verurteilt. Aber manchmal -wie hier- ist ein Richter so weltfremd und völlig absurd, daß es mit dem realen Leben nichts mehr zu tun hat. So etwas ist skandalös aber leider nicht selten...
jetzt:hördochauf 06.01.2013
2. Die Schrittgeschwindigkeit
mit der Fahrradbegründung ist echt top - entweder war der Richter Radrennfahrer oder hat noch nie auf so einem Esel gesessen...
Ipolit05 06.01.2013
3. Fahrrad
... eines Sturzes. Danke
wwwwalter 06.01.2013
4. Paragraphenreiterei der schlimmsten Sorte
Recht und Gerechtigkeit sind in der Justiz leider immer wieder mal nicht deckungsgleich, das lässt sich nicht nur im Verkehrsrecht nachweisen. So etwas passiert immer dann, wenn sich der Richter zu 100 % auf das geschriebene Gesetz verlassen, und den gesunden Menschenverstand komplett abschalten muss. Richter, die so etwas entscheiden (müssen) sind arme Tröpfe. Ich könnte nicht mehr ruhig schlafen und hätte das Gefühl, meinen Beruf verfehlt zu haben. Das ist so ähnlich wie im Fussballstadion, wenn der Schiri eine krasse Fehlentscheidung trifft, diese aber unverrückbar bleibt, obwohl sich ein Großteil der Zuschauer vom Gegenteil überzeugen konnte, und auch jeder Fersehzuschauer den Fehler bemerkt hat.
dishmaster 06.01.2013
5. nochmal Schrittgeschwindigkeit
Wirklich eine tolle Begründung! Ich denke, es wäre auch durchaus für Fahrradfahrer zumutbar, in einer solchen Zone sein Fahrrad zu schieben, falls er das Höchsttempo, das wohl eher bei 5 km/h liegen dürfte, nicht unfallfrei bewältigen kann. Schneller käme er auf den Rad eh nicht voran, falls es sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung hielte.
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