Verrückte Taxifahrt in Aspen Rock-Konzert auf Rädern

Im exquisiten US-Ferienort Aspen verkehren die Reichen und Berühmten - und das "Ultimate Taxi", ein Oldtimer vollgestopft mit Diskokugeln, Lichtern und Musikinstrumenten. Eine Fahrt im alten New Yorker Cab ist ein verrücktes Erlebnis - Coralie Simon-Vermot ließ sich darauf ein.


Jon Barnes' Augen sind verräterisch. In ihnen blitzen Verrücktheit und Kreativität. Jon ist der Fahrer und Besitzer des Ultimate Taxi im edlen Wintersportort Aspen im US-Bundesstaat Colorado. Oder wie er sich selber lieber bezeichnet: "Ich bin ein Entertainer auf Rädern." Eine Fahrt in seinem Taxi ist einzigartig. So unterhaltend wird man nirgends ziellos durch die Straßen chauffiert. Das 1978er "Checker Taxi" gehört dem Aussehen nach ins alte New York. Die Straßenschluchten hat der gelbe Wagen jedoch gegen die majestätischen Rocky Mountains eingetauscht.

Das Taxi mag äußerlich ein Relikt alter Zeiten sein, doch im Inneren pulsiert modernste Technologie. Mit dem "Ultimate Taxi" fährt man nicht einfach von einem Ort zum anderen, man genießt die Fahrt. Mit Hilfe einer Unmenge von technologischem Krimskrams entführt Jon seine Fahrgäste in nur 45 Minuten zu einem Rock-Konzert, einer Hightech-Lichtshow, auf eine Achterbahn und zu einer Zaubervorstellung.

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Verrückte Taxifahrt in Aspen: Der Weg ist das Ziel
Kaum ist man losgefahren, wird Jons Versprechen eines "Pink-Floyd-Konzerts auf Rädern" eingelöst. Zwei Laserstrahlen zucken zur Musik, ein Laptop-Bildschirm zeigt rasante Bilder, Rauch steigt zwischen den Sitzen auf und unzählige Lichter blinken. Die Gäste bewegen Leuchtstäbe im Takt. Der ganze sinnesbetörende Auftritt wird durch die Regenbogen-Brillen effektvoll gesteigert, die jeden Lichtstrahl in Dutzend mehr aufbricht. Plötzlich dudelt Jon auf einem Saxofon zur Melodie mit - zwei Hände am Instrument und ein Ellbogen am Steuerrad. Zum Glück fährt er langsam.

Mobiler Alleinunterhalter

Dann wieder singt er ins Mikrofon, ergreift das Keyboard oder trommelt auf dem Schlagzeug mit. Das Konzert wird von einer "Achterbahn" abgelöst, die auf dem Laptop angezeigt wird - Jon bremst, gibt Gas und lenkt passend zu den Bildern. Zwischendurch stoppt er das Fahrzeug, um Fotos der begeisterten Gäste zu schießen. "Bei mir finden Geburtstagsfeiern statt - für Sechsjährige, aber auch für Erwachsene", sagt er.

Jon hat keinen Aufwand gescheut, um seinem Taxi besondere Lebensgeister einzuhauchen. Fast 300 Meter Glasfaserkabeln hat er verlegt sowie Lichter und Diskokugeln aufgehängt. Die Musikanlage hat er stetig aufgerüstet. Zu Beginn erschallte die Musik aus einem Kassettenrekorder, jetzt lagert sie digital auf einer Festplatte. Ein Laptop ist angeschlossen, ein Mischpult ebenfalls. Drei Autobatterien halten den ganzen Spuk am Laufen, eine für den Wagen und zwei für die Lichteffekte. Laut Jon war dies das erste Taxi, das mit dem Internet verbunden war. Früher hat er die Fotos seiner Gäste dank spezieller Technologie per Funk auf seine Website geladen. Heute erleichtert der Laptop die Arbeit. Die Fotos bleiben auf der Internetseite "bis in alle Ewigkeit."

Licht aus, Spot an

Jon hat als normaler Taxi-Fahrer begonnen. In den Flauten begann er sich verschiedene Instrumente beizubringen. Irgendwann entschied er sich, dass er ein ungewöhnliches Taxi fahren wolle. "Zuerst ging es darum, mehr Spaß bei der Arbeit zu haben. Es zeigte sich, dass ich damit auch anderen mehr Spaß bereiten konnte." Immer wieder fügt er Neues hinzu. Seine Vorstellung ist so begehrt, dass eine Fahrt im "Ultimate Taxi" im Voraus reserviert werden muss. Für beste Effekte finden die Fahrten nur nach dem Eindunkeln statt.

Die lokale Polizei zeigt sich seit Jahren tolerant. Nur er dürfe mit solcher Ablenkung herumfahren, schmunzelt Jon. Meistens fahre er nicht schneller als 15 Meilen pro Stunde. Niemandem anderen traut er diese Vielseitigkeit zu. "Ich habe langsam mehr zu meiner Show hinzugefügt und konnte mich daran gewöhnen. Kein anderer kann das alles auf einmal lernen und sicher fahren." Obwohl sein Chevy 350 V8-Motor ganz schön was schluckt, erziele sein Wagen die meisten "smiles per gallon", sagt er lachend. "Ich möchte, dass meine Kunden es genießen. Es ist keine Fahrt von einem Punkt zum anderen wie bei anderen Taxis. Hier ist der Weg das Ziel."

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