Das selten coole Wohnmobil

Oldie-Wohnmobil aus Amerika Gute Nacht, Vixen

Stephan Lindloff

Die erste Saison mit dem Traumwohnmobil geht zu Ende - und damit auch dieser Blog. Zeit für eine Bilanz. Hat sich der Kauf des Vixen gelohnt?

  • Ein cooles Wohnmobil - gibt's das überhaupt? Ja, es sieht aus wie ein Ufo, hat einen Sechszylindermotor von BMW, wurde nur 587 Mal gebaut und trägt den Namen Vixen. Eines davon gehört jetzt Claus Reissig. Auf SPIEGEL ONLINE beschreibt der Journalist, wie er seinen Vixen in den USA aufgetrieben hat, wie er ihn nach Deutschland bringt und wohin er damit reist.

Nach einigen tausend Kilometern über deutsche Autobahnen und etlichen Nächten auf verschiedenen Campingplätzen steht für mich zunächst eines fest: So ein Auto gibt es nicht noch einmal. Nicht einmal so ähnlich. Der Heckmotor, die kompakte Größe, das Klappdach und die wandelbare Innenausstattung machen den Vixen einfach außergewöhnlich. Moderne Fiat Ducatos, Mercedes Sprinter oder vollintegrierte Wohnmobile können da nicht mithalten.

Zugegeben, die praktische Konstruktion des Vixen ist zum Teil nur deshalb möglich, weil 1986 noch niemand wirklich nach passiver Sicherheit fragte. Die Bank für die beiden Beifahrer zum Beispiel: Sie lässt sich einfach umklappen, dann sitzt man auf der Rückenlehne. Dadurch wirkt das Auto dann auf einmal viel geräumiger.

Im Gegenzug verzichtet der Vixen rechts jedoch auf Kopfstützen - heutzutage unmöglich. Um dem Risiko eines Schleudertraumas wenigstens ein bisschen vorzubeugen, behelfen wir uns mit Kopfstützen zum Aufstecken aus einem Trabant 601.

Die Aufstecklösung ist der Sicherheit geschuldet, und sie hat einen großen Vorteil: Es müssen keine zusätzlichen Löcher in das Polster gestochen werden. Damit bleibt der Ursprungszustand des Vixen erhalten - und das hat bei mir mittlerweile höchste Priorität.

Anfangs hatte ich daran gar keinen Gedanken verschwendet, doch mittlerweile wäge ich jede Erweiterung und jeden Umbau ganz genau ab. Der Vixen soll sich möglichst treu bleiben.

Ein paar Beispiele: Für den Transport von Fahrrädern habe ich mich für einen Kupplungsträger entschieden. Ein Heckträger wäre zwar praktischer gewesen - aber zur Montage hätte ich vier Löcher ins Dach bohren müssen. Meine Partnerin wünschte sich einen Haken im Bad für den Kulturbeutel - abgelehnt, sorry, keine zusätzlichen Löcher. Das Gleiche gilt für eine Markise oder Befestigungen für einen Dachträger für die Surfbretter. Da suche ich noch nach Lösungen.

Kupplungs- statt Heckträger für die Bikes - Hauptsache, kein Loch zuviel!
Claus Reissig

Kupplungs- statt Heckträger für die Bikes - Hauptsache, kein Loch zuviel!

Die Nutzung des Autos wird dadurch natürlich etwas eingeschränkt und ich frage mich manchmal, was überhaupt die artgerechte Haltung für ein Oldtimer-Wohnmobil ist. Im Gegensatz zu einem Cabrio aus den Sechzigerjahren muss der Vixen ja nicht nur für stilvolle Spazierfahrten herhalten, sondern ist tagelang mit uns auf Tour.

Was dann bleibt ist häufig ein mulmiges Gefühl. Wir lassen den Vixen nicht gern allein, schon gar nicht bei Nacht. Am liebsten hätte ich es, wenn er nach Sonnenuntergang in einer Garage stünde, aber das geht natürlich gerade im Urlaub nicht.

Als wir neulich am Königsee zu einer mehrtägigen Bergtour starteten, stellte sich wieder einmal die Frage: Wohin mit Kumpel Vixen? Wir hätten den kostenlosen Parkplatz vor dem Campingplatz nehmen können, entschieden uns aber schließlich für einen bezahlten Platz. Ganz hinten, im Schatten eines unbewohnten Dauercamper-Wohnwagens, war er schließlich fast unsichtbar - und wir beruhigt.

An solchen Tagen wünsche ich mir manchmal fast ein unauffälligeres und weniger wertvolles Auto. Für die Versicherung wurde gerade ein Wertgutachten erstellt, der Wiederbeschaffungswert von 45.000 Euro taxiert, Tendenz nach Expertenmeinung steigend. Auch deswegen werde ich langsam zum klassischen Oldie-Eigner: Nach jeder Fahrt wasche und wachse ich den Vixen, das habe ich noch mit keinem anderen Auto getan.

Das "Und & Oder"-Wohnmobil

Ein tadelloses Erscheinungsbild versteht sich aber von selbst, schließlich zieht der Vixen jede Menge Blicke auf sich. Überall, wo wir aufkreuzen, drehen sich die Leute um, zücken das Handy für ein Bild, stellen Fragen, wollen einmal das Innere sehen. Ich freue mich über das Interesse an dem Auto, das Thema Wohnmobil scheint wirklich viele Leute zu bewegen.

Viele Camper, die wir trafen, hatten früher kleinere Autos und sehnen sich häufig ein wenig nach diesen unbeschwerten Zeiten zurück. Unterm Strich dreht sich aber immer alles um die eine zentrale Frage: Wie erhält man maximalen Lebensraum auf minimaler Grundfläche?

Häufig geht das schlicht über die Höhe. Beim Vixen ist das eigentlich genial gelöst worden: Er ist flacher als ein VW T5 mit Hubdach, und in einer Reihe parkender Autos überragt er die anderen Fahrzeuge kaum. Ganz im Gegensatz zu anderen "Und"-Wohnmobilen, wie ich sie getauft habe. Also den ziemlich großen, in denen man gleichzeitig essen und schlafen und kochen und stehen kann. Ich unterscheide davon die kleineren "Oder"-Wohnmobile: Da geht immer nur entweder das eine oder das andere. Der Vixen ist eindeutig ein "Und"-Mobil mit den Maßen eines "Oder"-Autos, also das Ideal vieler Camper.

Verzichten müssen wir dagegen auf die riesigen Heckgaragen vergleichbarer Wohnmobile. Denn dort, wo bei ihnen der Stauraum ist, wurde beim Vixen der Sechszylinder-Reihenmotor von BMW verbaut. Diese Einschränkung nehme ich allerdings gern in Kauf. Das Verreisen mit platzsparenden Stühlen, Tischen und faltbarem Minigrill waren wir schon vorher gewöhnt, schließlich haben wir unsere Touren früher mit einem Land Rover unternommen, und da war der Platz wirklich knapp.

Winterschlaf bis zum letzten Salzkorn

Der Vixen ist jetzt also Teil der Familie; viel geändert haben wir unser auf Minimalismus ausgelegtes Reisekonzept nicht. Nur Wintercamping wird es mit ihm leider nicht geben. Der Vixen überwintert in einer Scheune und kommt erst wieder auf die Straße, wenn vom Streusalz garantiert kein Krümel mehr zu sehen ist.

Für mich beginnt damit eine harte Zeit, ich vermisse ihn jetzt schon. Was aber vor allem eines beweist: Dass ich mit dem Kauf des Vixen die richtige Entscheidung getroffen habe.



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39 Leserkommentare
Rassek 22.10.2016
upalatus 22.10.2016
jufo 22.10.2016
fuzzi-42 22.10.2016
ukulelenzupfer 22.10.2016
Yves Martin 22.10.2016
jrzz 22.10.2016
zick-zack 22.10.2016
lupus_major 22.10.2016
Yves Martin 22.10.2016
nolabel 22.10.2016
manicmecanic 22.10.2016
lokisflatmate 22.10.2016
quark2@mailinator.com 23.10.2016
Madagon 23.10.2016
peter-k 23.10.2016
ijf 23.10.2016
jujo 23.10.2016
Thomas 23.10.2016
peter-k 23.10.2016
grabby50 23.10.2016
keksguru 23.10.2016
Yves Martin 23.10.2016
hegri 23.10.2016
premstar_pill 23.10.2016
hegri 23.10.2016
keksguru 23.10.2016
amadeus300 23.10.2016
--Bob-- 23.10.2016
premstar_pill 23.10.2016
Yves Martin 23.10.2016
shopper34 23.10.2016
Yves Martin 23.10.2016
Hamberliner 23.10.2016
Hamberliner 23.10.2016
manicmecanic 24.10.2016
c.PAF 25.10.2016
rennflosse 25.10.2016
rennflosse 25.10.2016

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