Das selten coole Wohnmobil

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Claus Reissig

Ein 16-Stunden-Trip über den Atlantik liegt hinter mir, von Hamburg bin ich nach North Carolina im Süden der USA gereist. Hier steht der Grund für meinen Ausflug: Ein 30 Jahre altes Wohnmobil, der Vixen 21 TD.

Natürlich hatten mich die Freunde, denen ich von meinem Vorhaben erzählte, für verrückt erklärt: 1000 Euro und fünf Tage Reisezeit in die Besichtigung eines Autos zu investieren! Zumal ich von diesem Fahrzeug nur wenig wusste - außer einigen Infos aus dem Internet. Aber es gibt Dinge im Leben, die müssen einfach getan werden, diese Besichtigung gehört dazu. Und als ich das erste Mal vor dem Vixen stehe, weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war.

Das Auto wirkt wie eine Mischung aus einer silbern lackierten Zigarre und einem Ufo mit dem Gesicht eines freundlich blickenden Aliens. Flach kauert es über dem Asphalt, zugunsten des CW-Wertes mit gerundeten Ecken und einer bis auf wenige Kanten aalglatten Außenhaut.

Dass es sich nicht um eine versponnene Designspielerei auf einem x-beliebigen Transporterfahrwerk handelt, ahnt man spätestens, wenn man die seitlichen Lufteinlässe im Heck des Vixen sieht: Der Motor ist hinten, wie bei einem VW-Bus. Nur schiebt hier kein schwachbrüstiger Boxer mit Luftkühlung, sondern ein amtlicher Sechszylinder-Reihenmotor von BMW.

Dieser Motor hat den bayerischen Hersteller berühmt gemacht, in den Achtzigern kam er in BMW-Modellen wie dem 5er zum Einsatz, und eben im Vixen 21 TD - serienmäßig.

Im Video: Einblicke ins Innere des Vixen 21 TD

SPIEGEL ONLINE

Der Vixen beschäftigt mich schon seit Jahren. Für unsere Reisegewohnheiten müsste er perfekt sein: Von Hamburg aus fahren meine Partnerin und ich gerne in die Berge, also lange Strecken. Bisher bewältigen wir die in unserem zum Wohnmobil ausgebauten Land Rover Defender 110. Die Wohnfläche beschränkt sich auf zwei Meter Länge und 1,40 Meter Breite - dagegen ist das Platzangebot im Vixen reiner Luxus.

Zudem ist er vermutlich leiser, schneller und sparsamer. Vielleicht das Hauptargument für die Anschaffung: Der Vixen ist alles andere als langweilig. Genauso kultig wie der Landy, kein typisches Wohnmobil, eher ein Statement.

Nur 587 Exemplare wurden gebaut - einer gehört jetzt mir

Dass ich überhaupt die Chance bekam, einen Vixen begutachten zu können, war großes Glück. Gerade einmal 587 Exemplare sind in den Achtzigerjahren gebaut worden. Noch nie hatte ich einen auf der Straße gesehen. Doch über einen auf den Vixen spezialisierten Makler lernte ich schließlich Martin kennen, der mit seinem 21 TD die vergangenen zwölf Jahre im Urlaub durch Nordamerika und Kanada gefahren war und ihn sonst in seiner Garage verwahrte. Nach ungezählten Mails und Telefonaten hatte ich schließlich den Flug über London nach Charlotte gebucht.

Und jetzt steht der Vixen vor mir, auf einem Hinterhof in North Carolina, am Interstate 77.

Nach kurzem Glühen springt der Motor an und ich drehe meine erste Runde durch Rockhill, einen Vorort von Charlotte. Das kleine Lenkrad nahe vor der Brust und die riesigen Glasflächen um mich herum fühlen sich ungewohnt an.

Den Dieselmotor höre ich leise in sechs Meter Entfernung hinter mir brummen, als wir auf den achtspurigen Highway fahren. Fünfter Gang, 75 Meilen Reisegeschwindigkeit, also 120 km/h, zeigen die deutschen Rundinstrumente, die auch in einen Porsche aus den Siebzigern passen könnten.

Das Fahrwerk ist straff für ein 30 Jahre altes Auto, nichts knirscht oder knackt, Martin hat ihn gut gepflegt. Wenn ich den Blinker setze, springt ein Display auf dem Armaturenbrett an und zeigt die Bilder der seitlich angebrachten Kameras. Ein Extra, das Martin eingebaut hatte, sonst wäre der Blick durch die kleinen Spiegel etwas dürftig. Den Gedanken, wie sich 6,26 Meter Länge und 2,15 Meter Breite auf einer deutschen Landstraße anfühlen, verdränge ich - heute ist schließlich fast jeder SUV so groß.

"What is this?"

Runter vom Interstate 77, wir parken an einer Landstraße. Neben uns hält ein Auto, die Fenster gehen runter: "What is this?" ist die Standardfrage, die ich in diesen Tagen noch öfter zu hören bekomme. "It's a Vixen," antworte ich schon mit so etwas wie Besitzerstolz, obwohl die Verkaufsverhandlungen noch nicht begonnen haben. Aber innerlich habe ich mich schon entschieden: Ich will den Wagen kaufen und diesen Sommer in Deutschland fahren.

Martin ahnt das wohl; was soll er auch anderes denken, wenn einer für eine Probefahrt von Norddeutschland in die Südstaaten fliegt. Schließlich besiegeln wir das Geschäft. Für die Kaufsumme hätte ich auch einen neuen, vernünftig ausgestatteten Golf bekommen. Jetzt bin ich einige tausend Euro ärmer, aber einer von wenigen hundert Vixen-Besitzern weltweit.

Wie das Auto bezahlt, verladen und von den USA nach Europa verschifft wird; wie der TÜV und meine Partnerin über den Vixen denken - das erfährt man in den nächsten Folgen dieses Blogs.

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56 Leserkommentare
axelkli 13.03.2016
RainerCologne 13.03.2016
leo96x 13.03.2016
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