Volvo 960 Baujahr 1993: Kalifornische Staatskarosse
Am liebsten fährt SPIEGEL-ONLINE-Leser Paolo Petersen mit seinem Volvo 960 an einen der Strände seiner Wahlheimat Los Angeles. Aber die Vorteile des Autos zeigen sich vor allem bei längeren Strecken. Zuweilen ist auch im sonnigen Kalifornien eine Sitzheizung recht praktisch.
Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Paolo Petersen über das Leben mit seinem Volvo 960, Baujahr 1993, mit 201 PS.
Die Entscheidung, meinem japanischen Konvoi Mazda 6, Mitsubishi Diamante & Co. für immer den Rücken zu kehren, fiel schon lange vor dem Toyota-Debakel. Schon öfter hatte ich mich über die hohen Versicherungskosten und die anfällige Elektrik geärgert, obwohl die Fahrzeuge noch fast neu waren. Beide hatten überdies einen ziemlich großen Benzindurst. Ich wollte schon länger einen Volvo 960 kaufen und hatte gelesen, dass sich SED-Generalsekretär Erich Honecker und seine alte Garde seinerzeit in diesem Wagen hatten kutschieren lassen.
Im Dezember 2008 gönnte ich mir meine persönliche Staatskarosse: einen Volvo 960 Baujahr 1993 mit Vollausstattung. Den Wagen mit einem Kilometerstand von 13.4000 km kaufte ich in einem Vorort von San Diego in Kalifornien - für läppische 3400 Dollar inklusive Verkaufssteuern.
17 Jahre ist er nun alt. Die massive Sonneneinstrahlung in Südkalifornien hat die Ledersitze natürlich recht stark strapaziert, der Tempomat funktioniert nicht, und der Lack weist hier und da ein paar Kratzer auf. Das Schiebedach klemmt hin und wieder, und am Beifahrersitz lässt sich nur die Lehne elektrisch verstellen. Ansonsten ist der Wagen in einem perfekten Zustand und macht auch optische eine gute Figur.
Beheizte Sitze und Außenspiegel wärmen bei Schmuddelwetter Gemüt und Gesäß. Unmittelbar nach dem Kauf, auf der Heimfahrt von Vista in der Nähe von San Diego nach Salinas, bin ich nachts auf einem Gebirgspass nördlich von Santa Clarita von starkem Schneefall überrascht worden - die Temperaturen fielen unerwartet schnell. Die Sicht war deshalb praktisch gleich Null. Aber die Sitze wärmten angenehm, und so war das Kriechtempo nicht ganz so schlimm.
Unliebsame Autobahngeräusche werden übertönt
Mit laufender Klimaautomatik und sanftem Gasfuß gleichmäßig gefahren verbrauche ich auf 100 km weniger als zehn Liter Super Plus. Die billigen, aus Zement gegossenen US-Autobahnen bröckeln schnell, daher quietscht und klappert das Armaturenbrett zwar manchmal. Die serienmäßige Stereoanlage mit acht Lautsprechern schafft es aber allemal, unliebsame Geräusche zu übertönen. Die Fahrt zu meinem Arbeitsplatz beträgt hin und zurück knapp 120 Kilometer, doch mit zusätzlichen Fahrten komme ich schnell auf 150 Kilometer täglich.
Man fühlt sich so richtig wohl und sicher in dem Wagen mit ABS, Front-Airbags und SIPS, so nennt sich der schwedische Seitenaufprallschutz.
Auch Stunden später sind die festen Sitze noch so bequem wie am Anfang. Wegen der veralteten, aber noch richtig stabilen Stoßstangen genieße ich in der Regel die quasi eingebaute Vorfahrt, denn wer riskiert schon freiwillig Kratzer an den neuen höchst teuer zu reparierenden billigen Stoßfängern aus Wabbelplastik? Mit meinen könnte ich sogar Einkaufswagen aus dem Weg schieben, die manch gedankenloser Mensch stehengelassen hat.
Übersichtlicher Sprinter
Für phantastische Übersicht sorgen die großen Fensterflächen und die eckige Karosserie. Die etwas altertümliche, nicht unbedingt flink schaltende Viergang-Automatik hat verschiedene Fahrstufen wie Economy, Winter und Sport. Mit der Sportstufe legt der Wagen in 8,5 Sekunden den Sprint von 0 auf 100 hin, und mit 201 PS sind auch knapp über 210 km/h drin.
Der Blick auf die monatliche Rechnung meiner Autoversicherung ist jedes Mal ein Vergnügen. Da der Wagen als extrem sicher gilt, fällt die Vollkasko-Prämie lächerlich gering aus. Und der enge Wendekreis ließ schon viele Leute überrascht aufschauen. Deshalb winke ich den Japanern ein fröhliches Auf-Nimmer-Wiedersehen zu. Mein nächster wird wieder ein Volvo.
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