Vom Aussterben bedrohte Auto-Begriffe Rettet das Gaspedal!

Von Auspuff bis Ölwechsel - mit dem Siegeszug des Elektroautos werden viele vertraute Auto-Termini plötzlich überflüssig. Im Fahrzeug der Zukunft kann man keine Zündung betätigen - und Gas geben ist auch nicht mehr möglich. Wie schade.

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Über technisch komplexe Produkte wie Autos zu schreiben, ohne dabei ständig Mist zu verzapfen, ist eine Herausforderung. Schon bei herkömmlichen Fahrzeugen hauen einem Leser und Blogger mitunter völlig zu Recht Schlampereien um die Ohren - etwa wenn ein BMW-Modell fälschlicherweise mit einem V6-Motor bestückt oder ein Jaguar E-Type zu einem D-Type wird.

Doch seitdem Elektroautos in aller Munde sind, weiß ich mitunter nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Unter der Betreffzeile "Missverständnisse unserer Zeit" klärte mich unlängst ein Leser darüber auf, dass Elektroautos - anders als von uns behauptet - keinen Leerlauf besäßen. "Wenn das Fahrzeug steht, steht auch der Motor, siehe Modelleisenbahn!", schrieb er. "Das Drehmoment liegt bereits bei noch stehendem, aber unter Strom gesetztem Motor an."

Wer schafft es durch den Sprach-TÜV?

Der Mann hat im Prinzip recht, doch seinen Einwand zu befolgen, hätte schwerwiegende sprachliche Konsequenzen: Wenn ich im E-Auto bei Rot nicht im Leerlauf an der Ampel stehen darf, dann kann ich bei Grün auch nicht das Gaspedal durchtreten. Etymologisch gesehen stammt dieser Begriff nämlich aus der automobilen Frühzeit, als über einen Fußhebel der Vergaser vermittels Seilzug angesteuert wurde.

Und das ist ja nur der Anfang. Es dürfte demnächst schwierig werden, überhaupt noch etwas Gehaltvolles über Autos zu Papier zu bringen (auch so eine obsolete Redewendung). Wenn Elektrovehikel den herkömmlichen Fahrzeugen tatsächlich den Garaus machen sollten, wäre wohl eine Generalinventur der automobilen Terminologie fällig.

Denn streng genommen betätigt in Zukunft niemand mehr die Zündung, um auf der Autobahn seine Zylinder zu befeuern, sodass der Hintermann nur noch den Auspuff zu sehen bekommt. Und auch wer das Tanken vergisst, kann seinen Feuerstuhl nicht mehr trocken fahren - oder wie der Franzose so schön formuliert: tomber en panne sèche.

Manchmal kommen sie wieder

Die Entwicklung muss einem Angst machen. Wie sollen echte Pistonheads und Ölbüffel bitteschön ohne Langhuber, Nockenwellen und Kolbenfresser auskommen?

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Es sind schon viel zu viele wunderbare automobile Begriffe über den Jordan gegangen. Der Choke ist nurmehr eine blasse Erinnerung. Völlig vergessen hat die Welt den Autler (für einen Autofahrer) und die amerikanische Praxis des sinnbefreiten Umhergondelns, für die es einst ein eigenes Wort gab: Autobubbling.

Allerdings gibt es auch Anlass zu Hoffnung. Jeder sprachhygienischen Modernisierung widersetzt hat sich beispielsweise die Lichtmaschine, die in Wahrheit ein schnöder Generator ist und nur wenig mit Illumination zu tun hat. Das gleiche gilt für den herrlich altertümlichen Chauffeur (Heizer) und die Limousine - ursprünglich ein aus der französischen Region Limousin stammender Kutschentyp.

Jetzt heißt es kämpfen. Zapfpistole und Zündkerzen könnt ihr meinetwegen haben, aber das Gaspedal gebe ich nicht her. Und überhaupt: Wer will schon in einer Welt ohne Leerlauf und Sand im Getriebe leben? Das möchte man sich lieber gar nicht vorstellen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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sam clemens, 27.11.2008
1. Begriff?
Ich musste einstmals unter Drohungen lernen, dass es nicht Gaspedal, sondern "Fahrfußkraftstoffördermengeregulierungshebel" heißt. Insofern hat das Aussterben mancher Wörter seine Berechtigung. Friede ihrer Asche.
telefoner, 27.11.2008
2. rettet das gaspedal
von mir aus, braucht diese begriffe niemand zu retten. das eifrige unverbesserliche autofetischisten/journalisten an diesen begriffen hängen ist mir verständlich, mich persönlich nerven diese autospezifischen vokabeln schon lange. hallo schreiberling, tituliere statt ich gebe gas, doch einfach ich gebe schub... das ist zumindest sachlich richtig, und klingt garnicht schlecht...
SaroEngels, 27.11.2008
3. Schubkarre
Zitat von telefonervon mir aus, braucht diese begriffe niemand zu retten. das eifrige unverbesserliche autofetischisten/journalisten an diesen begriffen hängen ist mir verständlich, mich persönlich nerven diese autospezifischen vokabeln schon lange. hallo schreiberling, tituliere statt ich gebe gas, doch einfach ich gebe schub... das ist zumindest sachlich richtig, und klingt garnicht schlecht...
Nee, ist nicht sachlich richtig, ein Auto fährt aufgrund von Zugkraft und keiner Druck- bzw. Schubkraft. "Ich gebe Zug" wäre also sachlich richtig. Ich glaube jedoch nicht das das Aussterben von überholten begriffen sonderlich problematisch ist: Man kann dann ja 2030 noch über die Einführung des neuen Brushless-Elektromotors im Mitsubishi Lancer reden auf der Messe in sowieso.... Neue Begriffe für Technik-Geeks gibts immer (das ist unabhängig von der jeweiligen Technik).
der_mit_dem_durchblick, 27.11.2008
4. Haha-- toller witz!
Der Verbrennungsmotor wird erst sterben, wenn es keinen Treibstoff mehr gibt. Selbst wenn wir diese Begriffe hier im Auto nicht mehr benutzen, oder sogar den Verbrennungsmotor hierzulande per Gesetz generell verbieten werden, wird er in anderen Ländern umso atrakktiver, bis es keinen Brennstoff mehr gibt. Vorher nicht, und sicherlich schon gar nicht durch Elektromotoren oder Akkus, die kannten im übrigen schon Otto, Diesel, Wankel und Co. noch bevor sie irgendwelche Verbrennungsmotoren erfunden hatten.
Alois, 27.11.2008
5. Leistung
In Zukunft nur noch KW wenn von E-Autos die Rede ist . Das würde mir zeigen , dass wir noch lernfähig sind . Beim Drehmoment hat es doch auch funktioniert. In Australien gibt man inzwischen die Distanz in KM an , aber wir gehen eher zu "Zoll" zurück wie man bei Bildschirmgrößen sehen kann , als dass wir einmal den Amtsschimmel einholen , der schon seit Jahren in den KFZ Papieren nur noch KW verwendet.
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