Rauf und runter. Eine ganz einfache Bewegung zog die Besucher der IAA des Jahres 1987 in den Bann. Vermutlich war der BMW Z1 das meistfotografierte Auto der damaligen Pkw-Messe in Frankfurt am Main. Leider war das Rauf und Runter der Türen nicht auf den Bildern zu sehen. Doch auch der Rest war schon spektakulär genug. Keine Frage, der Zweisitzer aus München war der Star der IAA vor 25 Jahren.
Dabei hatten auch andere Hersteller damals beachtliches zu bieten. Ferrari zeigte den nagelneuen F40, Porsche feierte das Comeback des Speedsters und der Karosseriebauer Zender enthüllte die Studie "Telekomm 2000" - einen Wagen mit Autotelefon, Epson-Rechner, Nadeldrucker, Fernseher mit Btx-Terminal und Videorecorder, Diktiergerät und eingebauter Kaffeemaschine. Trotzdem bohrte sich vor allem der Z1 in die Erinnerung. Ein 83.100 Mark teurer Sportwagen mit Reihensechszylindermotor, 170 PS, 225 km/h Spitze, Kunststoffkarosserie und eben mit diesen unfassbaren Rauf-Runter-Türen.
Zum Jubiläum waren wir mit dem Auto noch einmal unterwegs. Logisch, dass man als allererstes das Stoffdach in den Verdeckkasten nestelt und dann so offen wie möglich - also mit abgesenkten Türen - losfährt. Schon nach ein paar Kilometern über eine kurvige Landstraße begreift man, warum viele Autotester damals hervorhoben, dass kein anderes Serienauto dem Gefühl, mit einem Motorrad unterwegs zu sein, so nahe komme.
Wie eine Umkleidekabine ohne Türen
Denn nirgends fühlt man sich so nackt im Wind wie im Z1. Als hätte man nicht nur die Türen, sondern auch sonst fast alles heruntergelassen, fegt der Fahrtwind durch den Wagen, bläht die Kleidung und zerrt an den Haaren. In der Stadt sind es weniger die Böen, die für Irritation sorgen, sondern die Blicke der anderen: Als ob man in einer Umkleidekabine ohne Türen herumführe.
Obwohl der Z1 nur drei Jahre gebaut wurde und BMW die Produktion 1991 nach 8000 Exemplaren einstellte, galt der Wagen intern als Meilenstein. Schließlich sei es der Z1 gewesen, heißt es bei BMW im Rückblick, der das seit dem legendären BMW 507 aus den fünfziger Jahren verwaiste Segment der Roadster wiederbelebt habe. "Ohne den Z1 hätte es womöglich nie einen Z3, Z8 oder Z4 gegeben", sagt BMW-Sprecher Manfred Grunert.
Stimmt vermutlich. Aber das eigentlich Bemerkenswerte am Z1 ist der Mut der Macher: Der erst mal nur als Fingerübung einer neu geschaffenen Arbeitsgruppe innerhalb der Entwicklungsabteilung geplante Wagen war nie als Serienfahrzeug in Betracht gezogen worden. Chef des neuen Teams damals war Ulrich Bez, später in Diensten von Porsche und heute Boss von Aston Martin.
Bez boxte den Z1 schließlich durch alle Instanzen. Auf sein Drängen hin ließ sich der Vorstand auf das Abenteuer ein. Es war eine kleine Revolution für BMW, denn erstmals wurde ein Auto mit Stahlrahmen und darauf verschraubter Kunststoffkarosserie gebaut, und zwar in Handmontage. Die skurrilen Türen fielen da erst mal gar nicht weiter auf.
Einen derartigen Tatendrang würde man sich bei BMW - und natürlich auch bei jedem anderen Hersteller - viel öfter wünschen. Heute werden auch Nischenmodelle von etablierten Baureihen abgeleitet und aus tausendfach bewährten Baukästen zusammengebaut. So halten sich Aufwand und Risiko in engen Grenzen, und damit leider auch die Kreativität.
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