T3-Experte "Syncro-Bernd" Die Bulli-Parade

Für Bernd Jäger ist der VW Bus T3 der perfekte Tourenwagen. Selbstverständlich in der Allradvariante - für die er in der Szene längst zu einem Schrauberpapst geworden ist.

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg


"Der T3 ist das beste von VW jemals gebaute Auto", sagt Bernd Jäger. Seit mehr als 20 Jahren widmet sich der studierte Sozialpädagoge dem intern T3 genannten, im Volksmund "Bulli" getauften Bus. Es ist in gewisser Weise die Liebe seines Lebens.

Entsprechend kann er davon schwärmen: Der Bulli sei innen geräumig und zugleich ein kompaktes Fahrzeug. Außerdem fahre er sich wie ein Pkw. "Mit dem kann man nicht nur in den Urlaub fahren, sondern ihn problemlos im Alltag bewegen", sagt der 56-Jährige.

Vom Bulli kann er kaum genug bekommen: An den Wänden seines Büros hängen Poster, Zeichnungen und Urkunden. Auf dem Tisch stapeln sich Magazine, Teile und Devotionalien. Derzeit parken auf seinem Grundstück in Liebenau bei Kassel zehn der kastenförmigen Fahrzeuge, ein paar liegen zerlegt in einer Scheune. Einige gehören ihm, die meisten seinen Kunden.

Weltweite Fangemeinde

Fahrende Schrankwand, Brotkasten oder Ziegelstein: Diese Namen hatten Spötter für den VW Bus T3 parat. Doch der zwischen 1979 und 1992 gebaute Bus hat eine treue Fangemeinschaft - weltweit. Die dritte Generation ist die letzte mit Heckmotor, anfangs noch luftgekühlt. Der Bus gilt bei normaler Pflege als unverwüstlich, groß und praktisch.

In Kombination mit dem Syncro genannten Allradantrieb setzt besonders eine Klientel auf das Fahrzeug: "Wüstenfahrer schätzen den T3. Es ist ein geländegängiges Auto mit Schlafmöglichkeit und weitgehend elektronikfrei", sagt Bernd Jäger. Der T3 kommt noch ohne Steuergerät aus, der Allradantrieb arbeitet mechanisch und die Fenster lassen sich per Kurbel heben und senken.

Bis er dem T3 verfiel, dauerte es allerdings eine Weile. Jägers erstes Auto war ein 1200er-Käfer. Schon als Student schwang er den Schweißbrenner, reparierte und wartete als Nebenerwerb Autos. Die schmalen Gewinne wurden stets in Reisen investiert. Ein halbes Jahr arbeiten und den Rest frei machen. Eine Zeitlang gelang Jäger dieses Lebensmodell. Die Reiseziele lagen immer weiter weg von zu Hause. Auf den Käfer folgten T2-Bus, Hanomag AL28, Mercedes 207D und schließlich ein Land Rover.

Syncro-Bus schlägt G-Modell und Unimog

Vor 25 Jahren war es dann so weit: "An der Elfenbeinküste in Afrika traf ich ein Paar mit einem Syncro-Bus. Der war nicht nur praktischer als mein Land Rover, sondern kam ebenfalls überall durch", sagt er. "Klar können ein Mercedes G-Modell und ein Unimog mehr im Gelände. Doch der eine ist zu klein und der andere zu groß", sagt der Busfan.

Zurück in Deutschland kaufte er sich einen T3, fuhr damit ein paar Kilometer - und fand sofort ein paar Verbesserungsmöglichkeiten. Der serienmäßige Dieselmotor war ihm zu schwach. Er überlegte sich Alternativen, tüftelte, probierte aus und pflanzte schließlich einen 1,9-Liter-Turbodiesel mit Verteilereinspritzpumpe aus einem moderneren Golf ins Heck. Statt vorher 70 PS leistete der neue Vierzylinder 110 PS. Die Spitzengeschwindigkeit lag zwar weiterhin nur bei rund 110 km/h, dafür stieg aber das Drehmoment von 130 auf 250 Newtonmeter.

Nach ein paar Monaten kam dann der nächste Schritt: Jäger experimentierte mit einer weiteren Dieselvariante. Einer, die mehr Leistung erbringt, aber vor allem ohne Elektronik auskommt. "Der Motor mit elektronischer Einspritzung läuft zwar runder, der mechanische Turbodiesel mit 130 PS ist dafür aber einfacher zur reparieren. Vor allem an abgelegenen Orten", sagt Jäger.

Auf zum Syncro-Papst

Schnell sprach sich der Umbau in der Bulli-Szene herum. Ebenso wie Jägers selbst entwickelter, zuschaltbarer Allradantrieb - normalerweise arbeitet der im Syncro permanent. Aus dem Hobby wurde ein Geschäft.

Heute hat Jäger mit seinem kleinen Team mehr als tausend Allradsysteme umgebaut. Nebenbei entwickelt und optimiert er Teile wie spezielle Motorbleche oder Luftleitsysteme für den Bus.

Zu "Syncro-Bernd", wie er seit ein paar Jahren in der Szene genannt wird, kommen Kunden aus ganz Europa. Darunter nicht nur Weltenbummler, sondern auch Liebhaber klassischer Technik im praktischen Kleid. Die lassen ihre Fahrzeuge bei Jäger restaurieren und optimieren. Ein beigefarbener Bulli auf der Hebebühne in der blitzsauberen Halle bekommt derzeit eine Komplettüberholung. Neuer Motor, neues Getriebe und neues Fahrwerk. Dazu zählt eine Bremse aus Komponenten vom Audi A6 und VW T4.

Dass sich ein Bus nicht nur für eine ausgedehnte Afrika-Tour, sondern auch für den Rallyeeinsatz eignet, zeigt ein gelbes Monster hinter der Halle. Der "Rebell" genannte Rennwagen beherbergt einen Mittelmotor-VR6-Benziner mit 280 PS. Die Hülle ist weitgehend aus Carbon, ein Gitterrohrahmen gibt dem Fahrzeug die nötige Stabilität. Bei Rallyes der Kategorie Cross-Country fliegt Jäger mit dem Bulli über Stock und Stein. "Ich wollte mal was anderes bauen. Der Bus eignet sich eigentlich nicht als Rennwagen, doch mit dem Mittelmotor geht es ganz gut", grinst er und zieht seinen langen Zopf zurecht. Mit dem Rennwagen startet er bei vier Marathonrallyes pro Jahr. Aus dem sonst ruhigen und lässigen Schrauber wird dann ein auf Bestzeiten schielender Racer.

Reisen ja, Alltag nein

In den Urlaub fährt der Althippie natürlich immer noch mit seinem Bus, einem umgebauten T3 mit großer Kabine. "Mein Traumauto konnte ich mir nur selbst bauen, das gab es nicht", sagt er. Am liebsten fährt er nach Afrika, Mali, zum Ursprung der Menschen, wie er sagt. Im Gepäck hat er nur das Nötigste. Zwei Kartons mit kleinen Teilen.

"Ich habe nur das an Bord, womit ich die nächsten paar Kilometer weiterkomme. So wie einen Zahnriemen. Den wechsle ich alle 40.000 Kilometer. Das ist die Achillesferse des Motors", sagt er. Wegen der enormen Staubentwicklung reißen die Dinger gerne vor den 90.000 Kilometern, die VW als Haltbarkeitsmarke angibt.

Auf den Reisen nach Afrika werden die Busse nicht geschont, im Alltag sieht das anders aus. Jäger rät mittlerweile seinen Kunden, das Auto im Winter bei Schnee und Salz besser nicht zu bewegen - es sei dafür einfach zu schade.



insgesamt 55 Beiträge
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thomas.d. 15.03.2015
1. Bei Salz und Schnee stehen lassen???
Warum? Weil die Kisten zu Schade sind? Nein, weil sie im Zeitraffer faulen, egal ob nun mit 50/70 oder was weiß ich wieviel PS. Ein übler Schnellroster mit braunen Karosserienähten!
thomas.d. 15.03.2015
2. DKW hat den Schnellastér gebaut
......VW mit dem T3 den Schnellroster!
syracusa 15.03.2015
3. meinen T3 ...
Meinen T3 Diesel mit Hochdach hab' ich im Jahr 2000 für 1200 DM gekauft, und außer einem Getriebewechsel hat er in den 7 Jahren, die ich ihn gefahren habe, nie größere Reparaturen gebraucht. Mit seinen 50 PS war er aber doch zu schwach motorisiert. und dass er dabei dann 8 Liter Diesel auf 100 km schluckte, war eigentlich auch zu viel. Ich hab' ihn trotzdem auch viel im Winter und bei Eis und Schnee gefahren, bis er mir fast unter dem Hintern weggerostet ist. Die Reparaturkosten hätten über dem Wert gelegen, und da hab' ich ihn bei Ebay für 1300 Euro versteigert. Damit war er mit großem Abstand das billigste und zuverlässigste Auto, das ich in 40 Jahren gefahren habe.
blowup 15.03.2015
4. Klasse, aber
Schon ein Klasse Auto, der T3, und der letzte Bully, mit dem man noch auf große Tour gehen konnte und wo man auch selber reparieren konnte. Der Motor war leider ein spritfressender Schwachmat. Und das Ding war höllisch laut auf der Langstrecke. Rost wurde ja schon erwähnt. Alles im allem heute nur noch was für Bastler und Enthusiasten.
JohnDo'h 15.03.2015
5. Was findet man an dem Transporter toll?
Ich hatte mal das "Vergnügen", einen T3 als Westfalia Camper eigen zu nennen. Was an dem Modell toll sein soll, erschließt sich mir nicht. Vollkommen untermotorisiert, vor allem die Diesel, die aus dem Golf-2 stammen. Der T3 war ursprünglich für luftgekühlte Motoren konstruiert, die im Heck untergebracht waren. Durch die Umstellung auf wassergekühlte Motoren hatte dieses Modell eine abenteuerliche Kühlung. Ebenso "leiden" die Wagen an unterdimensionierten Bremsen und Achsen und an Rost, Rost, Rost. Die Preise, die für runtergrittene Gebrauchte heute noch verlangt werden, sind abenteuerlich.
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