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Mobiles Zuhause für Selbstversorger: Leben in der Holzklasse

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Mobiles Zuhause für Selbstversorger: Mehr Wagon wagen Fotos
Wohnwagon

Ein Duo aus Österreich hat schickes Design mit dem Streben nach Selbstversorgung verbunden: Herausgekommen ist der Wohnwagon. Die mobile Behausung bietet zwar wenig Platz, aber viel Unabhängigkeit.

"Ressourcenschonend und leiwand." So fasst Theresa Steininger die beiden größten Vorteile des Wohnwagons zusammen. "Leiwand" wie in "Schifoan is des Leiwandste", in Österreich ein gängiges Wort für "großartig". Steininger, 25 Jahre alt, ist Österreicherin. Zusammen mit Christian Frantal, 46, führt sie das kleine Unternehmen, das die Wohnwagons baut und verkauft: Holzhütten mit Fahrgestellen, die sich auf Wunsch mit Solaranlagen und Wasseraufbereitungssystemen ausstatten lassen, so dass die Bewohner auf einen Anschluss ans Strom- und Kanalnetz verzichten können. Deshalb "ressourcenschonend".

Man könnte auch sagen: Der Wohnwagon ist ein mobiles Baumhaus für Erwachsene. Er bietet zwar wenig Platz, aber viel Unabhängigkeit.

Theresa Steininger ist Marketingexpertin und hat früh eine eigene Agentur gegründet. Einer ihrer ersten Kunden war Christian Frantal, der die Idee zum Wohnwagon hatte. 2012 holte Frantal Steininger kurzerhand mit in den Wagon, die 25-Jährige wurde Geschäftsführerin ihrer gemeinsamen Firma. Über eine Crowdfunding-Plattform sammelten sie Geld für einen Prototypen - ein guter Test, ob ihr zukünftiges Produkt überhaupt auf Interesse stößt. Das tat es: "Wir fanden mehr als 100 Investoren", sagt Steininger.

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Wohnwagon

Theresa Steininger und Christian Frantal

Mittlerweile gibt es den 2,5 Meter breiten Wohnwagon in verschiedenen Varianten. Als Kurzversion mit sechs Meter Länge und als größere Variante mit zehn Meter Länge. Ergänzen lässt sich der Wagon durch einen 3,3 mal 2 Meter großen Erker. Wie die Räume aufgeteilt werden, ob man sie selbst einrichtet oder vom Bad bis zum Bett alles fertigen lässt, bleibt den Kunden überlassen.

Genauso ist es beim Grad der Selbstversorgung: Wer sich frei machen will von Stromanbietern, bestellt die vier Fotovoltaikpanele fürs Dach samt des Akkus im Boden. Dazu einen Ofen zum Heizen und den Warmwasserspeicher. Zum Duschen, Waschen und Spülen stehen bei Bedarf insgesamt 650 Liter Wasser zur Verfügung, die mittels einer sogenannten Grünkläranlage, bestehend aus Sumpfpflanzen, sowie einem Filtersystem gereinigt und wieder aufbereitet werden. Das bescheidene Ziel Steiningers: "Wir wollen die Welt retten."

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Wohnwagon

Wer es eine Nummer kleiner mag, kann sich den Wohnwagon aber auch mit Steckdosen und Wasseranschluss in den Vorgarten stellen. Die Frage, wo der Wohnwagon platziert werden darf und wo nicht, ist ohnehin nicht ganz einfach zu beantworten und von Fall zu Fall unterschiedlich. Steininger spricht von einem "interessanten Graubereich". Gegen eine kleine Gebühr bietet das Unternehmen Rat von einem Experten für Baurecht. Die Grundvoraussetzungen sind aber nicht schlecht - rein optisch schmückt der Wagon ein Grundstück eher, als das er es verschandelt.

Acht Abnehmer haben Steininger und Frantal nach eigenen Angaben bereits gefunden. Die ausgelieferten Modelle decken laut Steininger die Bandbreite von der Basisausführungen bis zur Solar-und-Sumpfpflanzen-Version. Zur Kundschaft zähle unter anderem "ein alleinstehender Almwirt, ein Anwalt, eine Make-up-Artistin und ein Entsorgungsunternehmer". Die von ihnen gezahlten Preise lagen zwischen 50.000 und 100.000 Euro.

Theresa Steininger wohnt noch in einem Appartement in Wien. "Ich muss noch ein paar Wohnwagons verkaufen, bis ich mir selbst einen leisten kann."

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insgesamt 60 Beiträge
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1. politische Herausforderung
syracusa 07.02.2016
Mit Photovoltaik, Mobiltelefon und mobilem Internet ist heute auch ganz ohne festen Wohnsitz ein gutbürgerliches Leben mit guter Erwerbsarbeit möglich. Ich habe das in den letzten Jahren selbst mehr oder weniger intensiv praktiziert. In Deutschland ist das aber nur durch Austricksen der Bürokratie möglich. Man ist gezwungen, einen festen Wohnsitz anzugeben, wenn man ein Auto anmelden will, oder wenn man als Freiberufler Steuern beim Finanzamt los werden will. Diejenigen, die das machen, sind gezwungen, die Behörden zu belügen. In Frankreich ist man da schon weiter. Da kann man auch ohne festen Wohnsitz ein bürgerliches Leben führen. Ich glaube nicht, dass dieser behördliche Zwang zum festen Wohnsitz mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Es wird höchste Zeit, hier mal alte Zöpfe gründlich zurecht zu stutzen.
2. Nicht sehr mobil
oeno 07.02.2016
Wie man sieht hat der Wagon zwei Achsen und kann somit nur von LKW, Schleppern oder - dann aber sehr langsam - von Schmalspurschleppern gezogen werden. Dafür braucht man selbige nebst entsprechenden Führerschein. Das ist ganz schön teuer, langsam und mit hohem Kraftstoffverbrauch verbunden. Ich schlage alternativ Wandern mit Rucksack und Zelt vor. Noch mehr Luxus, weil noch mehr Reduktion. Billig, gesund und man spart Sprit!
3. fehlende Infrastruktur
augustin 07.02.2016
Ich beobachte den Trend zu sog. Mobil- oder Mini-Homes schon eine weile - mit Begeisterung. Als Freelancer der monatsweise national unterwegs ist, könnte ich mir solche eine Art zu Leben gut vorstellen. Allerdings fehlt neben den oben schon genannten politischen Voraussetzungen auch die dazugehörige Infrastruktur. Wo stelle ich das Teil hin, wo sind entsprechend standardisierte Anschüsse. Auf einen Wohnmobilestellplatz? Hier sollten Städte und Gemeinden Flächen zur Verfügung stellen und mit entsprechenden Ver- und Entsorgungsanschlüssen ausstatten.
4.
syracusa 07.02.2016
Zitat von oenoWie man sieht hat der Wagon zwei Achsen und kann somit nur von LKW, Schleppern oder - dann aber sehr langsam - von Schmalspurschleppern gezogen werden. Dafür braucht man selbige nebst entsprechenden Führerschein. Das ist ganz schön teuer, langsam und mit hohem Kraftstoffverbrauch verbunden. Ich schlage alternativ Wandern mit Rucksack und Zelt vor. Noch mehr Luxus, weil noch mehr Reduktion. Billig, gesund und man spart Sprit!
... und braucht dann aber noch eine teure, energieschluckende Wohnung. Ihr Einwand zieht nicht so recht. Hier wird eine unter Einschränkungen mobile Minimalwohnung vorgestellt. Die ist sparsamer und mobiler als ein fester Wohnsitz, ist aber weniger mobil als ein Wohnmobil oder Wohnwagen. Solche mobilen Gebäude haben sich unter der Bezeichnung "Mobilheim" schon längst einen eigenen Markt erobert. In den USA ist das "mobile home" bzw der "trailer" ein typischer Wohnsitz einkommensschwacher Bevölkerungsschichten, "trailer parks" sind dort die modernen Slums. Wie in diesem Fall durch gute Architektur dieses negative Image zu brechen bzw bei uns gar nicht erst entstehen zu lassen, ist ein sehr lobenswertes Ziel.
5. Die Welt retten?
Seraphan 07.02.2016
Wohl eher die eigenen Taschen füllen mit der Verbreitung von Nonsens-Sprüchen. Für den Preis von 50 bis 100 Tausend pro Stück ist die Welt ganz sicher nicht zu retten.
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