Zum Tode von Stunt-Fahrer Bud Ekins Alter Ego des King of Cool

Ein waghalsiger Sprung mit dem Motorrad in "The Great Escape" machte Steve McQueen zur Macho-Ikone. Gedoubelt wurde der Filmstar bei dieser und anderen Szenen von Bud Ekins, Hollywoods wohl berühmtestem Motorrad-Stuntman, der jetzt verstorben ist.


Es war eine schicksalhafte Begegnung, die Bud Ekins' weiteres Leben bestimmen sollte. Eines Tages öffnete sich die Tür von Ekins' Motorradshop im San Fernando Valley und herein trat Steve McQueen. Der Hollywood-Star war auf der Suche nach einer neuen Maschine. "Steve kam 1961 in meinen Laden, drückte sich eine Weile rum und fragte dann – wollen wir mal einen kurzen Ausritt zusammen machen?", erinnerte sich Ekins, der zu dieser Zeit britische Triumph-Motorräder verkaufte.

Bud Ekins: Neben einer berühmten Szene in "The Great Escape" arbeitete er in Dutzenden weiteren Filmen als Motorrad-Stuntman, darunter "Diamonds Are Forever," "und "The Blues Brothers"
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Bud Ekins: Neben einer berühmten Szene in "The Great Escape" arbeitete er in Dutzenden weiteren Filmen als Motorrad-Stuntman, darunter "Diamonds Are Forever," "und "The Blues Brothers"

Der Ausritt entwickelte sich zu einem stundenlangen Wüstentrip, der Kauf kam zustande, und Ekins war ab sofort McQueens Mechaniker des Vertrauens. Die beiden kamen gut miteinander aus - bei dem Hollywood-Star war das keine Selbstverständlichkeit: Wie kein anderer trieb McQueen mit seinen Allüren die Studiobosse und Regisseure zur Verzweiflung.

McQueen war ein streitsüchtiger Exzentriker, der nach ersten erfolgreichen Jahren in einem Rausch aus Bier, Kokain und Sex versank. Die Momente auf seiner Maschine - seine Auszeiten, in denen er sich nicht den "Fucking Suits from Hollywood" unterordnen musste - waren die Betablocker für McQueens latenten Wahnsinn. "Steve fuhr wie eine hart gestoßene Billardkugel und rempelte da und dort an. Aber wenn er im Ziel ankam, war er unter den Schnellsten", erzählte Bud Ekins später.

Mit Steve ins Allgäu

Ein Jahr nach der ersten Begegnung mit Ekins kam McQueen zu seinem Mechaniker in den Motorradladen und fragte: "Hast Du einen Anzug? Dann pack ihn ein." Im nächsten Moment war Ekins auf dem Weg nach Deutschland. Im Allgäu wurde 1962 "The Great Escape – Gesprengte Ketten" gedreht, ein Drama über die Flucht von alliierten Kriegsgefangen aus einem Nazi-Gefängnis.

Steve McQueen hatte dabei eine Hauptrolle – mit einer spektakulären Fluchtszene: der Sprung mit einem Motorrad über den Stacheldrahtverhau des Lagers. "Keiner hatte vorher mit einer knapp 180 Kilo schweren Serienmaschine so etwas versucht oder gar gedreht", erinnerte sich Ekins. "Steve wollte fahren, aber war sich nicht sicher, ob es klappen könnte, also hab ich es gemacht." Der Sprung ging in die Filmgeschichte ein, katapultierte McQueen in den Star-Olymp, und brachten Bud Ekins außer einer Gage in Höhe von tausend Dollar den Ruf des besten Motorrad-Stuntmans Hollywoods ein.

McQueen und der Mechaniker wurden enge Freunde; Ekins war einer der wenigen Menschen, denen der misstrauische und paranoide McQueen vollkommen vertraute. Die beiden schmiedeten Pläne und lebten ihre Bikerträume gemeinsam aus. Im September 1964 wurden im ostdeutschen Erfurt die "International Six Days Trails", eine Zuverlässigkeitsfahrt für Geländemotorräder, veranstaltet. Mit einer doppelten Premiere: Zum ersten Mal nahm ein amerikanisches Team an der Traditionsveranstaltung teil, und zum ersten Mal hinter dem Eisernen Vorhang.

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