Den Anfang macht Audi mit einem so genannten Abbiegelicht als Extra für die neue Oberklasse-Limousine A8. 1150 Euro Aufpreis kostet die Technik, die ausschließlich in Verbindung mit Xenon-Scheinwerfern angeboten wird und die ziemlich simpel ist: Fährt das Auto langsamer als Tempo 70 und wird der Blinker gesetzt oder das Lenkrad stark genug eingeschlagen, wird ein Zusatzscheinwerfer angeknipst, der den Bereich unmittelbar rechts oder links vor dem Wagen (etwa im rechten Winkel zur Fahrtrichtung) ausleuchtet.
Die Oberklasse-Konkurrenz aus Stuttgart hat nun ein "aktives Kurvenlicht" vorgestellt. Mercedes versteht darunter einen Scheinwerfer, der mit Hilfe eines Elektromotors gedreht werden kann - und zwar in Abhängigkeit vom Lenkwinkel und von der Geschwindigkeit um bis zu zwölf Grad. "Bei Abblendlicht ergibt sich damit in Kurven eine bis zu 90 Prozent bessere Ausleuchtung", versprechen die Mercedes-Ingenieure. Ein Beispiel liefern die Schwaben gleich mit: Während der sichtbare Bereich bei einer Kurve mit 190 Metern Radius mit konventionellen Scheinwerfern rund 30 Meter betrage, sehe der Fahrer mit aktivem Kurvenlicht etwa 25 Meter weiter.
Die Technik wird bei Mercedes ab Frühjahr 2003 zunächst im neuen Kombi (T-Modell) der E-Klasse sowie in der E-Klasse Limousine verfügbar sein. Gegen Aufpreis, so viel steht schon fest. Die Sonderausstattung wird es nur in Verbindung mit den bereits aufpreispflichtigen Bi-Xenon-Scheinwerfern geben, die bereits 950 Euro extra kosten. Der zusätzliche Preis für das Kurvenlicht werde "deutlich darunter" liegen, heißt es bei Mercedes.
Am hellsten sollen Kurven künftig von Opel-Automobilen ausgeleuchtet werden, denn die Rüsselsheimer kombinieren bei ihrer "Adaptive Forward Lighting" (kurz: AFL) genannten Technik mitlenkende Xenon-Scheinwerfer und das 90-Grad-Abbiegelicht. Dabei können die Frontscheinwerfer abhängig von Lenkwinkel und Geschwindigkeit des Autos um bis zu 15 Grad nach links oder rechts mitschwenken. Zusätzlich wird bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h in Kurven ein Abbiegelicht angeschaltet, das in einem Winkel von 90 Grad vor dem Auto die Straße etwa 30 Meter weit ausleuchtet.
Opel wird die AFL-Technik im kommenden Jahr bei den Modellen Vectra und Signum anbieten und damit Kurvenlicht erstmals auch in der Mittelklasse verfügbar machen. Allerdings weisen die Rüsselsheimer darauf hin, dass vorher noch die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden muss. Bisher ist nämlich nur ein bewegliches Fernlicht, nicht aber das Mitschwenken des asymmetrischen Abblendlichts erlaubt. Die entsprechende Anpassung der sogenannten ECE-Vorschriften (Economic Commission for Europe) wird allerdings für Anfang 2003 erwartet.
Rechtzeitig also, um Mercedes und Opel den Marktstart ihres Kurvenlichts zu erlauben. Und um Audi zu ermöglichen, das bisher noch starre Abbiegelicht ebenfalls als selbst lenkenden Scheinwerfer aufzurüsten. Der wirkliche Vorreiter des Kurvenlichts ist jedoch die französische Marke Citroën. Bereits 1967 wurde das Modell DS mit "Schwenkscheinwerfern" angeboten, die über einen Seilzug mit der Lenkung verbunden waren und sich beim Lenkradeinschlag entsprechend mitdrehten. Optische Veränderungen der Karosserie, die senkrecht stehende Frontscheinwerfer nicht mehr zuließen, bedeuteten einige Jahre später das Aus für die rollenden Auto-Augen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH