Alptraum Aquaplaning: Not in der Nässe

Regen ist für viele Autofahrer ein Angstfaktor. Und in Deutschland regnet es statistisch gesehen an jedem dritten Tag. Kaum eine Fahrsituation ist dabei so gefürchtet wie Aquaplaning. Und kaum eine Gefahr wird von den Autofahrer gleichzeitig so unterschätzt. So vermeiden Sie die nassen Notsituationen.

Nasses Deutschland: Statistisch gesehen droht jeden dritten Tag die Gefahr des Aquaplaning
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Nasses Deutschland: Statistisch gesehen droht jeden dritten Tag die Gefahr des Aquaplaning

Hier zu Lande steigt an mehr als hundert Tagen im Jahr das Risiko um ein Vielfaches, auf nassen Straßen in einen Unfall verwickelt zu werden. Trotzdem fahren die meisten Autofahrer laut einer Studie des Verkehrssicherheitsforschers Dieter Ellinghaus im Regen zu schnell. Neben der ohnehin geringeren Bodenhaftung durch den Wasserfilm auf dem Fahrbahnbelag droht bei länger anhaltendem Regen oder bei Wolkenbrüchen das gefürchtete Aquaplaning. Der Reifen verliert dabei völlig den Bodenkontakt, das Fahrzeug schwimmt auf und ist dann weder zu lenken noch zu bremsen.

Es gibt verschiedene Phasen des Aquaplanings: Bei niedriger Geschwindigkeit drückt sich das Reifenprofil durch den Wasserfilm fest auf die Straße. Die Profilrillen führen das Wasser nach vorne, nach hinten und zur Seite ab. Noch ist der Bodenkontakt vollständig vorhanden.

Nimmt die Geschwindigkeit zu oder steht mehr Wasser auf der Straße, füllen sich die Profilrillen völlig. Da nun kein Wasser mehr aufgenommen werden kann, bildet sich vor dem Reifen eine regelrechte Bugwelle. Reduziert der Fahrer jetzt vorsichtig die Geschwindigkeit, kann er das Aquaplaning gerade noch verhindern.

Noch mehr Wasser oder noch höhere Geschwindigkeiten führen dazu, dass der Wasserkeil den Reifen von der Fahrbahn trennt. Er schiebt sich immer weiter zwischen Asphalt und Pneu und hebt so die gesamte Lauffläche des Reifens von der Fahrbahn ab. Das Auto fährt jetzt Wasserski. Lenken oder Bremsen ist nicht mehr möglich.

Dieser Zustand ereignet sich meistens auf der Autobahn. Und nur weil dort fast immer geradeaus gefahren wird, geht die Gefahrensituation in der Regel glimpflich aus. Vorausgesetzt, der Fahrer gerät nicht in Panik und kurbelt wild am Lenkrad. Generell gilt in nassen Notsituationen: nicht lenken, Lenkrad fest halten, Kupplung treten und warten, bis die Reifen wieder greifen.

Aquaplaning: Die meisten Autofahrer fahren bei Regen zu schnell
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Aquaplaning: Die meisten Autofahrer fahren bei Regen zu schnell

Doch ist man der Wasserfalle keineswegs hilflos ausgeliefert. Aquaplaning hängt neben dem Wasserstand auf der Fahrbahn, der Fahrgeschwindigkeit und dem Fahrzeuggewicht ganz wesentlich von der Profiltiefe der Reifen ab.

Tests des Reifenherstellers Continental haben gezeigt, dass beispielsweise ein VW Golf, mit neuen Reifen ausgerüstet, bei 78 km/h ins Aquaplaning gerät. Unter gleichen Versuchsbedingungen, jedoch mit einem Restprofil von 1,6 Millimetern, schwimmt der Golf schon bei 62 km/h unlenkbar auf der Straße. Der Gesetzgeber begnügt sich mit diesem Restprofil, zur eigenen Sicherheit sollten die Reifen aber schon bei drei Millimeter gewechselt werden.

Auch eine angepasste Geschwindigkeit ist bei starken Regenfällen ein absolutes Muss. Zwar erreichen nagelneue Reifen mit acht Millimetern Profiltiefe bei Reifentests Aufschwimm-Geschwindigkeiten von mehr als 90 km/h. Doch die Realität sieht meistens anders aus, wenn sich in den von Lkw ausgefahrenen Spurrillen tiefe, lange Pfützen gebildet haben, sowie glatte Fahrbahnbeläge und ein zu niedriger Luftdruck die Grenze im ungünstigsten Fall schon auf 70 km/h absenken - während der schnellere Schwer-Lkw das Format des Rückspiegels ausfüllt.

Auskunft über die Wassertiefe können die Fahrspuren des vorausfahrenden Fahrzeugs geben. Schließen sie sich schon wenige Meter hinter dem Auto, füllen sich also schnell mit Wasser, so steht viel Wasser auf der Fahrbahn: Es herrscht erhöhte Aquaplaninggefahr. Warnsignale sind außerdem heftiges Wasserrauschen von unten und eine zunehmend leichtgängigere Lenkung. Bei einem frontgetriebenen Auto heult der Motor plötzlich auf, ohne dass der Fahrer mehr Gas gegeben hat. Die Vorderräder haben den Fahrbahnkontakt verloren und drehen wie auf Glatteis durch.

Schwerer zu deuten sind die ersten Anzeichen von Aquaplaning bei heckgetriebenen Fahrzeugen, weil hier die Hinterräder die nicht angetriebenen Vorderräder in die Wasserfalle schieben. Ein Ziehen und Zerren am Lenkrad und ein verändertes Abrollgeräusch sind die einzigen Hinweise auf die drohende Gefahr. Auch hier gilt: Lenkung gerade halten, Fuß vom Gas und Auskuppeln, bis die Räder wieder Kontakt zur Straße haben.

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  • Datum: Sonntag 13.04.2003 | 09:08 Uhr
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