Bonn/München - So manche Notwendigkeit ist seit langem bekannt - was jedoch nichts daran ändert, dass sie häufig ignoriert wird. Am Auto ist die optimale Beleuchtung während der dunklen Jahreszeit wichtig. Tatsächlich aber sind immer noch viele Fahrzeuge mit defekten oder falsch eingestellten Scheinwerfern unterwegs - obwohl Automobilclubs immer wieder vor den Gefahren warnen. Bereits vor einem Jahr forderte das Bundesverkehrsministerium alle Autofahrer auf, auch tagsüber das Abblendlicht einzuschalten. Laut einer niederländischen Studie könnte dadurch die Zahl der schweren Unfälle um 15 Prozent gesenkt werden.
Seit nunmehr 50 Jahren finden deshalb alljährlich im Herbst Aktionen statt, bei denen die Lichtanlagen von Fahrzeugen kontrolliert werden. Doch während die Entwicklung der Autotechnik seit 1956 ungeahnte Fortschritte gemacht hat, ist das bei den Fahrern und deren Sensibilität in Sachen Beleuchtung nicht der Fall: Die Zahl der im Rahmen der Lichttests ermittelten Mängel erreichte im vergangenen Jahr das bislang höchste Niveau.
Angefangen haben die Überlegungen im Hinblick auf einen Lichttest bereits im Jahr 1955. "Man hatte damals bemerkt, dass schlechte Beleuchtung an den Fahrzeugen bei der zunehmenden Verkehrsdichte ein großes Sicherheitsrisiko darstellt", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn.
Also entschloss man sich im Bundesverkehrsministerium seinerzeit, etwas zu tun, um diese Gefahr abzuwenden oder zumindest zu verringern. Das Ergebnis waren im Jahr 1956 die so genannten Lichtwochen. Von einer umfassenden Aktion konnte anfangs jedoch kaum die Rede sein. "Zuerst beschränkte man sich dabei auf ausgewählte Städte", berichtet Blümer.
Prüfplakette fürs gute Gewissen
Auch die Kontrolle selbst war noch nicht umfangreich. Zunächst ging es ausschließlich darum, dass nachgeschaut wurde, ob die Scheinwerfer und die Bremsleuchten richtig funktionierten. "Heute werden dagegen insgesamt acht Punkte überprüft, dazu zählen unter anderem die Rückfahrscheinwerfer, die dritte Bremsleuchte sowie die seitliche Beleuchtung", sagt Blümer.
An einem Prinzip hat sich jedoch nichts geändert: Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Bonn wird die Kontrolle traditionell im Oktober kostenlos vorgenommen. Und zwar nicht mehr nur an einzelnen Standorten, sondern auch in Kfz-Meisterbetrieben und Fachwerkstätten sowie an mobilen Prüfständen. Besteht ein Fahrzeug die Kontrolle anstandslos, bekommt es eine Prüfplakette mit der Aufschrift "Licht-Test 2006". Die hat den Vorzug, dass der Autofahrer sich für die kommende dunkle Jahreszeit recht sicher sein kann, dass er lichttechnisch gut ausgerüstet ist. Auch bei Lichtkontrollen der Polizei sind mit aktueller Plakette kaum Probleme zu erwarten.
Der Zustand der Beleuchtung der getesteten Fahrzeuge ist in der jüngeren Vergangenheit schlechter geworden. Im Jahr 2005 wurden nach DVW-Angaben während der Lichttests rund zehn Millionen Fahrzeuge überprüft - und rund 39 Prozent hatten Mängel. "Das ist die höchste Mängelquote, die seit Beginn der Lichttests festgestellt wurde", sagt ZDK-Sprecher Blümer. Laut einer Umfrage wünscht sich jeder zweite Autofahrer in Deutschland ein helleres Licht an seinem Fahrzeug.
Rund 18 Millionen Autos haben Licht-Mängel
Laut dem ADAC in München ist die Quote vor allem in den letzten Jahren merklich gestiegen - noch im Jahr 2001 lag sie bei 35,9 Prozent. Und es waren nicht die kleine Macken an den Lampen, die im Vordergrund standen. Vielmehr wurden vor allem schlecht eingestellte Scheinwerfer bemängelt, die den Gegenverkehr blenden können; daneben standen die "einäugigen" Fahrzeuge mit nur einem funktionierenden Scheinwerfer im Vordergrund. Der Automobilclub geht davon aus, dass in Deutschland etwa 18 Millionen Autos mit nicht intakter Lichtanlage im Einsatz sind.
Dass auf den Straßen so viele Funzeln unterwegs sind, hat nach Ansicht der Experten mehrere Gründe. "Eine Ursache ist sicherlich, dass der Autofahrer an der Wartung spart", meint Helmut Blümer. Gerade im vergangenen Jahr habe es bei der Zahl der Aufträge in den Werkstätten einen Rückgang um 5 Millionen bei einer Gesamtzahl von durchschnittlich 80 Millionen gegeben.
Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum im bayerischen Landsberg weist außerdem darauf hin, dass der Wechsel einer defekten Glühlampe im Scheinwerfer längst keine Angelegenheit mehr ist, die sich im Handumdrehen an der Tankstelle vornehmen lässt. "Wegen der Enge in den Motorräumen gibt es kaum noch eine Möglichkeit, an die Scheinwerfer zu gelangen und den Wechsel selbst durchzuführen", so Klein. Statt einen teuren und zeitraubenden Werkstattaufenthalt einzulegen, fährt mancher dann eben mit defektem Licht weiter.
Der Lampenverschleiß hängt auch mit der Technik des Wagens zusammen. "Bei der Lebensdauer einer Lampe kommt es auf die elektrische Spannung an", erläutert Klein. Wegen der vielen elektrischen Verbraucher in den aktuellen Fahrzeugen wird jedoch mit hohen Spannungen gearbeitet - mit entsprechenden Folgen.
Oft finden sich laut Angaben der Fachleute auch Mängel an der Scheinwerferhöhenverstellung. Obwohl diese bei Fahrzeugen mit Xenon-Scheinwerfern automatisch funktioniert, sind auch deren Fahrer beim Lichttest gut aufgehoben. Denn auch an solchen Autos gibt es noch genügend weitere Leuchten, die zu kontrollieren sind.
Heiko Haupt, gms
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