Fahrtziel Zukunft (I): Mit Hochdruck Sprit sparen

Neue Dieseltechniken, verbesserte Sicherheit und geringerer Spritverbrauch - die kommenden Jahre werden im Automobilbau viele Veränderungen mit sich bringen. In der Serie "Fahrtziel Zukunft" stellt SPIEGEL ONLINE die technischen Möglichkeiten der kommenden Jahre vor. Den Anfang macht die Benzin-Direkteinspritzung.

Oberflächlich betrachtet werden Autos seit mehr als hundert Jahren von der gleichen Technik bewegt. Doch der Eindruck trügt. Auch der Ottomotor bietet noch ein beachtliches Potenzial zu Verbesserungen. Demnächst steht der Durchbruch der Benzin-Direkteinspritzer an.

Bis 2005, verkündete VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch unlängst bei einem Symposium in Wien, gebe es beim Volkswagenkonzern nur noch Benzin-Direkteinspritzer - eine Zauberformel, denn die neue Technik ermöglicht es, bis zu 20 Prozent Benzin einzusparen.

Mitsubishi baute mit dem GDI-Motor als erster Hersteller einen Benzindirekteinspritzer in Serie
GMS

Mitsubishi baute mit dem GDI-Motor als erster Hersteller einen Benzindirekteinspritzer in Serie

Lange sah es so aus, als sei der Ottomotor in seiner technischen Entwicklung ausgereizt - bis nun ein Verfahren, dass schon dem Dieselantrieb zu neuer Attraktivität verhalf, serienreif entwickelt wurde. Das verspricht einen neuen Innovationsschub für die Branche.

Bei der Benzin-Direkteinspritzung wird der Brennstoff nicht mehr wie bei den herkömmlichen Ottomotoren in das Saugrohr, sondern mit einem Druck von etwa 80 bar unmittelbar – oder eben: direkt – in den Zylinder eingespritzt.

So ist es möglich, den Motor in Teillast bei hohen Luftüberschüssen und damit extrem sparsam zu betreiben. Mitsubishi präsentierte diese Technik bereits 1995 unter dem Namenskürzel GDI, vor wenigen Monaten folgte Renault mit dem 2-Liter-IDE-Motor im Mégane Coupé.

Im Herbst kommen weitere Benzin-Direkteinspritzer aus europäischer Produktion auf den Markt: VW fährt den Lupo FSI mit 1,4-Liter-Vierzylinder vor – das erste Auto aus deutscher Produktion mit der neuen Technik; der französische Konzern PSA bringt einen 2-Liter-Vierzylinder-HPi-Motor in den Modellen Peugeot 406 und Citroën Xantia.

Audi A2: Ab kommenden Jahr mit Direkteinspritzung

Audi A2: Ab kommenden Jahr mit Direkteinspritzung

Audi wird den Motor aus dem Lupo im kommenden Jahr in seinem neuen Modell A2 anbieten; außerdem arbeiten die Ingolstädter an Sechs- und Achtzylinder-Aggregaten mit der neuen Technik. Bei BMW wird die Benzin-Direkteinspritzung erstmals in den neuen Vierzylinder-Motoren zum Einsatz kommen – voraussichtlich im kommenden Jahr. Auch Mercedes, Opel und Ford entwickeln mit Hochdruck direkt einspritzende Benziner. Spätestens 2002, da sind sich die Experten einig, werden alle deutschen Hersteller zumindest einen Motor dieser Bauart im Programm haben.

Mit der Einführung von schwefelfreiem Benzin in Deutschland, die vor wenigen Wochen begonnen hat, bieten die so genannten Magermotoren auch unter dem Aspekt der Abgasentgiftung Vorteile. John Heywood, Auto-Experte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, gibt sich besonders optimistisch: "Bis zum Jahr 2020 wird eine konventionelle Mittelklasselimousine mit Benzinantrieb halb so viel verbrauchen, halb so viele Schadstoffe ausstoßen und inflationsbereinigt gerade mal fünf Prozent mehr als heute kosten."

In den Entwicklungszentren der Hersteller wird bereits an Motoren getüftelt, deren Schadstoff-Ausstoß extrem gering ist. Sollten solche Antriebe serienreif werden, könnte in Zukunft sogar der Katalysator überflüssig werden. Vor allem bei DaimlerChrysler, PSA und Ford wird an dieser Technik geforscht. Prinzipiell geht es darum, die Verdichtung in der Brennkammer derart drastisch zu erhöhen, dass sich das Benzin-Luft-Gemisch wie bei einem Dieselmotor von selbst entzündet.

Eine solche Verbrennung wäre so effizient, dass kaum noch Kohlenwasserstoffe oder Stickoxide übrig blieben, um die Abgase zu verunreinigen. Das klingt verheißungsvoll – ist aber erst ganz leise anklingende Zukunftsmusik.

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  • Datum: Dienstag 18.07.2000 | 13:07 Uhr
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