ABS-Probleme BMW überprüft 260.000 Motorräder

Schon seit längerer Zeit steht der Autokonzern BMW wegen angeblicher Ausfälle seines Integral-ABS in der Kritik. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Jetzt bietet BMW seinen Kunden die kostenlose Überprüfung des Systems an.


BMW K 1200 S: ABS mit Problemen
GMS

BMW K 1200 S: ABS mit Problemen

München - Seit Anfang 2001 seien nach BMW-Angaben 260.000 Motorräder mit dem betroffenen Integral-ABS-System ausgeliefert worden. Bis zum 30. April 2006 können diese Kunden ihre Bremssystem bei BMW kostenlos überprüfen lassen. Da es sich um ein freiwilliges Angebot an die Kunden handele, sei aber noch unklar, wie viele Halter die Überprüfung auch tatsächlich in Anspruch nähmen. "Wir wollen mit dem Angebot einer Überprüfung des Bremssystems dazu beitragen, eventuell entstandene Verunsicherung bei unseren Kunden abzubauen", sagte der Leiter BMW Motorrad, Herbert Diess. Das Integral-ABS-System könne "in der Summe seiner Eigenschaften" aber "als die modernste und leistungsfähigste Motorrad-Bremse der Welt" bezeichnet werden.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen wegen "Gefährdung des Straßenverkehrs" gegen den Konzern aufgenommen und will ein technisches Gutachten einholen. Zuvor hatten Fahrer von Problemen mit der Bremse berichtet. Der Grund des Problems soll ein gelegentlicher Spannungsabfall im System sein, der im Extremfall zum Versagen des ABS führen kann. BMW habe inzwischen gegenüber der Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme abgegeben, hieß es vom Unternehmen. Einen Unfall habe es wegen der ABS-Probleme aber nicht gegeben.

Wie der SPIEGEL vergangene Woche berichtete, hatten mehr als 20 Fahrer nach Auskunft von BMW über technische Probleme mit der Bremsanlage geklagt. Ein Mainzer Fahrlehrer berichtete, bei seinem BMW-Motorrad seien plötzlich Bremskraftverstärker und ABS ausgefallen. Im ersten Moment erscheine die Bremse total defekt. Sie reagiere erst auf sehr starken Hebeldruck und sei nur schwer dosierbar. Bei Sicherheitslehrgängen des ADAC war es zu zwei Unfällen mit BMW-Maschinen vom Typ K 1200 S gekommen, bei denen der Autoclub technische Probleme mit der Bremsanlage vermutete. Vor allem in Internet-Foren wird außerdem über ähnliche Fälle mit BMW-Motorrädern diskutiert.

BMW hatte am Freitag erstmals offiziell eingeräumt, dass es bei wiederholtem Bremsen im ABS-Regelbereich während Fahrsicherheitstrainings vereinzelt zum Ausfall der ABS-Regelfunktion gekommen sei. Diese Fehlfunktion sei aber nur bei extrem schneller und harter Bremshebelbetätigung in Verbindung mit einer nachlassenden Bordnetzspannung überhaupt möglich. "Im normalen Straßenverkehr kann dieser Zustand nicht eintreten, und BMW Motorrad ist auch kein solcher Fall bekannt", hieß es vom Hersteller.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.