Ausfallsicherung Immer häufiger Pannen durch mangelhafte Elektronik

Elektronik macht das Auto besser - aber nur, wenn sie funktioniert. Die Sicherheit der Systeme ist noch immer eine der größten Herausforderungen für die Autohersteller. Im Center of Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen haben Forscher jetzt die Daten von fast einer Million Pannen ausgewertet, um den Ursachen für Ausfälle und Fehler auf den Grund zu gehen.


Pannenhilfe: Systemabsturz?
GMS

Pannenhilfe: Systemabsturz?

Gelsenkirchen/Hannover - Für die Sicherheit der elektronischen Teile ergibt sich ein recht düsteres Bild: Waren 1998 noch 45,2 Prozent aller Pannen auf Probleme mit Elektrik und Elektronik zurückzuführen, so lag der Anteil 2001 bereits bei 49,6 Prozent. "Die Elektronik ist hilfreich, macht das Auto komfortabler und sicherer und erlaubt auch stärkere Motoren bei geringeren Verbräuchen", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Forschungszentrums. Doch die eine oder andere Neuheit der jüngsten Vergangenheit sei womöglich bei den Autoherstellern nicht so ausgereift gewesen, wie sie sein sollte.

Möglicherweise liegt das auch daran, dass es bei der Abnahme eines neuen Fahrzeugtyps bislang noch keine Regelungen dafür gibt, wie die Qualität eines neuen elektronischen Systems zu bewerten ist. Jetzt kommt mit der Einführung einer gänzlich neuen Brems- und Lenktechnik kommt Bewegung in die Sache - und zwar bei den Bremsanlagen, die nicht mehr rein mechanisch-hydraulisch, sondern auch elektronisch funktionieren, sowie bei den künftigen elektronischen Lenkungen.

"Solche Lenk- und Bremsanlagen bestehen aus einer Vielzahl von Bauteilen. Es wird geprüft, was passiert, wenn einzelne Bauteile ausfallen. Das System muss Fehler erkennen können, sie dem Fahrer anzeigen und gegebenenfalls in den sicheren Zustand wie den Notlauf überleiten", so Folkert Jürgens, Leiter der Typprüfung beim TÜV-Nord in Hannover. Allerdings werden sich auch solche Prüfungen weiter nur auf sicherheitsrelevante Elektronik-Bauteile beziehen - jene Teile also, die für sicheres Fahren, Lenken und Bremsen zuständig sind.

"Man entwickelt Autos im Prinzip immer noch wie vor 20 Jahren", so Dudenhöffer. "Tatsächlich hat man jetzt aber eine Situation wie im Flugzeugbau." Entsprechend sollte die Elektronik-Absicherung auch behandelt werden. Der Experte glaubt jedoch, dass die Industrie das Problem erkannt hat: "Man hat festgestellt, dass das Rennen um Innovationen nicht alles ist. Qualität und Ausfallsicherheit sind ein Thema bei den Herstellern - ich denke, die kriegen das in den Griff."

Dennoch werde in den kommenden zwei bis drei Jahren der Anteil der Elektronik-Pannen weiter steigen, schätzt Dudenhöffer. Denn bis die Techniker neue Methoden entwickelt haben, um die Systeme standfester und sicherer zu machen, wird es einige Zeit dauern. Wenn diese Methoden sich jedoch bewähren, kann es laut Dudenhöffer bis zum Jahr 2010 so weit kommen, dass der Anteil der elektronischen Pannen wieder auf den derzeitigen Stand von etwa 50 Prozent sinkt.

Doch es gibt im Zusammenhang mit der Elektrik auch Gutes zu berichten: "Viele Probleme sind dadurch beseitigt worden, dass die Elektrik mechanische Bauteile ersetzt", sagt Helmut Schmaler vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Unter anderem gebe es keine Probleme mehr mit Vergasern: Die elektronische Einspritzung sei besser. Zudem können die Profi-Pannenhelfer mit den elektronischen Macken offenbar recht gut umgehen: Der Prozentsatz der liegen gebliebenen Fahrzeuge, die auf Grund von Hilfsmaßnahmen vor Ort weiter fahren können, ist laut Schmaler leicht steigend.

Von Heiko Haupt, gms



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.