Buchreihe "So wird's gemacht" Bibel der Bastler

Die Buchreihe "So wird's gemacht" ist die Bibel der Schrauber. Und ihr Evangelist heißt Hans-Rüdiger Etzold. Seit mehr als 30 Jahren und in mittlerweile knapp 140 Bänden erklärt er den Bastlern, wie sie ihren Wagen auch ohne Werkstatt wieder flottkriegen.


Na, auch einen alten Gebrauchten gekauft und jetzt kein Geld mehr für die Werkstatt? Dabei müssten doch so dringend die Bremsbeläge gewechselt werden. Und auch das Klappern der Türverkleidung nervt. Kein Problem. Es gibt schließlich Hans-Rüdiger Etzold und seine Bücher zur automobilen Selbsthilfe.

"So wird's gemacht": Eine der erfolgreichsten Ratgeber-Reihen der Republik

"So wird's gemacht": Eine der erfolgreichsten Ratgeber-Reihen der Republik

Unter dem Titel "So wird's gemacht" mutierte die Schrauberlektüre zu einer der erfolgreichsten Ratgeber-Reihen der Republik. Denn wo sonst erfährt auch der Laie Schritt für Schritt, wie man bei einem Käfer-Motor die Kolbenringe erneuert, beim Mercedes die Lichtmaschine ausbaut oder einem Audi ein neues Getriebe einsetzt?

Die Ansprüche seiner Leser sind breit gefächert: "Der eine will nur die Sicherungen auswechseln und dabei nichts verkehrt machen. Und der andere möchte gerne das komplette Automatikgetriebe zerlegen", beschreibt Etzold die Bandbreite seiner Leserschaft. Die Beweggründe sind allerdings bei allen gleich: "Sie haben Spaß an solchen Arbeiten und wollen natürlich auch an den Werkstattkosten sparen", sagt der studierte Fahrzeugingenieur. "Wer sich für 2000 oder 3000 Euro einen über zehn Jahre alten Gebrauchten kauft, der kann häufig nicht auch noch 500 Euro an die Werkstatt zahlen."

Natürlich versucht Etzold, es allen Lesern Recht zu machen. "Doch wer zwei linke Hände hat, wird auch mit einer Anleitung nicht zum Meistermechaniker", schraubt er die Erwartungen herunter. Und wenn ein elektronisches Bauteil defekt ist, kann auch Etzold nicht mehr helfen - selbst wenn nur die Steuerung des elektrischen Fensterhebers streikt: "Fehler in elektronischen Bauteilen kann man nur mit einem speziellen Diagnosegerät orten."

Ebenfalls ausgespart werden heute aufwändige Reparaturarbeiten an den Motoren: "Früher haben wir in den Beschreibungen noch den kompletten Antriebsstrang zerlegt", erinnert sich Etzold. Heute schaffen die Triebwerke locker 150.000 Kilometer und mehr ohne Macken. "Solche Arbeitsgänge müssen wir nicht mehr beschreiben."

Seine Buchreihe, die pro Jahr im Schnitt um vier Bände erweitert wird, erarbeitet er gemeinsam mit drei Redakteuren zwischen Schreibtisch und der eigenen Werkstatt. Dabei nutzt er vor allem die Kundendienstliteratur, die er ebenso wie die Testwagen für die Fotoproduktion von den Autoherstellern zur Verfügung gestellt bekommt.

"Zwar verstehe ich als gelernter Kfz-Mechaniker und studierter Kfz-Ingenieur einiges von der Materie", sagt der Autor, "doch kann ich mir schließlich keine Anzugsdrehmomente oder Werks-Einstellvorschriften aus den Fingern saugen." Falls die Automobilhersteller ihn nicht mit den entsprechenden Unterlagen unterstützen, kümmert das Etzold kaum: "Dann wird das Auto eben gekauft, zerlegt, fotografiert und wieder zusammengebaut."

Im ersten Band der Reihe hat sich Etzold 1974 dem VW Passat gewidmet und danach so ziemlich jeden Bestseller aus Wolfsburg beschrieben. "Doch nachdem ich für alle wichtigen Audi- und VW-Modelle ein Buch gemacht hatte, war es nahezu zwangsläufig, die Buchreihe auf andere Fahrzeugmarken auszudehnen", sagt Etzold im Rückblick auf fast 140 Bände, die zusammen mehr als fünf Millionen Mal verkauft worden sind.

Bei der Wahl der Fahrzeuge schaut er heute vor allem in die Zulassungszahlen: "Nur wenn sich ein Auto hierzulande im Jahr mindestens 50.000 Mal verkauft, gibt es über die Lebenszeit des Modells genügend Besitzer, sodass sich eine Auflage lohnt", sagt der Ingenieur und macht eine einfache Rechnung auf: "300.000 Autos pro Modellzyklus sorgen bei durchschnittlich drei Besitzern für etwa eine Million potenzieller Buch-Käufer. Wenn sich davon drei Prozent ein Buch kaufen, dann rechnet es sich."

Aber nicht nur die hohen Verkaufszahlen eines Automodells sind für den Erfolg eines Buches ausschlaggebend - auch der Typ muss stimmen. VW Golf und Opel Astra sind natürlich Renner. Und auch die Bücher für den 3er BMW gehen wie geschnitten Brot. "Klassische Frauenautos dagegen sind für uns erst dann interessant, wenn sie nach ein paar Jahren von den Söhnen übernommen werden und der Nachwuchs selbst Hand anlegt."

Große Fahrzeugmodelle wiederum, wie die aktuelle Mercedes E-Klasse, der 5er BMW oder ein Audi A6, sind inzwischen technisch so aufwendig, dass sich für sie kein Schrauberbuch rentiert. Außerdem werden diese Fahrzeuge vielfach geleast, und dann darf man ohnehin nicht mehr selbst schrauben.

Einen Schlüssel für den Erfolg seiner Buchreihe sieht Etzold auch in der stetig sinkenden Qualität der Bedienungsanleitungen. "In diesen Broschüren steht beispielsweise, wie man das Radio anschaltet - doch bei einer Panne ist man völlig aufgeschmissen", schimpft der Autor. "Statt zu beschreiben, wie die Glühlampen gewechselt werden, heißt es oft lapidar: 'Lassen Sie diese Arbeit von einer Werkstatt ausführen'." Dieses Leid ist seine Freud: Weil die Werkstatt für eine halbe Arbeitsstunde rund 50 Euro berechnet, ist die Ausgabe für seine Bücher schnell wieder eingespart.



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