Ford Capri Mini-Mustang als "Plastikbombe"

Glück gehabt, könnte man sagen - denn obwohl der Ford Capri von seinen Anlagen her alles mitbrachte, was auch seinen direkten Rivalen Opel Manta auszeichnete, musste er nie so viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen.


Ford Capri: Ein Auto als Symbol für die siebziger Jahre
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Ford Capri: Ein Auto als Symbol für die siebziger Jahre

Köln - Pech gehabt, wäre allerdings die andere Folgerung. Denn während es der geschmähte Manta trotz allem zum Kultmobil geschafft hat, fand die doch recht beeindruckende Karriere des Kölner Breitsportlers kaum wirklich Anerkennung.

Sein Name erinnert an südliche Sonne, an ein Eis am Stiel, ein Fruchtgetränk und Rudi Schurickes Schlager von den Capri-Fischern. Doch anfangs ging es in den Köpfen der Entwickler um wilde Pferde und Schießeisen. So hatte der Ford Mustang in den sechziger Jahren in den USA für Furore gesorgt. Weil schon damals amerikanische Erfolge gern kopiert wurden, sollte auch Europa ein sportliches Ford-Modell bekommen.

Also machten die Ingenieure sich ans Werk - in ganz Europa. Denn der Auftrag lautete, dass die europäischen Ford-Töchter den Mini-Mustang gemeinsam in Fahrt bringen sollten. Projektname war "Colt". Aber als das Ergebnis der Arbeit 1969 präsentiert wurde, hatten sich die Beteiligten auf den sanfteren Namen Capri geeinigt. Dass der Ursprung der Idee auf dem amerikanischen Mustang beruhte, ließ sich jedoch nicht verbergen.

Die noble Ausgabe des Familien-Sportwagens - der Capri II war auch in einer "Ghia"-Version erhältlich
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Die noble Ausgabe des Familien-Sportwagens - der Capri II war auch in einer "Ghia"-Version erhältlich

Unter dem Blech sah es allerdings weniger sportlich aus. Vor allem das Basismodell dürfte bestenfalls bei Mofa-Fahrern für sportliche Gefühle gesorgt haben. Die 50 PS des 1,3 Liter-Motors machten dem Vortrieb spätestens bei 133 Stundenkilometern ein Ende. Doch es ging auch anders: Top-Modell der Anfangsphase war der 2300 GT mit 108 PS, genug für immerhin 178 km/h.

1970 erschien das, was Ford als "Plastikbombe" ankündigte: der Capri 2600 RS. Dessen 160 PS starker 2,6-Liter-Motor beschleunigte ihn in acht Sekunden auf Tempo 100 und machte 200 km/h möglich. Den Zusatznamen erhielt er, weil Ford ihn als Basis für Sporteinsätze sah und ihm so manche Erleichterung verpasst hatte: Koffer- und Motorraumhauben bestanden aus Kunststoff, die Scheiben aus Plexiglas. Wer wollte, konnte den starken Motor aber auch im üblichen Blechkleid bekommen.

Ob stark oder schwächlich - der Capri wurde zum Erfolgsmodell. Nach nur neun Monaten feierte man bei Ford in Köln das erste Jubiläum - 75.000 Capri hatten bis September 1969 das Band verlassen. Dass sich in den Folgejahren auch auf den Rennstrecken etliche erfolgreiche Capris tummelten, dürfte zum anhaltenden Erfolg beigetragen haben. 1973 verbuchte Ford ein Rekordergebnis von 233.449 gebauter Capris.

Sportliche Hülle mit bravem Inhalt: Die Basisversion des Capri zeigte wenig spritziges Fahrverhalten
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Sportliche Hülle mit bravem Inhalt: Die Basisversion des Capri zeigte wenig spritziges Fahrverhalten

Doch obwohl man dem Kölner Sportler 1972 noch ein dezentes Facelift verpasst hatte, lief die Zeit des Ur-Capris ab. Der Capri II zeigte sich optisch sachlicher als der Vorgänger, dazu gab es statt Kofferraumdeckel nun eine große Heckklappe. Unter der Haube kamen weiter jene Reihenvierzylinder zum Einsatz, die zum 72er Facelift im Vorgänger Einzug gehalten hatten. Hinzu kamen die altehrwürdigen V6-Aggregate mit 2,3 und 3,0 Litern Hubraum sowie 90 bis 138 PS.

Der Capri II fand 1974 immerhin 183.735 Abnehmer. Doch schon 1975 sackten die Stückzahlen auf kaum mehr als 100.000 Exemplare, wie in der Zeitschrift "Oldtimer Markt" nachzulesen ist. Doch Ford hielt an seinem Familiensportler fest und ließ 1978 eine dritte Generation vom Band rollen. Diese war um einiges ansehnlicher als der doch etwas farblose Capri II. Vorne prägten Doppelscheinwerfer das Gesicht, das ganze Auto wirkte properer. Bei den Motoren setzte man auf Stärkeres, der 1,3-Liter wurde ausgemustert.

Die echten Highlights des Motorenprogramms waren eine Art Schlussakkord der Capri-Geschichte: So stellte Ford 1981 den Capri 2,8i mit Benzineinspritzung und 160 PS vor. Wenig später folgte mit dem 188 PS starken Turbo der "stärkste Capri aller Zeiten".

Der Kundschaft von einst war dies in zunehmenden Maße egal. Schließlich gab es mittlerweile modernere, familientaugliche Sportmobile. Auf dem deutschen Markt wurde der Capri-Verkauf 1985 eingestellt. Zwei Jahre später wurde dann auch der britischen Markt nicht mehr beliefert. Die Kölner Autobauer vermeldete nach 18 Jahren das Ende des Kapitels Capri, 1.886.647 dieser Mini-Mustangs wurden in dieser Zeit gebaut.



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