Limousine aus China Brilliance versagt im Crashtest

Angekündigt hatte Brilliance sehr, sehr viel Auto für wenig Geld - doch dafür bekommen die Käufer auch sehr, sehr wenig Sicherheit. Im Crashtest des ADAC nach Euro-NCAP-Norm hat die Limousine BS6 gerade mal einen Stern erhascht.


München - Verpasst das Modell eines europäischen Autoherstellers den fünften Stern von fünf, ist die Enttäuschung groß. Das Vorzeigeprodukt aus China, der Brilliance BS6, hingegen schaffte im Test des ADAC lediglich einen der begehrten Sterne, teilte der Automobilclub mit. Ein zweiter Stern, der aufgrund der Punktezahl möglich gewesen wäre, war gleich wieder futsch: Beim Seitenaufprall bestand eine zu hohe Gefahr für die Passagiere im Brust und Bauchbereich. Ein Mensch hätte in dem realen Unfallszenario kaum eine Überlebenschance gehabt.

Die Tester haben das sogenannte Premiumprodukt aus dem fernen Osten nach Euro-NCAP-Bedingungen in die Zange genommen. Beim Frontcrash zeigte sich, dass die Sicherheitszelle der Limousine zu weich ist: Der vordere Teil des Autos wurde auf der Fahrerseite weit in den Innenraum hineingeschoben, und der Türschweller knickte nach unten durch. Die Tür verkeilte sich derart, dass ein Öffnen nur mit schwerem Gerät möglich gewesen sei - und damit wertvolle Zeit bei der Bergung verloren gegangen wäre.

Außerdem drangen die Pedalen und das Armaturenbrett weit in den Innenraum ein und der Airbag blieb wirkungslos, da das Lenkrad durch den Aufprall zur Seite gedrückt wurde. In punkto Kindersicherheit bemängelten die Prüfer die zu kurze Gurtlänge auf den Rücksitzen. Babyschalen könnten sich damit nicht fixieren lassen.

Die Autosparte des chinesischen Unternehmens Brilliance hatte große Hoffnungen in ihre Limousine gesetzt und will nach dem enttäuschenden Crashtest zusammen mit dem ADAC das Auto nachbessern. "Wir sind nicht zufrieden mit dem Test und werden unser Auto konsequent verbessern", sagte der Chef des Europa-Generalimporteurs HSO, Hans-Ulrich Sachs, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

"Ende Juli soll ein Prototyp noch einmal zum Crashtest beim ADAC antreten." Der Verkauf des Fahrzeugs in Europa werde aber fortgesetzt. Bisher seien vom BS6 rund 350 Fahrzeuge importiert worden, von denen 350 verkauft worden seien, sagte Sachs der Zeitung. Bisher gebe es aber nur vier Vertragshändler. Bis Jahresende solle die Zahl aber auf 150 steigen. Mir rund 40 Händlern gebe es bereits konkrete Verhandlungen.

Schon der chinesische Geländewagen Landwind lieferte vor knapp zwei Jahren im Crashtest des Autoclubs katastrophale Ergebnisse. Noch nie habe ein Fahrzeug beim ADAC-Crashtest derart schlecht abgeschnitten, sagte ein Sprecher. Bei einem Frontalaufprall sei die Fahrgastzelle des Wagens völlig zusammengebrochen. Der Hersteller des Fahrzeugs, die chinesische Jiangling Motors Company wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erfülle die Norm ISO 9001-2000 für Qualitätsmanagement und die chinesische CCC-Produktzertifizierung.

abl/dpa-AFX



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