Lotec Sirius Das Ende der Gemütlichkeit

So schnell wie kein anderes Auto soll der neue Wagen werden. Der Lotec Sirius, ein Mittelmotor-Renner mit 1200 PS, soll die 400-km/h-Marke erreichen. Das Design des Fahrzeugs entstand mit Hilfe einer Flex.


Lotec Sirius: Mittelmotor-Renner mit 1200 PS, 400-km/h schnell

Lotec Sirius: Mittelmotor-Renner mit 1200 PS, 400-km/h schnell

Kurt Lotterschmid, 59 Jahre alt und von Beruf Kfz-Meister, ist fasziniert von schnellen Autos. Vor rund 20 Jahren war er noch mit Auto-Eigenbauten im Rennsport aktiv, gewann die Europameisterschaft in der Sportwagenklasse und errang den Deutschen Titel bei den Gruppe-C2-Rennern.

Inzwischen aber hat er sich ganz auf das Konstruieren von Supersportwagen konzentriert. Sein neuestes Werk heißt Lotec Sirius und soll der schnellste Zweisitzer mit Straßenzulassung werden.

In diesen Tagen wurde die Verkabelung des Fahrzeugs abgeschlossen, nun steht der Praxiserprobung nichts mehr im Wege. Die dürfte recht eindrucksvoll ausfallen, denn das Auto protzt mit Superlativen. Den Antrieb erledigt ein getunter Zwölfzylindermotor aus der alten S-Klasse.

Die Entwicklungskosten des Fahrzeugs beziffert der Erbauer auf sechs bis sieben Millionen Mark

Die Entwicklungskosten des Fahrzeugs beziffert der Erbauer auf sechs bis sieben Millionen Mark

Nachdem Meister Lotterschmid Hand an das V12--Aggregat mit 6 Litern Hubraum und Vierventiltechnik gelegt hat, leistet es nun 1200 PS (912 kW) und mobilisiert ein maximales Drehmoment von 1320 Nm. Um das Triebwerk stets gut geschmiert zu halten, wurde eine Trockensumpfschmierung eingebaut, zwei große Turbolader sorgen für eine druckvolle Befüllung der Brennkammern.

Die Entwicklungskosten des Fahrzeugs beziffert der Erbauer auf "sechs bis sieben Millionen Mark". Das Design war in dieser Kostenaufstellung einen vergleichsweise kleinen Posten. "Die Form des Autos habe ich im Grunde schon vor elf Jahren entwickelt", berichtet Lotterschmid. "Damals habe ich mehrere Spanplatten mit der groben Silhouette aneinandergestellt und dann mit der Flex bearbeitet."

Nach zwei staubigen Abenden im Keller sei das Styling fertig gewesen. Auf Automessen wie zuletzt in Genf werde er immer gefragt, welche CAD-Anlage oder welches Design-Programm er denn verwende, erzählt Lotterschmid. "Wenn ich dann sage, wie die Form tatsächlich entstanden ist, ernte ich nur ungläubiges Staunen."

Styling: sehr ansehnliche Kombination aus Sportlichkeit und Individualität

Styling: sehr ansehnliche Kombination aus Sportlichkeit und Individualität

Fest steht: Der Lotec Sirius sieht extrem schnittig aus und wirkt weder unnötig aggressiv noch grobschlächtig oder gar altbacken. Im Gegenteil: Das Styling mit den unter Glas verborgenen A-Säulen sieht richtig gut aus - eine sehr ansehnliche Kombination aus Sportlichkeit und Individualität.

Was die Details betrifft, so ist der Wagen durchaus auf der Höhe der Zeit. Die Kohlefaserkarosserie entstand - wie auch der aufgemöbelte Motor, der Rahmen und der überwiegende Rest des Fahrzeugs in Lotterschmids Firma für Karosseriebau und Tuning. Servolenkung, ABS, Traktionskontrolle, zwei Metallkatalysatoren und die übliche Sportausstattung im Innenraum gehören zur Grundausstattung. "Und eine Klimaanlage", sagt der Entwickler, "die ist ganz wichtig für die arabischen Kunden."

Seit nämlich die Luxuszeitschrift "Jumeira Beach" aus Dubai dem Wagen eine zweiseitige Hochglanz-Story widmete, reißen die Anfragen aus dem arabischen Emriat nicht mehr ab. Der erste Wagen ist bereits verkauft.

Kein Öko-Auto: 25 bis 30 Litern Superplus je 100 Kilometer frisst der Renner

Kein Öko-Auto: 25 bis 30 Litern Superplus je 100 Kilometer frisst der Renner

Später, wenn die Kleinserienfertigung begonnen hat, soll das Auto rund 1,2 Millionen Mark kosten. Derzeit sucht Lotterschmid nach Geldgebern, die eine Fertigung in etwas größerem Stil finanzieren, als er es in seinem Unternehmen könnte. Das weltweite Absatzpotential für seinen Extremsportwagen, der als erstes straßenzugelassenes Fahrzeug die 400-km/h-Marke erreichen soll, schätzt er auf "minimal 20, maximal 50 Fahrzeuge weltweit".

Das Problem mit der Höchstgeschwindigkeit scheint weniger der Motor zu sein, als vielmehr die Reifen. "Die Freigabe von Michelin gilt nur bis 380 km/h", sagt Lotterschmid. Doch er ist zuversichtlich, dass dieser Grenzwert demnächst nach oben korrigiert wird. Dann sollen Hochgeschwindigkeitstests auf der Rennstrecke im italienischen Nardo in Angriff genommen werden.

Gefragt nach dem Verbrauch des Autos sagt der Konstrukteur, dass man mit 25 bis 30 Litern Superplus je 100 Kilometer auskäme. Bei konstant 120 km/h jedoch würden 6,8 Liter ausreichen. "Das ist kein Witz", beteuert Lotterschmid. Allerdings gibt es wohl keinen Lotec-Fahrer, der diesen für den Sirius ebenfalls sehr extremen Wert je erreichen wird.



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