Neue Regel für Kfz-Steuer Wohnmobile bilden neue Fahrzeugklasse

Bis zu 500 Prozent sollten die Kraftfahrzeugsteuern für Wohnmobile Gerüchten nach ansteigen. Jetzt herrscht Klarheit: Es wird zwar teurer - aber nicht so teuer wie befürchtet. Umweltfreundlichere Fahrzeuge kommen billiger weg als ältere Modelle.


Berlin/München - "In Anbetracht der Diskussionen in der Vergangenheit ist das Ergebnis jetzt noch tragbar", urteilt Ralph Binder, Sprecher des Caravan Industrie-Verbandes (CIVD) in Frankfurt. Die ursprüngliche Idee war, das Reisemobil steuerlich einem normalen Personenwagen gleichzusetzen.

Was das bedeutet hätte, hat der ADAC in München vorgerechnet: Demnach wäre für ein Reisemobil mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,1 Tonnen und einem 2,8-Liter-Dieselmotor, der nicht die Anforderungen der Schadstoffklasse Euro 1 erfüllt, vorerst ein Steuerbetrag von jährlich 630 Euro, ab dem Jahr 2011 sogar von 840 Euro fällig geworden. Bisher waren es gerade einmal 200 Euro.

Eigene Steuerklasse: Wohnmobile werden zukünftig nach Schadstoffklasse und Gewicht besteuert
GMS

Eigene Steuerklasse: Wohnmobile werden zukünftig nach Schadstoffklasse und Gewicht besteuert

Nach langem Hin und Her haben Bundestag und Bundesrat jetzt einen anders lautenden Gesetzentwurf verabschiedet: Das Wohnmobil wird steuerlich nicht als Personenwagen eingestuft, vielmehr wird es zu einer eigenen Fahrzeugklasse.

Bei der Bemessung der Steuer kommt es zum einen auf das Fahrzeuggewicht an, gestaffelt in 200-Kilogramm-Schritten. Zum anderen geht es um die Schadstoffklassen. Am günstigsten kommen Mobile weg, die mindestens die Schadstoffklasse S4 erfüllen. Hier fallen bis zu einem Gesamtgewicht von 2000 Kilogramm 16 Euro je 200 Kilo an, ab 2000 Kilogramm sind es dann jeweils 10 Euro - die Gesamtsteuer darf jedoch 800 Euro nicht übersteigen. Bei den Schadstoffklassen S3, S2 und S1 sind es entsprechend 24 beziehungsweise 10 Euro, insgesamt aber nicht mehr als 1000 Euro.

Schadstoffklasse beeinflusst Steuerhöhe

Teuer wird es für Wohnmobile, die keine der Schadstoffklassen erfüllen. Hier sind bei einem Gewicht bis zu 2000 Kilogramm für je 200 Kilogramm des Gesamtgewichts schon 40 Euro zu zahlen, ab Januar 2010 gilt dies auch für die Schadstoffklasse S1.

Wie sich die unterschiedlichen Schadstoffklassen auf die Höhe der Kfz-Steuer auswirken, erläutert der CIVD an einem Beispiel: Ein Reisemobil mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht und Schadstoffklasse S4 kostet künftig jährlich 240 Euro Kfz-Steuer. Das gleiche Fahrzeug mit den Schadstoffklassen S3, S2 oder S1 kommt auf 320 Euro, ohne Schadstoffeinstufung sind es 480 Euro.

Die Experten sehen gerade der Zukunft dieser älteren Fahrzeuge ohne Schadstoffeinstufung mit gemischten Gefühlen entgegen. Zwar gibt es keine exakten Zahlen für die einzelnen Schadstoffklassen. Der CIVD geht aber von rund 210.000 Reisemobilen aus, die grob der Gruppe ohne Einstufung zugeordnet werden können. Das ist also gut die Hälfte der Anfang 2006 beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registrierten 405.000 Reisemobile.

"Natürlich tun die Steuern speziell Besitzern dieser älteren Fahrzeuge weh", sagt Viktoria Groß, Sprecherin des Deutschen Camping Clubs in München. "Man muss es aber auch aus Umweltgesichtspunkten sehen." Denn die Abgase der älteren Dieselmodelle seien eben nicht oder weniger aufwendig gereinigt.

Möglicherweise wird eine größere Zahl dieser Mobile mit der Zeit ins Ausland verkauft, wo vergleichbare Steuern nicht zu zahlen sind. Maximilian Maurer vom ADAC in München geht aber davon aus, dass viele der alten Reisemobile trotz allem in Deutschland weiter betrieben werden: "So dramatisch sind die Erhöhungen nicht, dass sich niemand mehr die Fahrzeuge leisten kann."

Gerade der erste Steuerbescheid der neuen Zeit wird jedoch für Eigner von Reisemobilen aller Kategorien unangenehm werden. Das Gesetz sieht vor, dass die neuen Regeln rückwirkend ab Anfang 2006 gelten, wenn sie zu Beginn des Jahres 2007 in Kraft treten. "Die Halter müssen dann zwei Mal Steuern zahlen - das ist ein unverantwortlich dicker Posten", meint Ralph Binder.

"Wohnmobil" ab sofort klar definiert

Abgesehen von den Steuern haben die neuen Regelungen noch ein Folge: Künftig ist klar eingegrenzt, was ein Reisemobil ist. Es muss zum Beispiel innen eine Stehhöhe von mindestens 170 Zentimetern sowohl an der Kochstelle als auch an der Spüle aufweisen. "Wenn die Stehhöhe nicht eingehalten wird, dann wird das Fahrzeug als Pkw besteuert", erklärt Viktoria Groß.

Laut Maximilian Maurer wird die Regelung dazu führen, dass vermutlich eine bloße Küche im Heck nicht mehr ausreicht, um einen Kleinbus zum Reisemobil zu machen. "Ein ausgebauter VW-Bus mit einem Hubdach wird wohl die Anforderungen eines Reisemobiles erfüllen. Ein einfacher VW-Bus mit herkömmlichem Dach dagegen wird aus der Kategorie Wohnmobil herausfallen."

Heiko Haupt, gms



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