Pop-Art-Reifen Künstler geben Gummi

Während die Hersteller ihre Reifen mit allerlei technischem Beiwerk zur Hightech-Ausrüstung aufrüsten, entdecken andere Kreise vor allem die Ästhetik der Pneus. In der Kunstszene ist das schwarze Gummi inzwischen ein gefragtes Objekt, dem sogar ein gewisser Sexappeal abgerungen wird.

Von Kati Borngräber


Reifen gehören längst zum ganz normalen Alltagsbild. Bewusst oder unbewusst - täglich registriert unser Gehirn unzählige Fahrzeuge, die sich auf den schwarzen Rundlingen fortbewegen. Kein Wunder also, dass sich auch in der modernen Kunst als Motive aufgegriffen werden. Nicht nur die Pneus selbst, auch ihre Spuren sind für manche Künstler von Interesse.



"Sexy Tire" von Erich Fritz: Reifen als Objekt der Begierde  "TouchDown": Auf dem Vorfeld des Hamburger Flughafens ist auf rotem Grund ein weißes Flugzeug aufgemalt. Darüber zieht sich der schwarze Abdruck eines Jet-Reifens  "LandingStrip1": "Die Streifen im hinteren Bereich sind die Spuren der aufsetzenden Flugzeuge, davor sind die Landemarkierungen", erklärt Künstler Bernd Uhde, der bei der Arbeit auf dem Rollfeld aus Sicherheitsgründen stets mit dem Tower in Kontakt stand 

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Der Fotograf Bernd Uhde würde gern den Hamburger Flughafen unter Denkmalschutz stellen. Auf der Landebahn sieht er nämlich etwas, was alle anderen nicht sehen: Pop-Art-Kunstwerke aus aufgemalten Verkehrszeichen, Reifenspuren, Farbschlieren. "Die sehen aus wie Zitate aus der Kunstgeschichte", sagt Uhde, dessen Markenzeichen es ist, senkrecht von oben nach unten zu fotografieren. Der Künstler aus Eitzen bei Lüneburg ist offenbar nicht der Einzige, der vom Asphalt des Flughafens fasziniert ist. Im Terminal 4 in Hamburg sind seine Arbeiten in einer Dauerausstellung zu sehen.

Während Bernd Uhdes Fotografien die ursprüngliche Bestimmung der Reifen - als Bestandteil von Fahrzeugen - zumindest andeuten, entfernen sich andere Künstler gänzlich vom Reifen als Mittel zur Fortbewegung. So entwarf die Schweizerin Silvie Fleury goldenen Porzellanbrunnen im Reifendesign, der Berliner Roland Stratmann baute einen von innen leuchtenden Iglu aus Pneus, Modeschöpferinnen aus Baden-Württemberg und Hessen schufen ein Kleid mit Reifen-Schnitzeln und der Kölner Erich Fritz findet das profilstarke Gummi anscheinend so erotisch, dass er eines seiner digitalen Bilder "Sexy Tire" nannte.

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