Prototyp VW präsentiert Ein-Liter-Auto

Mit dem ersten Ein-Liter-Auto will der VW-Konzern das Spritspar-Potenzial im Automobilbau demonstrieren. Der scheidende Vorstandschef Ferdinand Piëch kutschierte den 120 km/h schnellen Prototyp höchstpersönlich von Wolfsburg zur Hauptversammlung nach Hamburg.


VW-Chef Piëch und sein designierter Nachfolger Bernd Pischetsrieder präsentieren das erste Ein-Liter-Auto
DDP

VW-Chef Piëch und sein designierter Nachfolger Bernd Pischetsrieder präsentieren das erste Ein-Liter-Auto

Das Fahrzeug ähnelt einem Batmobil: flach, mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen. Laut VW verbrauchte die windschnittige Leichtbau-Studie auf der 230 Kilometer langen Strecke zwischen dem VW-Stammsitz und Hamburg durchschnittlich 0,99 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Erreicht wurde der Spar-Rekord durch extreme Leichtbauweise und den sehr niedrigen cW-Wert von 0,159.

Die im Windkanal entwickelte Karosserie des 3,65 Meter langen, 1,25 Meter breiten und etwas über einem Meter flachen Fahrzeugs besteht vollständig aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff. Aus Gründen der Gewichtseinsparung ist sie unlackiert. Die CfK-Außenhaut spannt sich über einen Spaceframe-Rahmen, der nicht aus Aluminium, sondern aus dem nochmals deutlich leichteren Magnesium hergestellt wird.

Beim Antrieb des Ein-Liter-Autos handelt es sich nach VW-Angaben um einen Einzylinder-Diesel, der als Mittelmotor vor der Hinterachse positioniert ist; und zwar in Kombination mit einem automatisierten Direktschaltgetriebe. Kurbelgehäuse und Zylinderkopf des 0,3-Liter-Motors sind in Monoblock-Bauweise aus Aluminium gefertigt. 6,3 kW / 8,5 PS bei 4000 U/min leistet der Saugdiesel-Direkteinspritzer mit fortschrittlicher Pumpe-Düse-Hochdruckeinspritzung.

Das Ein-Liter-Auto: vierrädrig, flach, mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen Der Innenraum ist aus Gründen der Gewichtseinsparung "knapp gestaltet" Ansicht von hinten: stammt der Prototyp nun aus dem Windkanal oder aus dem Eiskanal?


Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!

Aufgrund des knappen Bauraumes war es laut VW nicht möglich, ein vorhandenes Getriebe zu adaptieren. Deshalb kommt ein kompaktes, automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe zum Einsatz, dass über einen Drehschalter im Cockpit angesteuert wird.

Zwei Personen haben in dem "knapp gestalteten" Innenraum hintereinander Platz. Einsteigen können sie über Flügeltüren. Auch bei den Sitzen wurde extremer Leichtbau angewendet. So besteht der Sitzrahmen aus Magnesium, statt klassischer Polster kommen hochfeste und dennoch bequeme Gewebespannbezüge zum Einsatz. Der Stauraum im Heck fasst laut VW immerhin 80 Liter.

Trotz des Leichtbaus in allen Komponenten bemühte sich VW nach eigener Darstellung um einen hohen Sicherheitsstandard. Das Konzeptfahrzeug sei mit einem Antiblockiersystem, dem Elektronischen Stabilitätsprogramm ESP sowie einem Fahrerairbag ausgestattet. Deformations-Elemente im Frontbereich sowie die Spaceframe-Konstruktion sorgen den Konstrukteuren zufolge für einen Aufprall- und Überschlagschutz, der dem eines GT-Rennwagens entspricht.

Einen Preis für die Ein-Liter-Studie nennt VW nicht. Dieser dürfte auf Grund der verwendeten hochwertigen Materialien derzeit jenseits aller Möglichkeiten für eine Serienproduktion liegen. Daher ist es auch noch unklar, wann und ob dieses Fahrzeug überhaupt jemals in Serie gehen wird.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gratulierte Volkswagen trotzdem. Mit der Vorstellung des Sparmobils zeige der Autokonzern, dass enorme technische Innovationen möglich seien und nach wie vor ein riesiges Einsparpotential beim Spritverbrauch ungenutzt schlummere. "Hier weist das Ein-Liter-Fahrzeug den richtigen Weg in die Zukunft", urteilt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.

Die Autoproduktion müsse endlich weg vom Motto "schneller, größer, luxuriöser". Um Klima- und Umweltschäden durch den Verkehr zu verringern, sei eine intelligente Mobilität erforderlich, die äußerst sparsam mit Energie und Rohstoffen umgehe und verschiedene Verkehrsmittel kombiniere. Das Ein-Liter-Auto passe gut in ein solches Konzept.

Auf der Hauptversammlung am Dienstag wird Piëch den Konzernvorsitz an seinen Nachfolger Bernd Pischetsrieder abgeben.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.