Rückruf von 1,3 Millionen Autos Blamage für Benz

Wegen Problemen mit Elektronik und Bremsen, die bereits zu Unfällen führten, sieht sich Mercedes-Benz zur größten Rückrufaktion in der Firmengeschichte gezwungen. Betroffen sind die neuen E-, SL- und CLS-Klassen. Einige der Teile stammen vom Zulieferer Bosch, dessen Dieselpumpen erst kürzlich für Ärger sorgten.


Mercedes CLS: Probleme mit den Bremsen führten bereits zu leichten Unfällen

Mercedes CLS: Probleme mit den Bremsen führten bereits zu leichten Unfällen

Stuttgart - Der wegen Qualitätsproblemen in der Kritik stehende Autohersteller DaimlerChrysler startet eine weltweite Rückrufaktion. Geprüft werden bei bestimmten Mercedes-Modellen vom Baujahr 2001 an Spannungsregler der Lichtmaschine, die Software der Stromversorgung sowie Bremsanlagen. Mit 1,3 Millionen betroffenen Autos ist die Aktion der größte Rückruf in der Firmengeschichte von Mercedes-Benz.

Mercedes-Chef Eckhard Cordes sagte: "Wir produzieren die beste Produktqualität aller Zeiten und möchten, dass auch in Kundenhand beanstandete Fahrzeuge auf einen Qualitätsstand kommen, der unseren höchsten Erwartungen entspricht." Nach Angaben von DaimlerChrysler ist von dem Rückruf unter anderem auch eine gemeinsam mit Bosch entwickelte Bremse betroffen. "Es gab wegen der Bremse Unfälle mit geringen Sachschäden", teilte das Unternehmen mit.

Mercedes SL 65 AMG: Qualität der Premiummarke auf dem Prüfstand

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Deshalb werde die Bremsanlage der neuen E-, SL- und CLS-Klasse aus dem Produktionszeitraum Juni 2001 bis März 2005 aktualisiert, teilte der Autobauer mit. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte dazu, es werde in diese Fahrzeuge beim Bremssystem eine neue Pumpeneinheit eingebaut. Gleichzeitig werde ein Halter für den Kabelsatz, der zur Hydraulikeinheit führt, angebracht.

Bei Fahrzeugen mit Sechs- und Achtzylinder-Benzinmotoren aus dem Produktionszeitraum Juni 2001 bis November 2004 wird in den Werkstätten der Spannungsregler der Lichtmaschine überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht. Bei Fahrzeugen der Baureihe E- und CLS- Klasse aus dem Produktionszeitraum Januar 2002 bis Januar 2005 werde eine neue Software des Batteriesteuerungsgerätes für die Optimierung der Stromversorgung installiert.

Im Bereich spezieller Batteriesteuergeräte und Generatorenregler für bestimmte Mercedes-Benz-Baureihen helfe Bosch bei den angekündigten Servicemaßnahmen, teilte der Autozulieferer mit. "Hierbei handelt es sich um nicht sicherheitsrelevante Themen, an deren Lösungen gemeinsam gearbeitet wurde." Andere Automobilhersteller seien nicht betroffen. Ersatzteile seien genügend vorhanden.

Mercedes E-Klasse: "Wir produzieren die beste Produktqualität aller Zeiten"

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DaimlerChrysler schließt Schadenersatzansprüche an den Autozulieferer nicht aus. Bosch hatte Anfang des Jahres wegen fehlerhafter Dieselpumpen schon einmal für Schlagzeilen gesorgt. Mercedes-Benz war im vierten Quartal wegen der Qualitätsprobleme beinahe in die roten Zahlen gerutscht. Das Betriebsergebnis sackte auf 20 Millionen Euro ab. Cordes hatte daraufhin auf der Bilanzpressekonferenz ein massives Sparprogramm zur Kostensenkung angekündigt.

Für Rückfragen von Kunden hat Mercedes-Benz eine Telefon-Hotline für den Bereich Europa eingerichtet: 00800 1 777 7777.



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