Sicherheit im Innenraum Starterknopf statt Zündschlüssel

Details können große Wirkung haben: Bei einem Unfall wird sogar der Zündschlüssel zur Gefahrenquelle im Innenraum eines Autos. Mit einer neuen Generation von Schlüsseln und aktiven Kopfstützensysteme wollen die Hersteller die Sicherheit erhöhen.


BMW-1-Cockpit: Verzicht auf Zündschlüssel
GMS

BMW-1-Cockpit: Verzicht auf Zündschlüssel

Wolfsburg/Burscheid - Crashtests beweisen immer wieder: Den besten Schutz bei einem Autounfall bietet ein perfektes Zusammenspiel von Airbag und Sicherheitsgurt. Doch nicht nur die Rückhaltesysteme müssen funktionieren. Nur wenn möglichst alle Gefahrenquellen im Innenraum beseitigt sind, kommen die Passagiere im besten Fall mit dem sprichwörtlichen "blauen Auge" davon. Deshalb rücken bei den Automobilherstellern und ihren Zulieferern zusehends auch Details in den Blickpunkt.

Jüngstes Beispiel ist eine neue Generation von Zündschlüsseln im Chipkartenformat zum Beispiel bei BMW oder Volkswagen, zum Teil in Kombination mit einem separaten Starterknopf. Dieser habe gleich zwei Vorteile, sagt VW-Sicherheitschef Torsten Strutz: "Er wirkt sehr sportlich und senkt zudem das Verletzungsrisiko im Innenraum." Denn während konventionelle Zündschlüssel knapp neben der Lenksäule bei einem Unfall zum Risiko für das Knie des Fahrers werden können, sei der elektronische Schlüssel im neuen Passat außerhalb der Gefahrenzone platziert worden. "Und am Starterknopf kann sich niemand mehr stoßen", sagt Strutz.

"Vor allem bei der Auslegung der Fahrzeuge für den europäischen Markt haben wir aber das Ziel, dass es gar nicht erst zum Kontakt zwischen Passagier und Instrumententafel kommt", sagt Produktmanager Alexander Hasler, der beim Zulieferer Johnson Controls in Burscheid (Nordrhein-Westfalen) für den Bereich Sicherheit zuständig ist. Deshalb werden die Insassen vorn mit speziellen Konstruktionen im Sitz daran gehindert, unter dem Gurt "durchzutauchen".

Kopfstütze für Kinder

Ebenfalls ein kleines Detail mit großer Wirkung sind aktive Kopfstützen, wie sie mittlerweile bis hinunter in die Kleinwagenklasse eingesetzt werden. "Bei einem Heckaufprall werden sie etwa im Opel Astra mit einem speziellen Mechanismus wie eine Wippe gegen den Hinterkopf gedrückt und verhindern auf diese Weise, dass die Halswirbelsäule überdehnt wird", sagt ein Opel-Sprecher: "Damit gehört das gefürchtete Schleudertrauma fast immer der Vergangenheit an."

Auch auf dem Rücksitz wird die Kopfstütze verbessert. Dafür hat Renault jetzt nach Angaben von Pressesprecher Thomas May-Englert in Scénic, Grand Scénic, Laguna und Espace eine integrierte Lösung für Kinder entwickelt, die als Option für die beiden äußeren Sitze angeboten wird. Im neuen Clio, der zum Herbst auf den Markt kommt, gibt es die Kopfstütze auf Wunsch auf dem Mittelplatz.

"Das Schutzpolster lässt sich mit einem Handgriff in ein U-förmiges Schutzkissen verwandeln, das den Kopf des kleinen Passagiers an drei Seiten umschließt", umschreibt May-Englert die Funktionsweise. Wenn das Kind auf einer altersgerechten Sitzerhöhung reist, lasse sich das Polster dank ausfahrbarer Führungsschienen zudem an seine Größe anpassen.

"Die beiden seitlichen Flügel der Kopfstütze geben dem Kopf eines schlafenden Kindes den nötigen Halt und entlasten so die Nackenmuskulatur", sagt May-Englert. "Und die in die Seitenpartie integrierte Gurtführung sorgt dafür, dass der Gurt nicht am Hals scheuert und stets optimal über Schulter und Brustkorb verläuft." So werde ein Kind bei einem Unfall immer sicher auf dem Sitz gehalten.

Cola-Dose wird zum Geschoss

Dem Schutz der Passagiere im Fond dient auch eine elektronische Überwachung der Sicherheitsgurte auf der Rückbank. Schon jetzt schlagen bei den meisten Fahrzeugen eine Kontrollleuchte und ein Warnsignal Alarm, wenn ein Gast in der ersten Reihe nicht angeschnallt ist. Nun weist nach Angaben der Hersteller etwa in der Mercedes A- und B-Klasse und im Peugeot 1007 eine Anzeige im Cockpit auch auf Gurtmuffel auf der Rückbank hin.

Sicherheitsgurte: Elektronische Überwachungssystem zeigt an, ob die Fondpassagiere angeschnallt sind
GMS

Sicherheitsgurte: Elektronische Überwachungssystem zeigt an, ob die Fondpassagiere angeschnallt sind

"Insgesamt können wir mit dem Sicherheitsstandard und der Detailarbeit im Innenraum heute sehr viel zufriedener sein als noch vor 20 Jahren", sagt Hartmuth Wolff, Leiter der Sicherheitsforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT) in Ismaning (Bayern).

Allerdings verhalten sich laut Wolff viele Autofahrer nach wie vor zu leichtsinnig. Häufig würden etwa Handy-Halterungen vor den Airbags montiert. "Und eine Cola-Dose zwischen Airbag und Kopf kann bei einer Auslösung der Rückhaltesysteme zum gefährlichen Geschoss werden." Ebenfalls riskant sind "Anhängsel" wie Golfbälle am Innenspiegel. Das größte Risiko bestehe in Fehlern beim Anschnallen: "Wer sich in Liegeposition auf den Sitz legt oder die Füße auf dem Armaturenbrett abstützt, wird vom Gurt oder dem Airbag bei einem Unfall nicht geschützt, sondern im ungünstigsten Fall sogar schwer verletzt."

Von Thomas Geiger, gms



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