Twinport-Technik Zweiter Strohhalm

Opel bringt eine neue Motortechnik auf den Markt, die den Benzinverbrauch spürbar senken soll, dies aber auf eine recht simple Art und Weise. "Twinport" nennen die Rüsselsheimer das System, das ab dem Frühjahr zunächst in der Astra-Baureihe zum Einsatz kommen wird.


Während andere Hersteller auf die Benzin-Direkteinspritzung setzen, um die Verbrauchswerte ihrer Ottomotoren zu senken, fährt Opel zweigleisig. Bei Motoren mit großen Hubräumen, so die Rüsselsheimer, sei die aufwändige und teure Direkteinspritzung angemessen und angebracht. Das kommende Modell Signum etwa (Vorstellung im Frühjahr 2003) werde einen 2,2-Liter-Vierzylinder mit Benzin-Direkteinspritzung unter der Haube haben. Bei kleineren Motoren für kleinere und vor allem billigere Autos, favorisieren die Rüsselsheimer jedoch eine andere Spartechnik: jene mit dem Namen Twinport.

 intensive Drallerzeugung   3.Drallkanal   4.Unterdrucksystem zur Steuerung der Drosselklappe (6)   5.Einspritzdüse   6.Drosselklappe zur variablen Einlass-Steuerung

intensive Drallerzeugung
3.Drallkanal
4.Unterdrucksystem zur Steuerung der Drosselklappe (6)
5.Einspritzdüse
6.Drosselklappe zur variablen Einlass-Steuerung

Dahinter verbirgt sich eine schlichte Lösung, um die so genannten Drosselverluste im Teillastbetrieb auszugleichen. Was das heißt? Wird nur ein Teil der Motorleistung abgerufen (Teillast), verengt die Drosselklappe im Ansaugtrakt die Frischluftzufuhr für die Zylinder (Drosselverlust). Der daraus resultierende Widerstand beim Ansaugen der Verbrennungsluft erhöht den Benzinverbrauch. Die Opel-Ingenieure umgehen dies nun folgendermaßen: Im Teillastbetrieb erhalten die Zylinder über eine zusätzliche Leitung bis zu einem Viertel der Luftfüllung aus dem bereits verbrannten Abgas - und das ganz ohne Widerstand. Uwe-Dieter Grebe, Ottomotorenentwickler bei Opel, erklärt das Twinport-Prinzip so: "Wenn Sie ein Getränk mit einem dünnen Strohhalm zu sich nehmen, müssen Sie kräftig ziehen. Nehmen Sie einen zweiten Strohhalm hinzu, geht es plötzlich viel leichter."

Diese Technik ist nicht nur wesentlich einfacher und damit billiger als die Benzin-Direkteinspritzung, sie erfordert auch keinerlei Änderungen der Motorperipherie. Benzin-Direkteinspritzer jedoch benötigen einen zusätzlichen Stickoxid-Katalysator, um die entstehenden Abgase zu reinigen und müssen mit schwefelfreiem Kraftstoff betrieben werden, der noch nicht in allen Ländern Europas erhältlich ist.

Das Twinport-System wird zunächst im 1,6-Liter-Vierzylinder-Motor (100 PS/74 kW) eingebaut. Der Durchschnittsverbrauch der Maschine lag bislang bei 7,0 Liter je 100 Kilometer und soll durch die neue Technik auf 6,5 Liter sinken. Die Leistung wird geringfügig steigen, nämlich auf 103 PS (76 kW).



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.