Wertverlust-Ranking Bei welchem Auto das Geld auf der Strecke bleibt

Während der Tachostand gemächlich Kilometer für Kilometer nach oben dreht, sinkt der Wert des Wagens unerbittlich Euro für Euro. Wer Marke und Ausstattung allerdings mit Bedacht wählt, kann ein böses Erwachen beim Weiterverkauf vermeiden.


Maintal/Stuttgart - "Im Durchschnitt ist ein Auto nach zwei Jahren noch etwa 66 Prozent seines ursprünglichen Preises wert", sagt Antje Splittdorf, Sprecherin des Marktbeobachters EurotaxSchwacke im hessischen Maintal. Allerdings gibt es von diesem Schnitt manche Abweichung.

Ein Porsche zeichnet sich durch große Wertstabilität aus

Ein Porsche zeichnet sich durch große Wertstabilität aus

Finanziell am besten fährt, wer sich einen Roadster kauft. Und sollte in dieser Klasse die Wahl auf einen Mercedes SLK fallen, muss der Geldbeutel am wenigsten leiden. Der sportliche Mercedes ist nach den Untersuchungen von EurotaxSchwacke das wertstabilste Auto am Markt. 83,4 Prozent des Neupreises lassen sich laut dem Schwacke Automobil-Index (SAX) beim Verkauf eines zweijährigen SLK noch herausschlagen.

Nun, nicht jeder kann etwas mit einem SLK anfangen. Und wegen seiner eingeschränkten Alltagstauglichkeit hat so ein Roadster nach zwei Jahren in der Regel deutlich weniger Kilometer auf dem Buckel als ein Familienwagen, was sich natürlich im Wiederverkaufspreis niederschlägt.

Gute Wertstabilität bieten durchaus auch ein Smart aus der Miniklasse, der nach zwei Jahren immerhin noch 76,22 Prozent einbringt. Bei den Mittelklasse-Kombis bildet der BMW 320 d mit 79,46 Prozent die Spitze.

ADAC-Grafik zum Wertverlust
ADAC

ADAC-Grafik zum Wertverlust

Mit starken Einbußen rechnen muss, wer sich für eine Oberklasse-Limousine entscheidet. Der Opel Omega etwa kommt nach zwei Jahren gerade noch mit einem Restwert von 53,20 Prozent davon. Ein BMW 740iA erreicht immerhin noch 52,23 Prozent. Am besten steht in diesem Bereich der Mercedes S 500 da, der mit zwei Lenzen in den Scharnieren noch 66,67 Prozent seines Neupreises Wert ist.

An dieser Rangfolge ändert sich auch bei älteren Gebrauchten wenig. Laut der Markenuntersuchung AutomarxX des ADAC in München stehen bei vier Jahre alten Autos Fahrzeuge wie ein Mercedes SLK 200 oder der BMW 320d an der Spitze der Wertstabilsten. Der SLK hat auch nach dieser Zeit nur 28 Prozent des Neupreises eingebüßt, der BMW 32 Prozent.

Große Unterschiede hat auch die Markenwahl zur Folge. Hier nimmt unter den Vierjährigen Porsche die Spitze ein, mit einem durchschnittlichen Wertverlust von 34,7 Prozent. Auf den Plätzen folgen Smart mit 42,4 und Audi mit 42,5 Prozent. Am meisten Abstriche müssen bei Marken wie Hyundai, Rover, Kia und Daewoo gemacht werden, die vom ADAC mit Verlusten zwischen 58,3 und 61,7 Prozent geführt werden.

Zusätzlich lässt sich beim Neuwagenkauf mit weiteren Details Einfluss auf den Verlust nehmen. "Grundsätzlich gilt, dass ein Fahrzeug, das als Neuwagen gefragt ist, auch gebraucht bessere Preise erzielt", sagt Jürgen Schönleber, Sprecher der Informationszentrale für den Gebrauchtwagenmarkt Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Stuttgart. "Zur Zeit haben außerdem Fahrzeuge mit Dieselmotoren einen geringeren Wertverlust." Umgekehrt sei der Verlust bei Motorisierungen mit mehr als zwei Litern Hubraum größer.

Wichtig sei zudem die richtige Ausstattungswahl - denn wer seine Luxuslimousine mit zu wenig Extras bestückt, steht später ebenso vor Problemen wie Eigner üppig ausstaffierter Minimobile. "Bei einer Luxuslimousine wird zum Beispiel Leder oder Automatik erwartet", so Schönleber. "Wer dagegen einen Kleinwagen mit Sitzheizung und elektrischer Sitzverstellung ausrüstet, findet womöglich leicht einen Käufer - die Investition schlägt sich aber kaum im Preis nieder."

Gebrauchtwagenkäufer, die sparen wollen, können sich die Wertverluste auf andere Weise zu Nutze machen - indem sie gegen den Trend kaufen. "Man kauft zum Beispiel günstiger, wenn man einen Gebrauchten mit weißem Lack statt modernem Silber nimmt, zur Limousine statt zum gefragten Kombi greift, einen stärkeren Benzinmotor statt eines Diesels wählt", so Schönleber.

Wer dann einige Jahre mit dem "untrendigen" Gebrauchten unterwegs war, hat beim Verkauf womöglich gar nicht mehr die Probleme wie der Erstbesitzer: "Beim Wertverlust gibt es die größten Unterschiede nach zwei Jahren", sagt EurotaxSchwacke-Sprecherin Splittdorf. "Später gleicht es sich dann an."



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