Dein SPIEGEL: Herr Steinmeier, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kanzler werden zu wollen?
Steinmeier: Ich will mich einmischen und was verändern, deshalb bin ich Politiker. Viele Leute haben Angst um ihre Arbeit, der Frieden in der Welt muss sicher bleiben, die Umwelt und das Klima sind weiter bedroht, und die Städte haben nicht genügend Geld. Wenn ich zum Beispiel dafür sorgen kann, dass in den Ferien Schulen repariert oder neu gestrichen werden, dann freut mich das.
Dein SPIEGEL: Und was können Sie besser als Angela Merkel?
Steinmeier: Ich habe ziemlich genaue Vorstellungen davon, was wir in den nächsten zehn Jahren tun müssen, um Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Anders als Frau Merkel glaube ich, dass wir dafür genügend Geld brauchen und deshalb die Steuern nicht einfach senken können.
Dein SPIEGEL: Was sind die drei Top-Themen, die Sie als Kanzler behandeln würden?
Steinmeier: Zuerst geht es mir um Arbeitsplätze. Es ist wichtig für eure Eltern, dass sie Arbeit haben und Geld verdienen. Davon bezahlen sie auch eure Kleidung, den Urlaub, das Auto. Der zweite Punkt sind die Schulen. Ihr seid vielleicht auf guten Schulen, aber es gibt auch Stadtviertel, da sieht es nicht so gut aus. Dort brauchen wir bessere Kindergärten und Schulen. Drittens will ich die Umwelt schützen. Dazu würde ich Energie aus Wind und Sonne stärker fördern.
Dein SPIEGEL: Viele sagen, dass Merkel sowieso gewinnt.
Steinmeier: Ich glaube nicht an Umfragen. Ich bin viel unterwegs, auf Marktplätzen, in Betrieben, manchmal auch bei Festen. Da sagen mir viele Menschen: "Ich bin einverstanden mit dem, was du da machst." Darum bin ich zuversichtlich. Viele Menschen haben sich noch gar nicht entschieden, wen sie wählen wollen. Bis zum Wahltag will ich möglichst viele überzeugen.
Dein SPIEGEL: Üben Sie Ihre Wahlreden zu Hause vor der Familie?
Steinmeier: Nein, meine Tochter würde mir das verbieten. Ich habe mittlerweile auch schon so viele Reden gehalten, da muss ich nicht mehr groß üben.
Dein SPIEGEL: Wenn Sie die Wahl verlieren, was machen Sie dann?
Steinmeier: Darüber denke ich nicht nach. Ich kämpfe dafür, dass ich gewinne.
Dein SPIEGEL: Und wenn doch?
Steinmeier: Das wird nicht passieren.
Dein SPIEGEL: Wären Sie denn auch zufrieden, einfach weiter Außenminister zu sein?
Steinmeier: Nein. Darum bewerbe ich mich ja als Kanzler.
Dein SPIEGEL: Wozu braucht Deutschland eigentlich einen Außenminister?
Steinmeier: Auf einem Globus könnt ihr sehen, dass es fast 200 Staaten auf der Welt gibt. Ich sorge dafür, dass Deutschland mit denen möglichst in Frieden lebt. Wir Außenminister handeln weltweite Verträge aus, etwa darüber, schreckliche Waffen abzuschaffen. Manchmal gibt es auch Krieg wie Anfang des Jahres im Nahen Osten. Da rede ich mit den Gegnern und trage dazu bei, dass die sich wieder vertragen.
Dein SPIEGEL: Wie viele Kilometer sind Sie schon geflogen?
Steinmeier: Genau weiß ich das nicht, aber ein paar Dutzend Mal bin ich wohl um die Welt geflogen. Ich war in über 70 Ländern.
Dein SPIEGEL: Was war das Ekligste, was Sie auf Ministerreisen essen mussten - und wo?
Steinmeier: Das war auf einer Reise in Zentralasien. Zum Abendessen gab es Hammel, der als Ganzes gebraten und hereingefahren wurde. Mir als Ehrengast bot man das Auge an! Ich habe es nicht gegessen.
Dein SPIEGEL: Ist Ihnen auf Reisen mal etwas richtig Peinliches passiert?
Steinmeier: Das war in einem großen Land in Asien mit einem sehr kleinen Außenminister. Als wir zur Pressekonferenz gingen, verlor ich ihn in dem Gewühl der Journalisten aus den Augen. "Wo ist der Außenminister?", rief ich immer wieder, "wo ist der Außenminister?" Auf einmal meldete sich vor mir eine Stimme: "Hier, ich bin der Außenminister." Er stand direkt vor mir, und ich hatte die ganze Zeit über ihn hinweggeguckt.
Dein SPIEGEL: Wer ist Ihr Lieblingskollege, und wen können Sie gar nicht leiden?
Steinmeier: Mit einem habe ich mich richtig angefreundet, das ist Jean Asselborn aus Luxemburg. Wen ich am wenigsten mag, sage ich lieber nicht - der wäre beleidigt, und das wäre schlecht für Deutschlands Beziehungen zu dem Land.
Dein SPIEGEL: Warum reisen Sie eigentlich? Es gibt doch Telefon und Webcams.
Steinmeier: Ich telefoniere ja auch sehr viel, und es gibt auch Videokonferenzen. Aber wenn es wirklich hart auf hart geht, dann ist es am besten, wenn man dem anderen gegenübersitzt. Ich mag das lieber. Man sieht zum Beispiel, ob der andere unterm Tisch mit dem Fuß aufstampft oder nicht.
Dein SPIEGEL: Können Sie auf Ihrem Telefon auf eine Kurzwahltaste drücken, und am anderen Ende hebt Obama ab?
Steinmeier: Ein bisschen komplizierter ist es doch. Viele Politiker haben zwar Handy-Nummern voneinander. Aber wenn ich morgens um neun Uhr einfach mal die Außenministerin Hillary Clinton anrufen würde, wäre die nicht begeistert, weil es bei ihr in Amerika erst drei Uhr nachts wäre.
Dein SPIEGEL: Könnten Sie uns denn nachher die Nummer verraten?
Steinmeier: Könnte ich, aber ich tue es nicht.
Dein SPIEGEL: Rufen Sie manchmal jemanden an und sagen ihm die Meinung?
Steinmeier: Ja, klar. Wenn irgendwo Krieg ausbricht und Menschen sterben, dann rufe ich den Außenminister dort an und sage: "Schießt nicht aufeinander, redet miteinander."
Dein SPIEGEL: Was ist das verrückteste Geschenk, das Sie je bekommen haben?
Steinmeier steht auf und holt vom Regal das goldene Modell einer Ölförderanlage.
Steinmeier: Das hier hab ich aus Aserbaidschan. Und wenn man diesen Knopf drückt, drehen sich die Rädchen, und eine Spieluhr spielt das Lied: "Wenn ich einmal reich wär". Eigentlich sind die aber schon reich, bei dem vielen Öl.
Dein SPIEGEL: Muss man immer Einsen haben, um später Kanzler zu werden?
Steinmeier: Nein. Ich war in der Schule ganz okay: nicht sitzengeblieben, aber auch nicht der Klassenprimus.
Dein SPIEGEL: Mit einem anderen Beruf hätten Sie heute vielleicht mehr Zeit für Ihre Familie.
Steinmeier: Stimmt. Darüber bin ich auch traurig, gerade im Wahlkampf ist es ganz knapp mit der Zeit. Gestern abend kam ich erst um elf nach Hause. Meine Frau und meine Tochter hatten bei Ikea ein Regal und einen Spiegel gekauft, beides musste unbedingt noch aufgebaut und angebracht werden. Das habe ich dann nachts bis eins gemacht.
Dein SPIEGEL: Sie treffen viele Prominente. Müssen Sie manchmal für Ihre Tochter Autogramme besorgen?
Steinmeier: Manchmal geben mir Sänger oder Schauspieler eines mit, aber sie bestellt eigentlich keine.
Dein SPIEGEL: Auch keines von Merkel?
Steinmeier: Stellt euch vor: nein!
Dein SPIEGEL: Wenn Sie und Frau Merkel keine Politiker wären, könnten Sie dann befreundet sein?
Steinmeier: Wir sind sehr unterschiedliche Lebenswege gegangen, deswegen wären wir wohl nicht engste Freunde geworden.
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Ich bein kein Steinmeier-Fan und schon gar nicht Wähler, aber in zwei Stunden ein IKEA-Regal aufzubauen (selbst ein kleines), ist eine beachtliche Leistung. Bau auf, bau auf... mehr...
Immerhin wissen wir jetzt, dass der Steinmeier für den Aufbau eines Ikea-Regals zwei Stunden braucht. Zu seiner Ehre wollen wir mal annehmen, dass es ein ganz, ganz großes Regal war. Und statt dem WUMS der Grünen, geht es ihm um [...] mehr...
Der Begriff der Wahlwerbung wird weit verstanden, so dass bereits ein inhaltlicher Bezug zur Wahl und zum angestrebten Wahlerfolg ausreicht. Anhaltspunkte liefern hier Kriterien, die zu Begriff und zulässigemInhalt von [...] mehr...
früher versuchte ich auch den SPIEGEL meiner Eltern zu lesen. Damals alles noch auf Schwarzweiß (Layout) und alles war für mich unglaublich "geschraubt" formuliert. Gäähn. mehr...
Coole Idee - weiter so! :) mehr...
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